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Herman van Veen: Zauberer und melancholischer Clown

BOCHUM/WITTEN Herman van Veen präsentierte sich beim Zeltfestival einmal mehr als wunderbarer Sänger und Geschichtenerzähler. Freud und Leid liegen bei Herman van Veen ganz nah beieinander.

Herman van Veen: Zauberer und melancholischer Clown

Herman van Veen ist am Freitag im Konzerthaus zu sehen.

Das klingt banal, bezeichnet jedoch ziemlich genau den Trick, mit dem der Niederländer eine ganz wunderbar verträumte Atmosphäre ins Konzertzelt am Kemnader See zauberte.

Sehr stimmig, dass van Veen bei seinem Auftritt am Mittwoch dort tatsächlich wirkte wie ein Zauberer - oder ein melancholischer Clown. So wurde das Zelt zum Zirkuszelt: Mit Luftballons und Glitzerstaub, von der Decke prasselnden Tischtennisbällen und einem geheimnisvollen Geister-Xylophon. Der Liedermacher, Gitarrist und Geiger, dessen seit 1968 bestehende Produktionsfirma „Harlekijn“ heißt, präsentierte sich eben so: Als ein Hofnarr, ein Possenreißer, auf dessen nächsten Schabernack man immer gefasst sein muss.

Doch sein Gegenstand ist eben auch das Dunkle. So erzählte er die Geschichte von dem Paar, das nach 60 Jahren Ehe die Scheidung beantragt: „Warum? Weil wir warten wollten bis die Kinder tot sind.“ Es folgte „Kyrie Eleison“, seine Hymne an alles Betrauernswerte in dieser Welt. Herman van Veen ist keiner, von dem man ein Best-of-Programm erwarten kann. So gibt es kein „Weg da“ und auch keinen „Kleinen Fratz“. Und auch Alfred Jodocus Kwaks „Warum bin ich so fröhlich?“ begegnet dem Publikum nur in der verzerten Fratze des in die Rolle des Betrunkenen schlüpfenden Harlekins.

Der Liedermacher will eben nicht grundlos fröhlich sein in einer Welt, in der „Vietnam jetzt Irak heißt“ und in Korea das geteilte Deutschland fortlebt. Doch spätestens seit seinem „Wiegenlied“ weiß van Veen: „Der Krieg bringt nie mein Lied zum verstummen - so laut das Getöse, so leise mein Gesang.“ Und so schreit er nicht gegen das Unheil der Welt an, sondern treibt seine leisen Späße mit ihm, setzt sie ihm entgegen.

Wie die Tischtennisbälle auf der Bühne springt er mit seiner klassisch ausgebildeten, immer noch samtweichen Stimme in über 40 Jahren entwickelten Oevre hin und her. Geradezu zärtlich begleitet wird er dabei vom alten Gefährten Erik van der Wurff am Klavier, von der brillanten Konzertgitarristin Edith Leerkes, die nicht selten mit ihrem Solospiel begeistert, und Jannemien Cnossen an der Violine. Stundenlang hätte man ihm noch zuhören können, als er nach zwei Zugaben die Bühne verließ.

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