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Bilder der Zerstörung

Lüner Arzt ist zurück vom Einsatz im Gaza-Streifen

LÜNEN Zehn Tage arbeitete der Lüner Neurochirurg Dr. Samir Kazkaz ehrenamtlich im Gaza-Streifen. Er erlebte Raketenbeschuss aus der Nähe mit, sah das Ausmaß der Zerstörung und versuchte, so vielen Menschen wie möglich zu helfen. Uns hat er seine Eindrücke geschildert und uns private Bilder zur Verfügung gestellt.

Lüner Arzt ist zurück vom Einsatz im Gaza-Streifen

20 Operationen führte Dr. Samir Kazkaz (links) im Gaza-Streifen durch. Er arbeitete auch mit anderen Ärzten aus dem Ausland zusammen.

Dr. Samir Kazkaz reiste über die jordanische Hauptstadt Amman und Israel in den Gaza-Streifen ein. Unterwegs war er für das Hammer Forum, das vor Ort mit der US-amerikanischen Organisation "Palestine Children's Relief Fund" (PCRF) kooperiert.

Kazkaz hatte sich eigentlich darauf eingestellt, einige Stunden an der Grenze des Gaza-Streifens warten zu müssen. Doch dann ging alles ganz schnell: Sein Koffer wurde gar nicht kontrolliert, und dann wurde der 65-Jährige auch schon von einem Mann mit einem Golf Cart abgeholt. Dieser kannte Kazkaz, wie der Lüner erzählt: "Er sagte: 'Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie. Sie haben vor zehn Jahren meine Mutter operiert.'"

LÜNEN Er setzt sein Leben für andere aufs Spiel: Der Lüner Neurochirurg Dr. Samir Kazkaz reist am Mittwoch nach Jerusalem und möchte die Grenze zum Gaza-Streifen passieren, um den Menschen dort zu helfen. Dafür erhielt er jetzt eine Spende in Höhe von 4332 Euro.mehr...

Kazkaz wurde zunächst ins Zentralkrankenhaus von Gaza, das Al-Shifa Hospital, gebracht. Doch wenig später wurde seine Hilfe schon aus dem "Europäischen Krankenhaus" in Khan Yunis angefordert: Gleich am ersten Abend im Gaza-Streifen operierte Kazkaz dort bis 2 Uhr morgens.

Insgesamt habe er wohl über 200 Menschen untersucht, erzählt Kazkaz am Montag. Erst am Sonntag war er nach Lünen zurückgekehrt. Im "Europäischen Krankenhaus" in Khan Yunis im Süden des Gaza-Streifens führte Kazkaz 20 Operationen durch. Deutlich weniger zwar, als bei seinen vorherigen Aufenthalten in Gaza - die größte Zeit während Kazkaz' Einsatz galt die Feuerpause. Nichtsdestotrotz gab es viel Arbeit für den Lüner Arzt - und er sah viele schlimme Bilder. 

