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Lünerin will bei Cosplay-Meisterschaft starten

Als Moses beim Vorentscheid

Lünen-Horstmar Cosplayer gibt es immer mehr. Eine junge Lünerin gehört zu der Szene, in der aufwendige Verkleidungen gefragt sind. Nun tritt sie bei einem sehr wichtigen Event auf.

Als Moses beim Vorentscheid

Lisa Murach mit ihrem selbstgenähten Moses-Kostüm für den Vorentscheid zur Deutschen Cosplay-Meisterschaft. Foto: Beate Rottgardt

Aus dem Laptop-Lautsprecher klingt ein ungewöhnlicher Dialog – zwischen Gott und Moses vor dem brennenden Dornbusch. Die 90 Sekunden-Sequenz stammt aus dem Zeichentrickfilm „Der Prinz von Ägypten“. „Eigentlich ist der Dialog fünf Minuten lang, aber ich habe nur eineinhalb Minuten auf der Bühne zur Verfügung“, erzählt Lisa Murach. Die 18-jährige Lünerin steht am Samstag, 19. Mai, in Düsseldorf auf der Bühne. Mit elf anderen Cosplayern kämpft sie um den Einzug ins Finale der Deutschen Cosplay-Meisterschaft (DCM). Die findet im Herbst während der Frankfurter Buchmesse statt. „Wer da gewinnt, darf nach Japan fliegen.“ Und damit ins Mutterland der Cosplay-Bewegung.

Viele Besucher erwartet

Aber erst mal muss Lisa am Samstag den Vorentscheid gewinnen. Und das ist gar nicht so einfach: „Nach Düsseldorf kommen die besten Cosplayer, weil dort viele Besucher erwartet werden“, weiß die Studentin. Außerdem musste man schnell sein, um überhaupt einen der begehrten zwölf Startplätze zu bekommen. Lisa war erst auf Platz 11 und tritt nun auf Platz 7 an. Weil einige Angemeldete dann doch noch abgesagt haben, sind weitere Teilnehmer nachgerückt.

Braune Kontaktlinsen

Lisa wird bei ihrem Auftritt als Moses braune Kontaktlinsen tragen und ein selbst geschneidertes Kostüm samt Stock, der natürlich auch selbst gemacht ist. „Die passende Perücke fertigt ein Cosplay-Freund für mich an.“ Dafür hat Lisa Freund Max aus Hannover einige Tipps gegeben, wie er als Schneewittchen am besten rüber kommt.

Zwei Durchgänge gibt es, bis der Sieger des Vorentscheids feststeht. Zuerst müssen die Cosplayer eine Jury überzeugen. „Die bewertet das Kostüm selbst, ob es originalgetreu ist, welchen Stoff man verwendet hat und wie die Verarbeitung ist“, sagt Lisa. Zu 60 Prozent fließt diese Bewertung in die Entscheidung mit ein. 40 Prozent kommen dann vom Publikum. Denn vor diesem müssen die Teilnehmer ihren ausgewählten Charakter präsentieren – in 90 Sekunden. Lisa: „Ich hoffe, dass mich viele Freunde aus der Cosplay-Szene unterstützen.“

Aus dem Zeichentrickfilm

Dass sie Moses aus dem Zeichentrickfilm verkörpern möchte, stand früh für Lisa fest. „Ich habe diesen Film ganz oft gesehen und finde ihn toll. Ich finde, Moses ist in dem Film auch eine sehr inspirierende Figur.“ Es sollte ein eher einfaches, aber sehr gut gearbeitetes Outfit sein. Lisa wusste auch gleich, wie sie Moses präsentieren will: „Mit brennendem Dornbusch, aus dem Gott zu ihm spricht.“ Den Dornbusch hat sie aus einem speziellen Werkstoff gebastelt. LEDs sorgen dafür, dass der Busch aussieht, als ob er brennt. Zwei Wochen lang hat Lisa in den Semesterferien an ihrem Kostüm gearbeitet: „Ich hatte den Stoff in Hamburg gekauft, mich dann aber verschnitten und brauchte noch mal neuen Stoff.“ Die Borte war ein Glücksgriff, zufällig entdeckt an einem Stand auf dem Lüner Markt.

Vorfreude auf Erfahrungen

Vor ihrem Auftritt in Düsseldorf ist Lisa schon aufgeregt. Immerhin werden bei der Veranstaltung „Dokomi“ in der Landeshauptstadt 20.000 Besucher erwartet. Viele von ihnen werden mit beurteilen, ob Lisa den Moses tatsächlich glaubwürdig zum Leben erwecken kann. Selbst wenn es mit dem Gewinn des Vorentscheids nicht klappen sollte, sieht Lisa das positiv: „Ich freue mich darauf, mal Erfahrungen bei so einem Wettbewerb zu sammeln.“

Als Kaiser Franz

Wahrscheinlich tritt sie im nächsten Jahr wieder bei einem Wettbewerb an, dann sogar auf europäischer Ebene. 2019 ist der Vorentscheid zum „European Cosplay Gathering“, dessen Finale in London stattfindet. Da 2019 Cosplay-Paare gesucht werden, haben sich Max und Lisa schon was überlegt. „Wir wollen als Sissi und Kaiser Franz antreten, aber in der Version der Bullyparade von Michael Herbig“, verrät Lisa. Und die beiden begeisterten Verkleidungskünstler wissen auch, wer wen spielt: „Max ist Sissi und ich Kaiser Franz.“

Männerrollen liegen ihr beim Cosplay, reizen die junge Perfektionistin. So zeigte sie sich kürzlich als junger kubanischer Rebell Raul Castro oder als cooler amerikanischer Musiker Post Malone bei Cosplay-Treffen.

Cosplay ist ein japanischer Verkleidungstrend, der in den 1990er Jahren mit dem Manga- und Animeboom auch in die USA und nach Europa kam.

Lisa Murach ist seit sechs Jahren Cosplayerin und näht alle ihre zum Teil sehr aufwendigen Kostüme selbst.

Sie studiert im zweiten Semester Journalismus und PR in Gelsenkirchen.

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