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Massenschlägerei in Nienborg ohne Beteiligte

Vor dem Amtsgericht bleiben viele Fragen offen

Nienborg Wegen Körperverletzung stand ein Nienborger vor Gericht. Er soll einen 27-Jährigen im Streit mit einem Stock auf den Kopf geschlagen haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil am Ende zu viele Fragen offenblieben.

Vor dem Amtsgericht bleiben viele Fragen offen

Als der Angeklagte verspätet mit Jogginghose, Schalke-Mütze und Hals-Tattoo den Gerichtssaal betrat, fragte er: „Bin ich hier richtig?“ Als der Richter das Verfahren zwei Stunden später einstellte, hätte er diese Frage auch gut selbst stellen können.

Neun Zeugen hatte der Richter im Amtsgericht fast zwei Stunden lang vernommen, doch viele Fragen blieben offen. Der Vorwurf: Gefährliche Körperverletzung. Mit einem abgebrochenen Besenstiel soll der 38-jährige Angeklagte Nienborger einem anderen Nienborger im Streit auf den Kopf geschlagen haben, sodass dieser eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung davontrug. Was bekannt ist: Nach einem Musikfestival auf der Burg Nienborg im Juli kam es zu dem Streit mit mindestens zehn Beteiligten. Was unklar blieb: Wie es dazu kam und was genau sich bei der Auseinandersetzung ereignete.

Mit Stock gefuchtelt

Der Angeklagte hatte das Festival mit einem Kumpel besucht. Nach Ende der Veranstaltung sei es bereits am Burgtor zur Pöbelei mit sechs Nienborgern gekommen, erklärte er. Der Sicherheitsdienst ging dazwischen und trennte die Gruppen. Doch bereits an der Musikakademie trafen sie wieder aufeinander. Beim dritten Zusammentreffen auf der Straße „Achter de Stadt“ holte der Angeklagte den Stiel aus seiner Einfahrt.

„Aber auf keinen Fall, um jemanden anzugreifen“, beteuerte der 38-Jährige. „Ich wollte die nur einschüchtern, denn ich hatte Angst um meinen Kollegen.“ Der sei von vier Leuten angegriffen und niedergeschlagen worden. „Da habe ich mit dem Stock rumgefuchtelt, um sie zu verscheuchen.“

Unbeteiligte Beteiligte

„Aber sie haben jemanden getroffen“, entgegnete der Richter. „Aber nicht absichtlich“, so der Angeklagte. Alkoholisiert sei er nur minimal gewesen. „0,58 Promille“, las der Richter aus der Akte vor. „Wie viel ist das?“, fragte der Angeklagte. „0,58 Promille.“

Auch der Kumpel des Angeklagten konnte nicht zur Aufklärung beitragen. Drei bis vier Leute seien vor seinem Haus auf ihn zugerannt. Dann seien auf beiden Seiten die Fäuste geflogen. An diese Faustschläge konnte sich aber keiner der anderen Kontrahenten erinnern. Überhaupt wollte keiner von ihnen den Streit gesucht haben. So gaben sieben Zeugen nacheinander an, vom Ursprung des Streits nichts mitbekommen zu haben. Dass sie derart unbeteiligt waren, nahm ihnen der Richter nicht ab. Stutzig machte ihn auch, dass einer der unbeteiligten Beteiligten gegen 4.30 Uhr Richtung Tatort gelaufen war, obwohl sein Heimweg in der entgegengesetzten Richtung lag.

„Ich habe den Eindruck, dass nicht alles richtig ist, was Sie sagen“, richtete der Richter an die Zeugen und stellte das Verfahren wegen „geringer Schuld“ ein. Eine Notwehr des Angeklagten sei nicht auszuschließen. Die Verfahrenskosten trägt die Landeskasse.

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