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Schmiedehandwerk in sechs Jahrzehnten

Diamantener Meisterbrief

Als Franz Feldbrügge ins Berufsleben startete, gehörte das Beschlagen von Pferdehufen dazu. Vor 60 Jahren machte er den Meister. Vieles hat sich seitdem geändert.

Legden

von Ronny von Wangenheim

, 08.07.2018
Schmiedehandwerk in sechs Jahrzehnten

Bernd Wiesmann (r.) überbrachte den Diamantenen Meisterbrief an Franz Feldbrügge. An dessen Beruf erinnert noch der Amboss vor dem Haus. Mit dabei war auch Friedrich Kemper (l.), Enkel und Sohn der Lehrherren des heute 83-Jährigen. © Ronny von Wangenheim

Chrom, Nickelstahl oder Aluminium – wer kannte das schon, in den 1950er-Jahren, als Franz Feldbrügge sein Handwerk als Schmied erlernte. „Das ist heute ganz anders“, sagt der 83-Jährige. Vor 60 Jahren machte er seinen Meister. Jetzt überbrachte Bernd Wiesmann, Geschäftsbereichsleiter bei der Handwerkskammer Dortmund, den Diamantenen Meisterbrief. Eine gute Gelegenheit, über alte Zeiten zu reden.

Mit am Tisch sitzt Friedrich Kemper. Bei seinem Großvater Fritz und Vater Adolf Kemper hat Franz Feldbrügge seine Lehre gemacht. In Asbeck, in einer Dorfschmiede, so wie sie auch seine Familie in Roxel hatte. Dungkarren repariert, Pferdehufe ausgeschnitten, Reifen aufgezogen, Bauschrauben angefertigt, Pflugschare geschärft – in säuberlicher Handschrift hat Franz Feldbrügge damals seine täglichen Aufgaben in die Berichtshefte geschrieben, die er zur Feier des Tages noch einmal hervorgeholt hat.

In Asbeck wohl gefühlt

Der junge Feldbrügge lebte damals bei seinem Lehrherren in Asbeck. Wie zur Familie gehörend habe er sich gefühlt, so erzählt er. Die Zeit war so prägend, dass er am Ende seines Berufslebens nach Legden zurückkehrte. Am Nordring 54, im historischen Gebäude der ehemaligen Steinkuhle, im Stammhaus des Dorf Münsterland, lebt er seit elf Jahren mit seiner Frau Christa, die dort, wo früher der Tanzboden stand, ihren Garten mit vielen Rosen pflegt.

Zurück zu den Anfängen: Nach der Lehre geht es kurz zurück in den väterlichen Betrieb. Mit ihm kann schließlich die siebte Generation einsteigen. Doch die Eltern sind sehr streng und Geld kann er bei ihnen auch nicht verdienen. „Ich bin abgehauen“, erzählt Franz Feldbrügge. In Altenberge findet er eine Stelle und verliebt sich in die Tochter des Chefs. Das ist undenkbar für seine Eltern. „Da musste ich wieder weg. Die Mutter war streng“, sagt er. So war das damals.

Die siebte Generation steigt ein

Lange hält es ihn nicht zuhause. Hiltrup, Waltrop und Hamm sind Stationen, zwischendurch immer mal wieder zurück nach Roxel. Franz Feldbrügge macht seinen Meister. 1961 übernimmt er den elterlichen Betrieb, der damals zwei bis drei Lehrlinge hat und einen Gesellen.

„Pötte löten, Gitter machen, Pferde beschlagen“, so bringt Feldbrügge die Arbeiten auf den Punkt. Doch so will er nicht weitermachen. Den Bauern muss er hinterherlaufen, auch das stört ihn. Also machte er die Schweißerprüfung, erhält die Zulassung für Stahlhochbau. Mit dem Aluminiumbau erweitert sich das Geschäftsfeld. Türen und Schaufenster sind Schwerpunkte. Kirchen und Krankenhäuser seine Kunden. Der Betrieb wächst. Manchmal braucht er zusätzliche Mitarbeiter. „Dann bin ich nach Münster gefahren, an einer Straße standen Männer, die Arbeit suchten.“

Feldbrügge pachtet Räume dazu und hat damit zwei Standorte. 1982 dann baut er als erster im neuen Gewerbegebiet von Roxel eine Halle. Von 150 auf 1200 Quadratmeter erweitert sich der Betrieb, in besten Zeiten arbeiten dort zwölf Mitarbeiter.

Zähne gezogen

1998 übergibt Franz Feldbrügge den Betrieb in Münster-Roxel an seinen Sohn Matthias und damit an die achte Generation. Nur privat hat Franz Feldbrügge noch etwas gearbeitet, sagt er und zeigt auf den Wintergarten hinter seinem Haus. Und Ehefrau Christa erzählt, dass sie statt Blumen Geschenke aus Eisen bekommen hat. Draußen vor der Tür steht noch ein alter Amboss. Ein paar alte Hufeisen sind 150 und viele Jahre mehr alt. Über die Generationen aufbewahrt wird auch ein Kasten mit speziellen Zangen. Damit haben die Feldbrügges einst noch Zähne gezogen. Auch das war die Aufgabe eines Schmieds.

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