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Kunstmuseum

Johannes-Brus-Ausstellung zum Jubiläum

BOCHUM „Frühe Fotos – späte Schäden“ – schon der Titel der neuen Ausstellung im Kunstmuseum spricht von Johannes Brus‘ Sinn für Ironie. Und so sind auch seine Werke vielschichtiger als es der erste Blick auf seine großen Skulpturen vermuten lässt.

Johannes-Brus-Ausstellung zum Jubiläum

Johannes Brus mit einem Pferd. Sie sind für ihn fest mit dem Ruhrgebiet verankert.

Die machen erstmal – abseits jeder kunsthistorischen Betrachtung – Spaß. Der große Elefantenkopf, die beiden lebensgroßen Pferde, die Löwin mit ihren Jungen oder der amerikanische Wolkenkratzer, der aus Schokoladetafeln zusammengesetzt scheint – sie alle ziehen die Blicke auf sich. Und machen klar, warum die Ausstellung perfekt zum Sommer und dem vielfältigen museumspädagogischen Programm passt.

Johannes Brus im Kunstmuseum

Johannes Brus mit einem Pferd. Sie sind für ihn fest mit dem Ruhrgebiet verankert.
Blick in die Ausstellung Johannes Brus im Kunstmuseum.
Wolkenkratzer aus Schokolade und ein blaues Pferd - Auseinandersetzung mit Amerika
Wahrzeichen von Johannes Brus: das Nashorn
Museumsdirektor Hans Günter Golinski in der Ausstellung Johannes Brus
Johannes Brus mit der Arbeit "Fünf Bildhauer".
Sechs Bildhauer: Johannes Brus mit seiner Arbeit "Fünf Bildhauer".
Löwin mit Jungen von Johannes Brus.
Johannes Brus mit den Arbeiten "Die unmündige Tochter " (links) und "Die Denkerin", in denen er  jeweils zwei Figuren einander gegenüber stellt.
Zum Blauen Pferd passt eine Fotografie, in der Brus Franc Marc auf ein blaues Pferd setzt. Im Vordergrund "Der Spiegel".
"Der Spiegel" von Johannes Brus.
"Die unmündige Tochter"
"Die Denkerin"
Aus einer versehentlich zertrümmerten Skulptur schuf Johannes Brus eine neue.
Tierfiguren und Relikte aus Industrieanlagen finden hier zueinander.
Nashorn und Pumpe finden hier zueinander.
Blick in die Ausstellung.
Museumsdirektor Hans Günter Golinski und Johannes Brus (r.) mit zwei lebensgroßen Pferden.
Das Pferd von Johannes Brus lässt an antike Skulpturen denken. Vielleicht hat sich deshalb schon eine Schnecke im Ohr festgesetzt.
Das Pferd von Johannes Brus lässt an antike Skulpturen denken. Vielleicht hat sich deshalb schon eine Schnecke im Ohr festgesetzt.

Der Termin der Ausstellungseröffnung allerdings wurde auch aus einem anderen Grund gewählt. Johannes Brus wird am Samstag, 2. Juni, wenn um 17 Uhr die Ausstellung eröffnet wird, seinen 70. Geburtstag feiern können. Eine Retrospektive allerdings zum Ehrentag hatte das Kunstmuseum nicht im Sinn. Vielmehr soll gezeigt werden, dass bei dem in Essen lebenden Künstler Fotografie und Bildhauerei gleichgewichtig nebeneinander stehen. Museumsdirektor Hans Günter Golinski: „Was die Skulpturen kennzeichnet, kennzeichnet auch seine Fotografien.“ Hier wie da nutzt er als Fundus Bilder des kollektiven Gedächtnisses.

In den 70er Jahren entstanden die meisten der gezeigten Fotografien. Johannes Brus hatte damals die Düsseldorfer Kunstakademie hinter sich gelassen. Beeinflusst von Künstlern wie Joseph Beuys und der Fluxus-Bewegung schuf er Fotografien, in denen es nicht um die Abbildung von Realität geht. Er experimentierte mit der Technik, nutzte Überblendungen oder übermalte Teile der Arbeiten mit Lackfarbe. Nicht alles ist auf den ersten Blick eindeutig zuzuordnen. Immer wieder denkt man über archäologische, mystische oder surreale Dimensionen nach. Was sich bei den Fotografien zeigt, setzt Johannes Brus bei seinen Skulpturen fort. Hier wird ganz klar sein Bezug zum Ruhrgebiet deutlich. Für Golinski gehört er zu den Künstlern, die mitverantwortlich dafür sind, dass das Ruhrgebiet inzwischen ein anderes Erscheinungsbild hat: „Er hat sich am Strukturwandel aus ästhetischer Sicht beteiligt.“ Der Künstler zeigt Analogien zwischen Industrie und Tierwelt. Überreste der Industrie, Pumpen oder Fliehkraftregler, setzt Brus in seinen Skulpturen neben Elchköpfe, Nashörner oder Elefanten. Immer bleibt der Prozess des Schaffens sichtbar. Bei den Pferden – „sie sind für mich untrennbar mit dem Ruhrgebiet verbunden“ – sieht man beispielsweise noch die Einfüllstutzen für den Fließbeton.

Auch wenn die Skulpturen naturgetreu wirken, geht es ihm weniger um eine realistische Abbildung. Elefanten neben einer Kokille verweisen für ihn mehr „auf die physische Präsenz, auf das anachronistische und elefantöse“, das die Industrierelikte haben. Seine fünf Bildhauer sitzen untätig auf dem Boden, in sich ruhend deuten sie auf die Schwere des Materials hin. Eine differenzierte Herangehensweise des Betrachters provoziert Johannes Brus bei drei Frauen, denen er jeweils eine abstrakte Figur gegenüberstellt. Der Besucher wird somit nicht zum Gegenüber der drei Frauen, sondern kommt als dritter dazu, beobachtet somit eine andere Begegnung. Wie bei anderen Arbeiten sind da schnell Gedanken an geheimnisvolle Welten, die merkwürdig vertraut und doch fremd sind.   

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