Probleme mit Online-Handel

Beratungsgebühr ist für Lüner Händler kein Thema

LÜNEN Viele Kunden informieren sich in den Geschäften, bestellen die Ware dann aber im Internet. Gegen diesen "Beratungsklau" wehrt sich ein Kinderkaufhaus in Münster: Es erhebt eine Beratungsgebühr, die beim Kauf verrechnet wird. Lüner Händler halten nichts davon. Das ergab eine kleine Umfrage in der Innenstadt.

Beratungsgebühr ist für Lüner Händler kein Thema

„Spielwaren ausprobieren, das geht online nicht“, sehen Inhaber Ralf Blomenkemper vom gleichnamigen Spielwarengeschäft und Mitarbeiterin Karin Faust die Vorteile des Einzelhandels vor Ort.

„Dass sich Kunden im Geschäft informieren und dann online bestellen, finden wir natürlich nicht toll“, sagt Anne Gubini, Filialleiterin im Schuhhaus Schlatholt in der Fußgängerzone. Denn neben Beratung biete man ja auch schöne Dekoration. Schuhe hätten im Netz oft den gleichen Preis, doch die Online-Anbieter würden mit Gutscheinen locken. Eine Beratungsgebühr ist für Anne Gubini dennoch kein Thema: „Das gibt doch nur Unruhe.“ Außerdem stelle sie einen gegenläufigen Trend fest: Junge Frauen hätten auch gerne wieder das Shopping-Gefühl mit Tüte an der Hand.

Händler betonen lieber Vorzüge als Gebühren zu nehmen

Eine Beratungsgebühr kommt auch für Sigrid Wiese, Inhaberin von Baby Mönninghoff in der City, nicht infrage. „Wir sind ein Fachgeschäft, Beratung gehört dazu“, sagt sie. Natürlich gebe es die Kunden, die dann doch im Netz bestellten. „Aber wenn etwas kaputt geht, merken die schnell, dass sie den Service vor Ort brauchen“, weiß sie um die Vorzüge ihres Geschäfts.

Im Spielwarengeschäft Blomenkemper in der Innenstadt an der Münsterstraße hat man über eine Beratungsgebühr nicht nachgedacht. „Wir setzen auf die Fairness der Kunden“, sagt Inhaber Ralf Blomenkemper. Er sieht das Thema pragmatisch. „Wenn 35 Prozent im Internet kaufen, bleiben 65 Prozent bei uns.“

Im Fachgeschäft könne man ferngesteuerte Autos auch mal ausprobieren und sich neue Spiele erklären lassen, das gehe online nicht. „Es wird immer Einzelhandel und online geben“, so Blomenkemper, man müsse seine Stärken ausspielen. Verkäuferin Karin Faust stellt fest, dass viele Kunden, die im Internet gekauft hätten, auch wieder in den Einzelhandel kämen.

Heidi Vakilzadeh, Inhaberin der Lippe Buchhandlung, erlebt bei manchen Kunden, dass sie sich lieber selbst im Internet informieren. „Dabei können wir Bücher zur Ansicht bestellen“, sagt sie. Es sei schade, dass sie dann nicht die Chance habe, zu beraten.

Saturn setzt auf Kombination von online und stationär

Saturn am Marktplatz setzt auf Kombination: Der Markt hat das Geschäft mit dem Saturn-Online-Shop verknüpft. Im Online-Shop könne man den Saturn-Markt in der Nähe auswählen und seine Online-Bestellungen dort versandkostenfrei abholen. „Fast jeder zweite Onlinebesteller holt seine Ware direkt bei uns im Markt ab“, berichtet Francesca Garbaty, kommissarische Marktleiterin.

Viele Kunden informierten sich auch vorab online und kämen gut vorbereitet zum Beratungsgespräch ins Geschäft. „Bei den meisten Produkten aus unserem Sortiment handelt es sich ja um höherwertige Güter, die man vor dem Kauf mit eigenen Augen anschauen, anfassen und ausprobieren will.“ Sie propagiert das Beste aus beiden Welten: „online und stationär.“