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Konservierte Geschichte: Bunkerstollen an der Henrichshütte

BOCHUM Der Studienkreis Bochumer Bunker erarbeitet seit Jahren Kartenmaterial vom gesamten Luftschutzraum Bochum. Auf dem Gelände der Henrichshütte befindet sich ein Bunkerstollen. Die Mitglieder des Studienkreises vermuten tief darunter weitere Gänge zu einem Bergwerk - und Hinweise auf eine unterirdische Produktionsstätte.

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Unter dieser Erhöhung soll sich ein Zugang zum Bergwerk befinden.

Michael Ide ist Fachbereichsleiter für Bautechnik und Dokumentation beim Studienkreis Bochumer Bunker. Untertage ist er in einer anderen Welt.

Glühbirne in Übergröße: Wilfried Maehler hat das so noch nicht gesehen. Die Lampen soll es aber noch geben, meinen die Kollegen.

Die drei Männer - Michael Ide, Wilfried Maehler und Paul Förster (v.l.) finden eine alte Kabeltrommel.

Drei Männer stehen zusammen. Sie haben dieses gewisse Leuchten in den Augen. Dieses Leuchten, das sonst eher neugierigen Jungs zu eigen ist. Taschenlampen gehen an. Die drei Männer sind neugierig - auf konservierte Geschichte.Eingeschlossen in der Geschichte 40 Minuten gefangen in einem Zeitloch. 40 Minuten, die sich anfühlen wie fünf, zehn vielleicht. 40 Minuten in einer Dunkelheit, die die Lichtstrahlen nur an wenigen Stellen durchbricht. Licht von Taschenlampen. 40 Minuten eingeschlossen in der Geschichte: vom zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre. Genau darauf haben sich die drei Männer gefreut. Darauf haben sie seit Wochen in Ruhe hingearbeitet. Michael Ide, Wilfried Maehler und Paul Förster. Drei Männer vom Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen - kurz Studienkreis Bochumer Bunker (SBB).

Detailgetreue Aufzeichnungen

Anhand von alten Aufzeichnungen, Kartenmaterial, Fotos und gesundem Menschenverstand erarbeitet sich der Verein seit Jahren vom gesamten Luftschutzraum Bochum ein Kartenmaterial. Material das so nirgendwo zu finden ist. Michael Ide trinkt einen Schluck Kaffee und zeigt auf seinen Laptop. Zeigt auf einen Umgebungsplan, der bis tief unter die Erdoberfläche unglaublich detailgetreu scheint. Bochum flimmert blau - und blau steht für Luftschutzbunker.

Erforschen, ausgemessen und katalogisieren

Die drei Männer haben schon viele Bunker entdeckt, erforscht, ausgemessen und katalogiesiert. Den Luftschutzraum unter Bochum kennen sie genau. Diesmal geht es um einen Bunkerstollen. Auf dem Gelände der Henrichshütte bei Hattingen. Den Raum haben sie vor fünf Jahren entdeckt. Davor war er seit 1986 vergessen. Die drei Männer vermuten tief unter dem ehemaligen Luftschutz- und späteren Arbeits-Stollen weitere Gänge zu einem Bergwerk - und Hinweise auf eine unterirdische Produktionsstätte. "Die Verbindung von Bergwerk und Produktion gab es oft im Krieg", sagt Wilfried Maehler.

Paul Förster ist heute der Mann für den Schüttelhammer. Er setzt an. Mit der Stille ist es jäh vorbei. Zwei Stunden ohrenbetäubender Lärm - dann ist er durch. Er blickt durch eine Staubwolke in den Stollen."Immer auf den Boden achten"

Helm, Lampen, Handschuhe - die Ausrüstung ist Standart. "Immer auf den Boden achten. Und auf die Decke. Und auf scharfe Gegenstände ..." Wilfried Maehler klettert über die aufgebrochene Mauer. Geschichte ist seine Leidenschaft. Luftschutzbunker sind sein Spezialgebiet. Er ist der Mann fürs Wort. Michael Ide dagegen der Mann für die Bautechnik und die Dokumentation. Paul Förster kennt sich mit Technik aus. Jeder bringt sich im Team ein.

Schätze wollen sie nicht finden. Wehrmachts-Überbleibsel suchen sie auch nicht. Geschichte, alte Bautechnik, Aufklärung - das ist es was sie wollen. Und was sie bekommen. "Wir spüren oft, ob es ein 'guter' oder 'schlechter' Raum ist", sagt Maehler. Dann gehe die Arbeit manchmal richtig schnell von der Hand. Mit dem Gedanken: raus hier. Diesmal ist es ein guter Raum. Er riecht nach Arbeit. Nicht nach Angst, Tod oder Verzweiflung. Wenn "riechen" überhaupt das richtige Wort ist.

Falsche Lüftungsrohre

Acht Meter unter der Erde gehen drei Männer zwischen rostigen Regalen, zerfallenden Schreibtischen und Schaltschränken entlang. Ihre Stimmen durchbrechen die seltsame Stille. Wasser tropft von der Decke. "Die Lüftungsrohre hier sind viel zu groß", sagt Michael Ide. "Das macht keinen Sinn." Ein Hinweis auf "mehr". Mehr als nur diesen Raum. Am Ende des Stollens entdecken sie einen gemauerten Sockel. Hier vermuten die drei den Durchgang. Zum Bergwerk. Zur unterirdischen Produktion. Die drei Männer werden wiederkommen. Auf dem Rückweg zum Eingang klopfen sie an die Wand. Es klinkt seltsam. Als wäre sie hohl. Paul Förster holt den Rüttelhammer, produziert viel Lärm und ein kleines Loch. Dahinter: ein Raum. Ganz sicher - kommen die drei Männer bald wieder ...

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Unter dieser Erhöhung soll sich ein Zugang zum Bergwerk befinden.

Michael Ide ist Fachbereichsleiter für Bautechnik und Dokumentation beim Studienkreis Bochumer Bunker. Untertage ist er in einer anderen Welt.

Glühbirne in Übergröße: Wilfried Maehler hat das so noch nicht gesehen. Die Lampen soll es aber noch geben, meinen die Kollegen.

Die drei Männer - Michael Ide, Wilfried Maehler und Paul Förster (v.l.) finden eine alte Kabeltrommel.

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