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Astrid Herbers

Interview: Diese Frau leitet das Lüner Aurubis-Werk

LÜNEN Es gibt immer noch wenige Frauen in Führungspositionen. Astrid Herbers ist eine von denen, die es geschafft haben. Ist der Weg in die Führungsetagen von Unternehmen für Frauen steiniger als für Männer? Klare Antworten auf solche Fragen gibt die Leiterin des Lüner Aurubis-Werks in unserem großen Interview.

Interview: Diese Frau leitet das Lüner Aurubis-Werk

Das Gros der Büro-Untensilien auf dem Schreibtisch von Astrid Herbers ist aus Kupfer hergestellt. Selbst das Vorratsglas mit Gummibärchen (l.) ziert ein Kupferband.

Frau Herbers, fühlen Sie sich manchmal einsam?

Nein, eigentlich nicht.

In Deutschland gibt es nicht viele Frauen, die wie Sie auf dem Chefsessel eines großen Unternehmens sitzen.

Das stimmt. Ich kann aber nicht sagen, dass mir in meiner Karriere irgendwann einmal Steine in den Weg gelegt wurden. Das Frau-Sein hat nicht dazu geführt, dass ich diese Position innehabe, es hat es aber auch nicht verhindert. Aber es ist richtig. Es gibt deutschlandweit noch recht wenige Frauen in Führungsetagen.

Woran liegt das?

Ich meine das nicht negativ. Ich denke aber, dass sich viele Frauen zu selten aus der Deckung trauen. Grundsätzlich ist jedem selbst überlassen, Einfluss zu nehmen. Inwieweit das möglich ist, hängt natürlich auch – aber keinesfalls nur – vom Arbeitgeber ab.

Ihr Rat?

Wenn ein Unternehmen eine Frau ihrer Qualifikation entsprechend nicht fördern möchte, dann muss sie sich auch mal trauen, das Unternehmen zu wechseln. Wenn die Frau fachlich gut unterwegs ist, mit Kompetenz und guten Argumenten, dann wird sie auch ihren Weg machen. Kompetenz und gute Argumente sind ein Schlüssel zur männlichen Seele.

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Unterscheiden sich Männer und Frauen in ihrem Führungsverhalten?

Ich glaube schon. Das Führungsverhalten der männlichen Kollegen ist schon ein Stück weit von den Ellenbogen her getrieben. Das Machtempfinden, das Bedürfnis, Macht auszustrahlen, steht bei den Männern deutlich mehr im Vordergrund als bei Frauen.

Wie überleben Frauen in diesem Haifischbecken?

Ich überzeuge gerne mit Argumenten. Das hat mich hierher gebracht. Nicht Politik oder Taktik, nicht die Ellenbogen und auch nicht der Umstand, dass ich eine Frau bin.

Welchen Führungsstil pflegen Sie?

Ich bin ausgesprochen kooperativ, möchte eigentlich jeden mitnehmen. Das ist nicht nur mein Anspruch. Das erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern in Führungspositionen. Dafür haben wir extra ein Programm aufgelegt.

Was steckt dahinter?

Wir haben formuliert, was wir mit Führung bewirken wollen und wie. An sich ist es eine Zusammenfassung von Selbstverständlichkeiten im wertschätzenden Umgang miteinander, jetzt nur schriftlich und verbindlich festgehalten. Dazu gehört, die Mitarbeiter und ihre Vorstellungen zu bestimmten Dingen wie Arbeitsabläufen zu hören und wenn sinnvoll, deren Ideen und Vorschläge ohne Umschweife in die Tat umzusetzen.

Ihre Mitarbeiter sollen Freude bei der Arbeit haben. Wie stellen Sie das an?

Arbeit macht sicherlich nicht immer Spaß. Das ist doch klar. Aber wir können dafür sorgen, dass niemand mit einem unguten Gefühl, mit Bauchschmerzen oder gar Angst zur Arbeit kommt. Deshalb übergeben wir unseren Mitarbeitern Verantwortung. Das ist ganz wichtig: Jemand, der mit Spaß und Eigenverantwortung seine Arbeit macht, der macht sie einfach besser. Und wenn der Mitarbeiter etwas sieht, was der Vorgesetzte vielleicht gerade nicht gesehen hat, dann muss der Mitarbeiter auch sagen können: Ich weiß, wie es besser geht.

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Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche, ohne den Spaß am Job zu verlieren?

