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Life Jugendhilfe

Lichtenberger gerät erneut in Bedrängnis

BOCHUM Die Vorwürfe gegen Gerd Lichtenberger und seine Life Jugendhilfe GmbH wiegen immer schwerer. Nachdem bereits in einer am 30. April ausgestrahlten Reportage des ARD-Magazins Monitor der Verdacht geäußert wurde, Lichtenbergers Jugendhilfe arbeite unseriös (wir berichteten), legte nun eine Reportage des WDR nahe, dass sich die Firma des SPD-Ratsherrn an den Jugendlichen bereichere.

Lichtenberger gerät erneut in Bedrängnis

Hunderttausende Kinder leben in Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv/Symbolbild

„Paul“ ist der Name des Jungen, der den Skandal um Gerd Lichtenberger ins Rollen gebracht hat. Paul kommt aus Dorsten und wurde in einer Therapiemaßnahme in Ungarn untergebracht. Dafür zahlte das Jugendamt der Stadt Dorsten der Bochumer Life Jugendhilfe GmbH 7000 Euro Betreuungskosten – im Monat.

Doch laut der WDR-Reportage „Mit Kindern Kasse machen“ fließen davon lediglich 800 Euro an den Betreuer in Ungarn. Der Rest des Geldes bleibt in Deutschland. Wo, das ist unklar. Gegenüber dem WDR konnte Lichtenberger nicht erklären, was mit dem Restbetrag von 6200 Euro geschieht. Auch gegenüber dieser Zeitung will Life nicht darlegen, wie sich die monatlichen Betreuungskosten zusammensetzen.

„Eine Aufschlüsselung der Betreuungskosten hätte automatisch eine Offenlegung der Honorare, die die Mitarbeiter von Life bekommen, zur Folge. Life hat sich zur Verschwiegenheit gegenüber ihren Mitarbeitern verpflichtet“, sagt Unternehmenssprecher Jürgen Wallinda-Zilla.

Interessenskonflikt

Doch Lichtenbergers Firma ist nicht nur in Bochum ansässig, sie betreut auch einen Bochumer Jugendlichen, der sich derzeit in einer individualpädagogischen Maßnahme in Frankreich befindet. Und auch im Bochumer Fall kooperiert das Jugendamt nicht nur mit Life, sondern verlässt sich auf die Gutachter der Dattelner Kinder- und Jugendpsychologie unter Leitung von Dr. Rainer Dieffenbach.

Der Arzt erstelle als privater Experte mit einem eigenen Team, so heißt es in der WDR-Reportage, eben jene Gutachten, die dann Grundlage für die Entscheidung werden, einen Jugendlichen ins Ausland zu schicken – und bietet die notwendige Therapie gleich mit an.

Dieffenbach und Lichtenberger kooperieren bereits seit Längerem, hielten gemeinsam Vorträge auf Fachtagungen. Einen Interessenskonflikt sieht Lichtenberger darin nicht. Das Jugendamt könne ja eigene Gutachter beauftragen, sagt er in der WDR-Reportage.

Genehmigung notwendig

Warum das im Falle des Bochumer Jugendlichen nicht geschehen ist, konnte das Jugendamt am Dienstag nicht beantworten. Auch zur Höhe der Kosten für die Auslandsbetreuungen hielt sich die Stadt bisher bedeckt. In einer Mitteilung vom 7. Mai heißt es lediglich ganz lapidar, dass ein Entgeltsatz vereinbart worden sei, „der auch anderen Jugendämtern angeboten wird und von diesen übernommen wird.“

Maßnahmen, die monatlich mehr als 6000 Euro kosten, müssen jedoch von der Abteilungsleiterin des Sozialen Dienstes beim Jugendamt, Ruth Piedboeuf-Schaper, genehmigt werden. Bei Maßnahmen mit Kosten von über 6500 Euro muss zudem Jugendamtsleiter Dolf Mehring zustimmen.

Derzeit gibt es in Bochum fünf Maßnahmen, die im Ausland durchgeführt werden. In vier Fällen ist nicht Life zuständig.  

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