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„Er konnte uns nicht in die Augen schauen“

Prozess um Schülermord in Lünen beginnt

Lange mussten die Eltern von Leon Hoffmann am Donnerstag auf dem Flur des Dortmunder Landgerichts warten. Sie hielten sich an den Händen, gaben sich gegenseitig Kraft. Im Januar wurde ihr Sohn in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule erstochen. Jetzt beschäftigt der Fall die Justiz.

Lünen

von Martin von Braunschweig

, 14.06.2018
„Er konnte uns nicht in die Augen schauen“

Die Eltern des getöteten Jungens warten beim Prozess um den gewaltsamen Tod ihres Kindes vor dem Saal im Landgericht Dortmund. © Foto dpa

Leons mutmaßlicher Mörder ist inzwischen 16 Jahre alt. Fünf Tage nach der Bluttat hatte er Geburtstag. Da saß er bereits in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte ihn sehr schnell nach der tödlichen Messerattacke auf dem Flur der Gesamtschule festgenommen. Am nächsten Tag hatte ein Richter einen Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Eltern im Gerichtssaal

Anders als alle übrigen Zuschauer und auch die zahlreichen erschienenen Medienvertreter durften Leons Eltern am Donnerstag den Prozessauftakt im Gerichtssaal verfolgen. Dabei achten sie anscheinend genau darauf, wie sich der 16-Jährige verhielt. Ihr Fazit sprachen sie später in die Kamera eines Fernsehsenders. Mit anderen Journalisten wollten sie nicht sprechen.

„Er konnte uns nicht einmal in die Augen schauen“, sagte die Mutter des getöteten Schülers. „Dazu war er anscheinend zu feige.“ Leons Vater hatte derweil Mühe, die Fassung zu wahren. Schließlich liefen beiden Eltern die Tränen über das Gesicht.

Anklageschrift verlesen

Der erste Verhandlungstag war nach weniger als einer Stunde schon wieder beendet. Staatsanwalt Heiko Artkämper hatte lediglich die Anklageschrift verlesen, Äußerungen des 16-Jährigen zu den Vorwürfen sind erst für den zweiten Verhandlungstag vorgesehen. In einer der ersten Vernehmungen soll er gegenüber der Polizei erklärt haben, Leon habe seine Mutter provozierend angeschaut, deshalb habe er das Messer gezogen und zugestochen.

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Sollte der Jugendliche wegen Mordes verurteilt werden, drohen ihm maximal zehn Jahre Jugendhaft. Den Aufenthalt im Gefängnis könnte er unter anderem dazu nutzen, seinen Schulabschluss zu machen und eventuell eine Ausbildung zu beginnen.

Sechs Verhandlungstage

Bis zu einem Abschluss des Verfahrens ist es aber noch ein weiter Weg. Sechs Verhandlungstage hat die Jugendstrafkammer vorerst anberaumt. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Richter damit nicht auskommen werden und der Prozess weit in den Sommer hinein dauern wird. Das Gericht wird sich in der Verhandlung nämlich vor allem auch mit dem Vorleben des Angeklagten befassen müssen.

Wie es heißt, galt der 16-Jährige schon seit längerer Zeit als aggressiv und gewalttätig. Aus diesem Grund soll er auch schon mal für einige Zeit die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule verlassen haben.

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