Es gibt Tage, da arbeite ich mehr als zwölf Stunden. Es gibt aber auch Tage, da sage ich mittags: Arbeit getan, ich gehe zum Friseur. Unterm Strich arbeite ich bestimmt mehr als 40 Stunden pro Woche. Das ist für mich aber auch Vergnügen.

Welche Bedeutung hat das Lüner Werk im Aurubis-Konzern?

Recycling ist von strategischer Bedeutung. Dazu gehört aber auch ganz klar, dass wir nachhaltig einen positiven Ergebnisbeitrag für den Konzern erwirtschaften.

Klappt das?

Bis auf ein Jahr ist uns das immer gelungen. Ein wichtiger Beitrag des Lüner Werks ist es auch, dass wir die Recycling-Quote insgesamt steigern. Da steuern wir in der Aurubis-Gruppe auf die 40 Prozent zu. Weltweit liegt sie bei 20 Prozent, in Lünen nahezu bei 100 Prozent.

Können Sie diese Quotengeschichte bitte näher erklären?

Gerne. Vorab: Kupfer ist beliebig oft und ohne Qualitätsverlust recycelbar. Nehmen wir nun an, Sie bauen ein Haus und verwenden Kupfer für Verrohrung, elektrische Leitungen und Dachrinnen. Je nach Ausstattung kommen so bis zu 1000 Kilogramm Kupfer zur Anwendung. Im weltweiten Mittel kämen nur ca. 200 Kilogramm aus ressourcenschonendem Recycling, mit Kupfer aus der Aurubis-Gruppe wären es schon 400. Sie könnten theoretisch auch Produkte aus Lüner Kupfer verwenden, das ist nahezu 100 Prozent Recycling. Anders als bei grünem Strom wäre sogar eine physische Nachverfolgung der Prozesskette möglich, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Sie schreiben schwarze Zahlen. Geht es etwas genauer?

Zum Ergebnis einzelner Standorte sagen wir nichts. Nur soviel: Wir sind für Lünen ein nennenswerter Steuerzahler.

Wie hoch ist der Umsatz?

Wir produzieren hier am Standort etwa 200.000 Tonnen Kupfer pro Jahr. Bei einem Kupferpreis von durchschnittlich fünf Euro pro Kilogramm können Sie sich das selbst ausrechnen.

Eine Milliarde Euro?

Sehr gut. Aber Umsatz ist nicht die Größe, an der sich unser Ergebnis messen lässt. Wir bezahlen das Kupfer im Recyclingmaterial ja auch, abzüglich eines Schmelzlohns. Und wir gewinnen mehr als Kupfer.

Ist das Kupfergeschäft ein hartes Geschäft?

Die Konkurrenz schläft nicht. Unsere Stärke liegt darin, dass wir Kupferschrott nicht nur einschmelzen, sondern Kupfer und andere Metalle aus komplexeren Materialien wie Schlacken oder Schreddermaterialen, die auch aus dem Elektroschrott-Bereich kommen, gewinnen.

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Sind Investitionen in das Lüner Werk geplant?

Wir planen den Bau einer neuen Ausbildungswerkstatt, in der bis zu 60 Azubis gleichzeitig arbeiten können.

Was kostet die Ausbildungswerkstatt und wann soll sie in Betrieb gehen?

In die neue Ausbildungswerkstatt fließen rund fünf Millionen Euro. Das Gebäude soll im März 2018 stehen. Die regelmäßigen Reinvestitionen in den Standort machen pro Jahr etwa acht bis zehn Millionen Euro aus – auch ohne große Projekte.

Sind die Lüner Arbeitsplätze sicher?

Ich gehe davon aus, dass gerade das Recycling ein nachhaltiges Geschäftsmodell ist und dass die Arbeitsplätze damit sicher sind. Aber auch hier gilt: Die Konkurrenz schläft nicht, wir müssen weiterhin besser sein.

Die Person


Die Firma Aurubis

  • Bei einem Umsatz von rund 11 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014/15 erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 134 Millionen Euro.
  • Von den rund 6300 Beschäftigten der Aurubis AG (Hamburg) arbeiten 599 in der Lippestadt. Davon sind 36 Auszubildende. 
  • Zu den Ausbildungsberufen zählen u.a.: Maschinenführer, Industriemechaniker, Chemielaborant, Industriekaufmann.
  • Seit 2000 hat Aurubis nach eigenen Angaben 243 Millionen Euro in das Lüner Werk investiert, die Hälfte davon in den Umweltschutz.

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