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Kraftwerksgegner geben sich kämpferisch

LÜNEN Kämpferisch und entschlossen geben sich die Gegner weiterer Kraftwerke: Allen, die glaubten, das Trianel-Kraftwerk sei „doch schon durch“, rief Prof. Dr. Johannes Hofnagel Dienstagabend im Hansesaal zu: „Nein, es wird nicht gebaut.“

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Über die Entwicklung der Belastung der Luft mit Schadstoffen sprach Dr. Johannes Hofnagel.

Fernsehrmoderator Michael Steinbrecher (r.) im Gespräche mit Wolfgang Manns (m.) und Eberhard Kamm, die Fotomontagen angefertigt haben, wie Lünen 2012 mit drei Kraftwerken aussehen könnten.

So stellen sich die Kraftwerks-Standorte dar.

Mehrere Hundert Menschen besuchten die Informationsveranstaltung von Bürgerinitiative und Einwendern. Hofnagel, einer der Wortführer der Einwender, stützt seine Zuversicht u.a. auf die Aussage von Trianel-Geschäftsführer Sven Becker, der erklärt habe: „Wenn die Lüner das Kraftwerk nicht wollen, dann kommen wir auch nicht.“

Über 12000 Protestunterschriften

                 Genau diese Situation ist für Hofnagel jetzt da. Er und die Bürgerinitiative Kontra Kohle Kraftwerk stützen sich auf über 12 000 Protestunterschriften. „Ich sehe keine Unterschriftenliste von 13 000 Bürgern, die sich für das Kraftwerk einsetzen“, konterte         Hofnagel den Vorwurf, die Gegner weiterer Kraftwerke seien in der Minderheit.

"Stellungnahme korrigiren"

Die Kraftwerksgegner fordern die Ratsmehrheit daher zum politischen Salto rückwärts auf. Das Stadtparlament soll seine positive Stellungnahme zum im Stummhafen geplanten Trianel-Kraftwerk „zurückziehen und korrigieren“ – damit das Steinkohlekraftwerk doch noch verhindert wird. „Das verlangen wir“, sagte Prof. Hofnagel.

Politiker fehlten

Jene Politiker, von denen diese Kehrtwende erwartet wird, waren nicht anwesend. Wie berichtet, hatten SPD, CDU, FDP und Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick ihre Teilnahme an der Diskussionsveranstaltung im Vorfeld abgesagt, u.a. mit der Begründung, es gebe keine neuen Informationen. Im Saal sorgten diese Absagen für großen Unmut: „Jeder Bürger muss sich seine Meinung bilden, wie er dazu steht, dass gewählte Mandatsträger nicht erscheinen“, kommentierte Hofnagel. Vertreter der Grünen, der Unabhängigen Wählergemeinschaft und der Statt-Partei befanden sich im Saal.

Rundumschlag

Da die Kraftwerksgegner aufgrund der Absagen der Ratsmehrheit unter sich waren, fand eine Diskussion im Sinne des Austausches von Argumenten pro und kontra Kraftwerke nicht statt. So fassten die Sprecher der Einwender und der BI in einem Rundumschlag durch alle Themenkomplexe während der dreistündigen von Pfarrer Ulrich Klink moderierten Veranstaltung zusammen, was ihrer Ansicht nach gegen das Trianel-Kraftwerk und einen weiteren Kraftwerksblock des Unternehmens Evonik (früher Steag) spricht.

Steinbrecher erläuterte Gesundheits-Aspekte

„Wer ein Interesse am Wohl der Stadt hat, hat ein Interesse an der Gesundheit der Menschen, die hier leben“, erklärte ZDF-Moderator und Kraftwerksgegner Michael Steinbrecher, der die Komplexe Gesundheit und Landschaftsbild erläuterte. Sich auf den „anerkannten Experten“ Prof. Dr. Helmut Teschler (Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Lungenheilkunde) berufend, betonte Steinbrecher, die zu erwartenden Zusatzbelastungen der Luft durch Kraftwerksneubauten seien eben doch nicht irrelevant und somit anders zu bewerten als es nach dem geltenden Genehmigungsrecht geschehe.

