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Region rund um Werne

Darum gibt es gerade so viele Marienkäfer

HERBERN/WERNE/CAPPENBERG "23 Grad, 108 Golfer und 108.000 Marienkäfer": So kommentiert der Golfclub Wasserschloss Westerwinkel auf seiner Facebook-Seite das, was am Wochenende in Herbern passiert ist: Die Käfer waren los. Aber so richtig. Doch was steckt hinter dem besonderen Naturschauspiel, das sich am Wochenende in der Region rund um Werne abspielte?

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Ein asiatisches Exemplar auf dem Golfplatz neben Schloss Westerwinkel in Herbern.

Die schwarzen Punkte sind Marienkäfer - auf dem Torhaus von Schloss Cappenberg.

Viele Hundert acht Millimeter große Punkte krabbelten am Samstag auf dem Golfplatz am Schloss Westerwinkel in Herbern herum. Auch die weiße Fassade des Torhauses in Cappenberg war schwarz gesprenkelt, rot-schwarz, wenn man genau hinschaute. „Eine Invasion“, sagte ein Besucher am Torhaus. „Eine Plage“, sagte der nächste. Und in Werne? Wurden die kleinen Krabbeltiere an der Lippestraße, der Vinzenzstraße und im Neubaugebiet Hustebecke gesichtet.

„In der Mehrheit handelt es sich um asiatische Marienkäfer“, so Kerstin Konrad von der Biologischen Station für den Kreis Unna und Dortmund gegenüber den RN. „Die heimischen Arten, vor allem der Sieben-Punkt-Marienkäfer, sind nur noch in kleiner Zahl anzutreffen.“

Enormer Appetit

Auch an der Torhauswand und auf dem Golfplatz krabbeln vor allem Käfer mit dunkelroter Grundfärbung – nicht mit sieben schwarzen Punkten, sondern mit bis zu 19 Punkten, manchmal auch mit gar keinem. So unterschiedlich die ursprünglich aus Japan und China stammenden Tiere aussehen, eines ist ihnen gemeinsam: ein enormer Appetit. „In erster Linie auf Blattläuse“, sagt Werner Schulze aus Bielefeld, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft westfälisch-lippischer Entomologen (Insektenkundler) auf RN-Anfrage. Wenn Blattläuse aus seien, nähmen sie aber auch vorlieb mit heimischen Marienkäfern, „notfalls auch mit Artgenossen“.

Nicht nur beim Fressen ist das vor mehr als zehn Jahren eingewanderte Insekt sehr erfolgreich, sondern auch bei der Vermehrung. Während sich die heimischen Marienkäfer damit begnügen, einmal im Jahr für Nachwuchs zu sorgen, sind die exotischen Kollegen – auch Harlekin-Käfer genannt – bis zu fünfmal dabei, wie Schulze sagt.

 

 

„Keine Bedrohung“

Die Spaziergänger, die am Sonntag fasziniert vor der weißen Wand des Torhauses in Cappenberg stehen geblieben sind, interessiert der Unterschied zwischen den beiden Arten eher weniger. Sie machen sich mehr Sorgen über die große Menge der Tiere. „Ist aber Unsinn“, beruhigt Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) NRW. „Für den Menschen sind die Käfer keine Bedrohung.“ Die Käfer schwärmten zurzeit auf der Suche nach einem Winterquartier: eine Mauerritze, der Hohlraum eines Baumes – manchmal aber auch eine Wohnung. Letztere sei aber ungeeignet – nicht nur aus Sicht des Menschen. „Weil unsere Wohnungen beheizt sind, würden die Käfer nicht in Winterstarre fallen, sie würden verhungern und verdursten.“

Die Bewohner der Cappenberger Torhäuser hatten die Fenster vorsorglich geschlossen am Sonntag. Was aber tun, wenn es Käfer doch ins Haus schaffen? „Vorsichtig zusammenfegen und auf dem Kehrblech hinaustragen“, rät Schulze. Ob es in diesem Jahr noch einmal so ein großes Gekrabbel geben wird wie am Wochenende in Werne, Herbern und Cappenberg? Nabu-Sprecherin Königs glaubt es nicht. „Die meisten Käfer werden an dem warmen Tag ihr Plätzchen zum Überwintern gefunden haben.“ 

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