Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Flüchtling macht Praktikum

Apotheker aus Syrien wagt Neuanfang in Lünen

LÜNEN Der 35-jährige Abdulrazak Wazzaz aus Syrien erhofft sich von seinem Leben in Lünen vor allem eines: einen friedlichen Neuanfang. Nachdem er mit seiner Familie aus Syrien flüchten musste, möchte er wieder als Apotheker arbeiten. In der Barbara-Apotheke hat er deshalb ein Praktikum absolviert.

Apotheker aus Syrien wagt Neuanfang in Lünen

Apothekerin Anna Isabell Küppersbusch mit ihrem syrischen Kollegen Abdulrazak Wazzaz, der in ihrer Barbara-Apotheke ein Praktikum absolvierte und nun auf Anerkennung seines Studien-Abschlusses hofft.

„Meine Kinder sollen in Frieden leben“ – dieser Wunsch und die Eindrücke des Krieges in seiner Heimat brachten Apotheker Abdulrazak Wazzaz dazu, mit seiner Familie aus Syrien zu fliehen. Seit gut zwei Jahren lebt er in Lünen und wünscht sich, hier in seinem Beruf zu arbeiten.

Viele bürokratische Anforderungen und kostenpflichtige Beglaubigungen sind Hürden für den 35-jährigen Vater drei kleiner Söhne. Um zu erleben, wie eine Apotheke in Deutschland arbeitet, versuchte Wazzaz, ein Praktikum zu bekommen. Nach mehreren Ablehnungen stellte er sich bei Apothekerin Anna Isabell Küppersbusch in Horstmar vor. „Ich hab mir seinen Lebenslauf angeschaut und sofort zugesagt, weil er sympathisch und ehrlich rüberkam“, erzählt sie.

Und hat die Entscheidung nicht bereut. Drei Monate lang war Wazzaz Mitglied des Teams der Barbara-Apotheke. Die Mitarbeiterinnen probten mit ihm Beratungsgespräche, er war auch einige Male dabei, als die Mitarbeiterinnen oder Anna Isabell Küppersbusch Kunden bedienten.

Probleme mit der Bürokratie

„Wir suchen tatsächlich derzeit einen Apotheker, aber noch dauert es, bis der Berufsabschluss anerkannt ist. Außerdem müsste Abdul noch sprachlich etwas machen“, so die Apothekerin. Sie hat Verständnis dafür, dass genau geprüft wird, welche Kenntnisse der syrische Apotheker hat. „Aber gerade für jemanden, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist, ist es schon sehr schwierig, sich durch die Anforderungen der Bezirksregierung durchzukämpfen.“ So brauchte Wazzaz eine vom Notar ausgestellte „Unbedenklichkeitsbescheinigung“, weil er aufgrund des Kriegs-Chaos kein Führungszeugnis aus Syrien bekommen kann.

„Sehr breites Wissen“

Während des Praktikums stellte die Apothekerin fest, dass Wazzaz über „sehr breites Wissen“ verfügt. Damit er wieder in seinem Beruf arbeiten kann, muss er einen Fachsprachentest bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe bestehen, dann bekommt er eine einjährige Berufserlaubnis. „Während dieser Zeit sollte er möglichst an berufsbegleitendem Unterricht teilnehmen, danach folgt eine Kenntnisprüfung.“

Wazzaz hat in der Ukraine studiert, wo er auch seine ukrainische Frau kennenlernte, und er die Prüfung als „Magister für Pharmazie“ bestand. Dann ging es in seine Heimatstadt zurück, 60 Kilometer von Aleppo entfernt. 2012 wurde seine Apotheke ausgebombt. „Mein ältester Sohn sagte damals zu mir ,ich will nicht sterben`“, erinnert sich der 35-Jährige. Mit seinen damals zwei Söhnen und seiner Frau reiste er in die Ukraine aus, wo die Familie eineinhalb Jahre lebte und sich dann entschloss, in Deutschland einen Neuanfang zu wagen. Über Griechenland ging es Ende 2014 nach Düsseldorf, dann nach Dortmund. „Am 5. Januar 2015 kamen wir nach Lünen.“ Hier wurde auch der jüngste Sohn geboren.

