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Die Sorgen der Seele aufspüren

LÜNEN Die Evangelische Krankenhausseelsorge am St. Marien-Hospital feiert am Freitag (30.11.) ihren 25. Geburtstag. Pfarrerin Thea Kress ist seit eben diesen 25 Jahren als Seelsorgerin am Marien-Hospital tätig. RN-Redakteur Dieter Hirsch sprach mit Thea Kress.

Die Sorgen der Seele aufspüren

Thea Kress ist seit 25 Jahren in der Krankenhausseelsorge tätig.

Welche Aufgabe hat Krankenhausseelsorge?

Kress: Die ureigenste Aufgabe der Krankenhausseelsorge ist die Begleitung von Patienten, von Angehörigen. Da ist zum einen die Sterbebegleitung. Das sind Situationen, in denen zum Beispiel eine schwere Diagnose gestellt wurde. Es kann aber auch die Begleitung nach dem Krankenhausaufenthalt sein.

Kommen die Menschen zu Ihnen?

Kress: Selten. Es ist eher so, dass wir uns auf den Weg machen und die Menschen aufspüren müssen. Da sind wir auch auf die Hilfe der Ärzte und Mitarbeiter im Krankenhaus angewiesen. Dann ist es wichtig, zu erspüren, was braucht der Patient, was brauchen die Angehörigen jetzt. Das kann das Gespräch sein, zum Beispiel in Form eines Rückblickes auf das Leben. Das kann aber auch ein Gebet oder es kann Stille sein, das heißt, einfach nur da sein.

Gibt es ein Ziel, mit dem man als Seelsorger in eine solche Situation geht?

Kress: Mit dabei sein. Mitaushalten. Es passiert oft, dass die Leuten dann sagen, das habe ihnen gut getan.

Wie weit lassen Sie diese Dinge an sich selbst heran? Wie gehen Sie damit um?

Kress: Ich baue keinen Schutzwall auf. Aber ich brauche in Einzelfällen Zeit, um Abstand zu halten. Dann gehe ich in die Kapelle, um zu mir zu kommen. Ich treibe Sport, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Außerdem ist es wichtig, einen Kollegen zu haben, mit dem man sich austauschen kann.

Gibt es manchmal Zweifel?

Kress: Ich höre an fast jedem Krankenbett die Frage „Warum“. Ich weiß keine Antwort, aber ich kann die Frage aushalten.

Sie sind seit vielen Jahren in der Krankenhausseelsorge tätig. Würden Sie es wieder machen?

Kress: Ich bin seit 1977 Krankenhausseelsorgerin. Und ich bin gerne ins Krankenhaus gegangen. Ich musste mich damals entscheiden, ob ich Medizin oder Theologie studieren wollte. Ich habe mich für letzteres entschieden, weil ich mich in Ruhe und mit Zeit den Menschen widmen will.

Hat sich die Seelsorge in all den Jahren verändert?

Kress: Als ich 1982 hier anfing, gab es 12 000 Patienten pro Jahr, jetzt sind es 20 000. Die Verweildauer ist von zwölf auf sieben Tage zurück gegangen. Das hat die Arbeit der Seelsorge verändert. Das längerfristige Begleiten wird weniger.

Sie haben einen Wunsch frei. Was würden Sie sich für ihre Arbeit im St. Marien-Hospital wünschen?

Kress: Ich wünsche mir ein größeres Arbeitszimmer, das innerhalb des Krankenhauses zentraler liegt.

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