Eindrücke vom Hilfseinsatz in Gaza

Dr. Samir Kazkaz ist aus seinem Einsatz im Gaza-Streifen zurück und hat unzählige Fotos mitgebracht.
Samir Kazkaz in einem der vielen zerstörten Gebäude:
Viele Kinder seien unter den Verletzten im Gaza-Streifen, berichtet Dr. Samir Kazkaz. Ein Kind habe er behandelt, das mit  "Splittern von Kopf bis Fuß" übersät war und ein Auge verloren hatte. "Das ist so traurig", sagt Kazkaz.
20 Operationen hat Dr. Samir Kazkaz im "Europäischen Krankenhaus" in Khan Yunis durchgeführt.
Im Operationssaal gab es immer Strom - wenn auch häufig nur durch einen Generator.
Aufgrund der Feuerpause während des größten Teils von Kazkaz' Aufenthalt im Gaza-Streifen operierte er deutlich weniger als bei seinen vergangenen Einsatzen dort. Seit vielen Jahren reist der Lüner Neurochirurg in seinem Urlaub in Krisengebiete, um dort ehrenamtlich zu helfen.
20 Operationen führte Dr. Samir Kazkaz im "Europäischen Krankenhaus" in Khan Yunis durch. Drei Menschen konnte er nicht retten.
In die UNO-Schulen im Gaza-Streifen haben sich nach Angaben Kazkaz' viele Menschen geflüchtet. Sie leben dort auf engstem Raum.
Das Ausmaß der Zerstörung im Gaza-Streifen ist gewaltig, wie Dr. Samir Kazkaz bei einer Rundfahrt während der Feuerpause gesehen hat.
Auch eine der Schulen, in denen viele Menschen auf engstem Raum leben, besuchte Kazkaz. "Teilweise leben 60 Leute in einem Klassenraum", berichtet der Lüner. Lebensmittel und Wasser kämen von der UNO.
"Alles links und rechts der Straßen ist kaputt, viele Häuser sind komplett zerstört", sagt Dr. Samir Kazkaz. Die Menschen im Gaza-Streifen, berichtet er, seien "richtig sauer auf Israel".
Das Ausmaß der Zerstörung im Gaza-Streifen ist gewaltig, wie die Bilder von Samir Kazkaz zeigen.
Das Ausmaß der Zerstörung im Gaza-Streifen ist gewaltig, wie die Bilder von Samir Kazkaz zeigen.
Neben dem Lüner Neurochirurg Dr. Samir Kazkaz waren weitere Ärzte aus dem Ausland im "Europäischen Krankenhaus" in Khan Yunis im Einsatz. Unter anderem arbeitete Kazkaz mit einem Kollegen aus dem Sudan und einem Kollegen aus den USA.
Auch den Raketenbeschuss der israelischen Seite bekam Dr. Samir Kazkaz zu spüren. An einem Tag sei eine F-16-Rakete in etwa einem Kilometer Entfernung eingeschlagen. Die Erschütterung war im Krankenhaus, in dem Kazkaz auch wohnte, zu spüren. Die Scheibe ging dadurch zu Bruch.
Während der Feuerpause besuchte Kazkaz mehrere Städte in der Umgebung von Khan Yunis. Immer wieder sah er Leute, die in den zerstörten Häusern nach ihren Habseligkeiten suchten.

Er operierte Menschen mit Granatsplittern, Kopf- und Schussverletzungen sowie Wirbelsäulenfrakturen, darunter viele Kinder. "Viele Kinder, die verletzt sind, sind noch so klein", schildert Kazkaz sichtlich betroffen. Einem Dreijährigen mit Wirbelsäulenfraktur habe er nicht helfen können, weil es schlichtweg keine derart kleinen Schrauben gibt. 

Ein anderes kleines Kind hatte "Splitter von Kopf bis Fuß", berichtet der 65-Jährige. Und es hatte ein Auge verloren. Als Kazkaz das am Telefon seiner Frau und seiner Tochter schildert, fängt er, der schon vieles gesehen hat, an zu weinen. "Das ist so traurig", sagt Kazkaz. Drei Menschen, die er operiert, sind so schlimm verletzt, dass er ihnen nicht helfen kann.  Neben seiner Arbeit im Krankenhaus hat Kazkaz aufgrund der Feuerpause auch Zeit, einige umliegende Städte zu besuchen. Aus dem Auto heraus sieht er Zerstörung, so weit das Auge reicht. "Alles rechts und links der Straße ist kaputt, viele Häuser sind komplett zerstört", erzählt der Lüner. Und: "Das Volk ist richtig sauer auf Israel."

Kazkaz besucht UNO-Schulen, in die sich viele Menschen im Gaza-Streifen geflüchtet haben. Etwa 60 Leute lebten dort in jedem der Klassenzimmer. Kazkaz selbst wohnte mit anderen Ärzten aus dem Ausland zusammen im "Europäischen Krankenhaus". In einer Nacht, als geschossen wurde, habe er 50 Raketeneinschläge gezählt, sagt Kazkaz. Irgendwann habe er aufgehört zu zählen. Einmal schlug morgens eine Rakete in etwa einem Kilometer Entfernung vom Krankenhaus ein. Die Erschütterung war deutlich zu spüren, ein Fenster ging zu Bruch. "Klar hat man dann Angst", sagt Kazkaz. 

LÜNEN Der Lüner Neurochirurg Dr. Samir Kazkaz steht im Gaza-Streifen Tag und Nacht am Operationstisch, während in der Umgebung Bomben fallen. Das berichtet die Hilfsorganisation Hammer Forum, für die Kazkaz ehrenamtlich im Einsatz ist.mehr...

Jetzt ist Kazkaz - zur Erleichterung seiner Frau und seiner Tochter - erst einmal zurück in Lünen. Schon seit Montag  ist er im Lüner St.-Marien-Hospital wieder im Dienst. Im Oktober, das hat Kazkaz den Leuten vor Ort versprochen, will er erneut in den Gaza-Streifen und Menschen helfen. 

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