Die Hoffnung bleibt

Wazzaz´ Vater lebt noch in Syrien: „Er ist eigentlich 60 Jahre alt, aber durch den Krieg wirkt er wie ein 90-Jähriger.“ Über Skype und Handy hält Wazzaz Kontakt. Zur Beisetzung seiner Mutter im vergangenen Jahr konnte er nicht reisen.

Größter Wunsch wäre, in seiner Heimat friedlich mit seiner Familie zu leben. Aber niemand weiß, wie lange der Krieg, der im siebten Jahr in Syrien tobt, noch das Land in Trümmer legt. „Ein Wiederaufbau dauert mindestens 20 Jahre.“

Lenklarer Reitertage 2017

Vom Flüchtling zum angehenden Pferdewirt

WERNE "Das ist eine lange Geschichte“, sagt Ibrahim Allo mit einem herzlichen Lachen, als er gefragt wird, wie es ihn nach Werne verschlagen hat. Allo ist 28 Jahre alt. Sein Heimatdorf in der Nähe von Aleppo hat er 2012 verlassen. Seit Anfang des Jahres hat der Syrer auf dem Hof der Familie Gripshöver eine neue Heimat gefunden.mehr...

 

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

„Big Bags“ in Lünen

Weihnachtsmarkt: Diskussionen um „Terror-Stopper“

Lünen Manche Bürger bezweifeln Wirkung der sogenannten „Big Bags“ in der Lüner Fußgängerzone. Die Stadt rechtfertigt die Maßnahme zum Weihnachtsmarkt – und nennt die Gründe dafür.mehr...

Kein Gesprächstermin

Forensik in Lünen steht „nicht zur Disposition“

LÜNEN Nach dem Machtwechsel in Düsseldorf könnte das Gesundheitsministerium die Pläne für eine Forensik in Lünen neu bewerten. Das war jedenfalls die Hoffnung der Stadt, die mit ihrer Klage gegen den Bau der Anstalt vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gescheitert war. Doch diese Hoffnung kann man im Rathaus wohl begraben.mehr...

Freifunk-Netzwerk

W-Lan-Ausbau in Lüner Innenstadt stockt

LÜNEN Flächendeckendes, freies W-Lan sollte die Lüner Innenstadt attraktiver machen - vor allem für die Jugend. Fördermittel für den Ausbau verfallen jetzt trotz aller Bemühungen. Dabei scheitert das Freifunk-Netz vor allem am Desinteresse der Gewerbetreibenden.mehr...

Verbreitet Lebensfreude

12 Wochen alter Hund ist nun im Lüner Hospiz-Team

LÜNEN Nur zwölf Wochen ist der neueste Mitarbeiter des Lüner Hospizes am Wallgang alt. Er heißt Amano und ist ein Hunde-Baby. Die Gäste haben den kleinen Begleiter schon lieb gewonnen, er lässt sie für einen Moment die Schmerzen vergessen. Für diese Aufgabe hat Amano eine besondere Ausbildung bekommen.mehr...

Bundesligastart

Das hoffen Lüner Fanclubs für ihre Mannschaften

LÜNEN Die Bundesliga-freie Zeit ist vorbei. Gott sei Dank, werden viele Fans sagen. Wir haben die Lüner Fanclubs von Borussia Dortmund und Schalke 04 befragt, was sie ihrer Mannschaft in dieser Saison zutrauen. Beim BVB soll endlich wieder Ruhe einkehren, bei Schalke liegen die Hoffnungen auf Trainer Tedesco.mehr...

Auswanderer

Wie ein Lüner den Hurrikan Irma miterlebte

LÜNEN/MARCO ISLAND Seit der Lüner Chris Hadac vor 16 Jahren in die USA gezogen ist, hat er schon viele Hurrikans erlebt: Doch "Irma" übertraf alles. Während sich viele Bewohner Floridas in anderen Bundesstaaten in Sicherheit gebracht hatten, blieb der Lüner vor Ort: "Du fühlst dich einfach hilfslos", schildert er seine Erfahrung mit dem Sturm.mehr...