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Gericht schickt Mutter von Säugling Nils ins Gefängnis

Urteil im Prozess um totes Baby

Sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch die Verteidiger hatten zuvor Freispruch beantragt. Umso überraschender fiel das Urteil aus, das das Dortmunder Schwurgericht am Montag im Prozess um den Tod von Baby Nils sprach.

LÜNEN

von Martin von Braunschweig

, 11.06.2018
Gericht schickt Mutter von Säugling Nils ins Gefängnis

Die angeklagte Mutter während eines der früheren Verhandlungstage. Nach dem Ende der Urteilsbegründung brach sie in Tränen aus. © Jörn Hartwich

Nach fast viereinhalb Jahren und 95 Verhandlungstagen hat das Dortmunder Schwurgericht das Urteil verkündet: Die Lüner Mutter des im Sommer 2010 an schweren Kopfverletzungen verstorbenen Babys Nils muss für drei Jahre und vier Monate in Haft.

Die Richter sind davon überzeugt, dass die Angeklagte den sieben Monate alten Jungen heftig geschüttelt und mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat.

„Eindeutig widerlegt“

„Die Einlassung der Angeklagten ist eindeutig widerlegt“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer in der Urteilsbegründung. Den von der Mutter geschilderten Sturz aus dem Elternbett könne es so nicht gegeben haben. Und selbst wenn, dann hätte der Aufprall aus einer Höhe von nur 45 Zentimetern niemals derart gravierende Folgen haben können.

Nils war an einer Hirnblutung, ausgelöst durch einen massiven Schädelbruch gestorben. Meyer: „Es waren drei Schädelknochen betroffen. Die Kraft, die dazu notwendig ist, muss erheblich gewesen sein.“

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In seiner zweistündigen Urteilsbegründung setzte sich der Vorsitzende Richter ausführlich mit den zahlreichen medizinischen Gutachten auseinander, die das Gericht während der Verhandlung entgegengenommen hatte.

Sein Fazit: Zweifel an der Schüttel-Theorie seien nur von den Sachverständigen angemeldet worden, die von den beiden Verteidigern Rüdiger Deckers und Christian Koch beauftragt worden waren. „Was diese Sachverständigen dazu bewogen hat, hier ihren Ruf aufs Spiel zu setzen, weiß ich nicht“, so Meyer. „Für uns steht aber fest: Sie haben sich selbst disqualifiziert.“

Verteidiger kündigen Revision an

Die Angeklagte brach erst nach Abschluss der Urteilsbegründung in Tränen aus. Mit hochrotem Kopf verließ sie das Gerichtsgebäude. Ihre Verteidiger kündigten an, gegen das Urteil Revision einlegen zu wollen. „Die Sicht der Kammer ist absolut einseitig“, schimpfte Rechtsanwalt Deckers.

Die Verteidigung hatte im Vorfeld auf Freispruch plädiert, die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Die Version der Mutter sei nicht zweifelsfrei zu widerlegen, hieß es.

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