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Klein karierte Notizen

BOCHUM Manche waschen ihre Socken darin, andere putzen ihr Tafelsilber damit, wieder andere schmeißen sie nach langjährigem Gebrauch einfach weg - oder machen aus ihnen etwas gänzlich Neues. Wie die Buchbinderei der JVA Krümmede, die ausrangierte Kopfkissen- und Bettbezüge wie auch alte Matratzen-Laken zu originellen Notizbuch-Umschlägen umgearbeitet hat.

Himmelblau, beige-braun oder klassisch blau-weiß gewürfelt sind die Stoff-Ummantelungen, aufgepeppt mit kleinen Hinweisen auf den Entstehungsort: "JVA", "Krümmede", "44791", richtig witzig ist der Schriftzug "Altmatratz", der den Umschlag aus alten Matratzenbezügen schmückt. Richtige Unikate sind sie alle, die Knast-typischen blau-weiß Gewürfelten dürften sogar Sammlerstücke werden, "denn solche Bettbezüge gibt es bei uns seit Jahren nicht mehr", sagt Horst Petrat.

Knast-Wäsche

Der 43 Jahre alte JVA-Bedienstete leitet die Buchbinderei und wollte sich für den jährlichen Verkaufsbasar, der Sonntag (18.11.) in der JVA seine Pforten öffnet, etwas ganz besonderes einfallen lassen. Dabei ließ er sich von Arbeiten aus einer Berliner Haftanstalt inspirieren: "Die machen da aus ausrangierten Stoffen zum Beispiel T-Shirts, die inzwischen richtige Renner sind", berichtet Petrat. Klar, wenn auf dem Knasthemd die "Unschuld" prangt. Buchbinder Petrat kam vom Hemd auf's Notizbuch, besorgte sich die "tausendfach gebrauchte und genauso oft tiefen gereinigte Knastbettwäsche", und brachte dem 42-jährigen Ralf die Kunst des "Bucheinbindens" bei. Der gelernte Kraftfahrer, der noch bis Mitte März eine Haftstrafe absitzen muss, machte sich mit Elan an die Sache, "das ist doch hier drin ein sinnvoller Zeitvertreib". Bei dem es, so nebenbei, eine Menge über die alte Buchbinder-Kunst, die noch in der Krümmede gepflegt wird, zu lernen gab.

Lembecken

Über das "Lembecken" zum Beispiel, die "handwerkliche Klebebindung, die nach ihrem Erfinder Emil Lembeck benannt wurde", erläutert Horst Petrat. Und dass bei dem ein oder anderen Büchlein die Stoffdecke etwas verzogen ist, tut der Auflage nun wirklich keinen Abbruch. Wenn man sich dann noch ausmalt, welche Träume und Wünsche über die Jahre in die Bezüge geflossen sind, müssten sich die Notizheftchen mit vielen Geschichten ganz von allein füllen. Nur 80 davon gibt es am Sonntag zwischen 14 und 17 beim Basar zu erstehen, Horst Petrat und seine Truppe überlegen schon die nächsten Umschlag-Auflagen, Tipps gibt's genug. "Schließers-Feinripp" aus alten Bediensteten-Blousons könnte ein Renner werden.  Der Verkaufsbasar der Krümmede hat neben Produkten aus der Buchbinderei, unter anderem auch Fotoalben oder Zeitschriftenhalter, eine Menge mehr aus seinen anderen Werkstätten zu bieten: Kleine Skulpturen aus Metall, Holzspielzeug, Bistrotische oder ganze Grills. Der Zugang zum Basar (18.11.) ist nur über die Pforte II an der Karl-Lange-Straße möglich. Parkplätze gibt es am Blumenfriedhof und auf dem Parkplatz der Stahlwerke.

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