Ernsthafte Auswirkungen

Das Gesetz sieht Zusatzbelastungen unter drei Prozent, gemessen an den Grenzwerten, als irrelevant an. „Auch Erhöhungen der Zusatzbelastungen von 1, 2 oder 2,5 % können ernsthafte Auswirkungen auf bestimmte Personengruppen haben“, zitierte Michael Steinbrecher Prof. Teschler.

Dr. Kluges Verdacht

Der Lüner Kinderarzt Dr. Karl Kluge und Allgemeinmediziner Ulrich Engels aus Alstedde hoben die von ihnen beobachtete Häufung von Atemwegserkrankungen hervor, deren Ursache die Ärzte mit der Luftbelastung in Verbindung bringen. Engels forderte Reihenuntersuchungen, um herauszufinden, „was jeder Einzelne so mitschleppt“. Dr. Kluge äußerte den Verdacht, dass Unternehmen unkontrolliert Schadstoffe in die Luft blasen. Es gebe „Wege durch Hebelumlegung“, sagte er und berief sich auf Informationen, die ihm zugetragen worden seien.

Imobilien verlieren an Wert

Dr. Matthias Laarmann, Verband für Wohneigentum) geht davon aus, dass Immobilien wohl an Wert verlieren, sollten neue Kraftwerke in Lünen gebaut werden: „Der Wohn- und Lebenswert Lünens steigert sich sicherlich nicht im vielfachen Schatten von Schornsteinen und Kühltürmen.“. Ein Raunen ging durchs Publikum, als Fotomontagen mit den Silhouetten von 160 Meter hohen Kühltürmen auf die Leinwand projiziert wurden. Wolfgang Manns und Eberhard Kamm hatten sie für die BI angefertigt. Prof. Hofnagel appellierte an die Ratsmitglieder, „Parteibücher, Parteibeschlüsse und Fraktionszwang fallen zu lassen“ und sich gerade auch mit Themen auseinander zu setzen, die „nicht durch Genehmigungsverfahren abgedeckt werden.“

Neu bewerten

Ohnehin müsse das Trianel-Kraftwerksvorhaben neu bewertet und der Erörterungstermin wiederholt werden, forderte Hofnagel. Vor allem deshalb, weil nun auch Evonik bauen wolle und die Emissionsprognose für das Trianel-Kraftwerk nur von einem statt zwei neuen Kraftwerken ausgehe. Thomas Matthée, Vorsitzender der BI Kontra Kohle Kraftwerk, ging auf das Evonik-Kraftwerk ein, dessen Vorhabenbeschreibung jetzt vorliegt und das der Rat verhindern möchte (wir berichteten): „Es ist eine Erweiterung, kein Rückbau. Man nimmt das Doppelte und packt noch oben drauf.“

"Staub ohne Ende"

Matthée kritisierte, dass der neue Kraftwerksblock bis auf 400 m an die Häuser des Geistviertels heranrücke und drei offene Lager für 345 000 Tonnen Steinkohle geplant seien: „Das bedeutet Staub ohne Ende, eine Katastrophe für die Bevölkerung droht.“ Während Trianel mit einem Schornsteinkühlturm plant, will Evonik ein klassisches Kraftwerk mit Kühlturm und Schornstein. Den Trianel-Schornstein-Kühlturm betrachtet die BI nach wie vor mit großem Argwohn. „Wir wissen nicht genau was rauskommt, aber wir dürfen nicht bagatellisieren“, sagte BI-Technik-Experte Ulrich Brötz. Er rechnete hoch: Das Trianel-Kraftwerk verbrauche in einer Stunde so viel Frischluft wie eine Million atmende Menschen.

Woher soll der Strom kommen?

„Bis 2012 sollen in einem Umkreis von 30 Kilometern um Lünen 13 statt bisher 7 Kraftwerke stehen. Diese Konstellation ist in Europa einmalig, einmalig im negativen Sinne“, sagte Prof. Hofnagel. Vor diesem Hintergrund forderte er das Land NRW auf, ein Raumordnungsverfahren durchzuführen. Am Ende gab es dann doch noch eine einzige kritische Frage an die Kraftwerksgegner: Woher denn bitteschön der Strom kommen solle, wenn man keine Atomkraft und keine Steinkohlekraftwerke wolle.

  

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