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Mutige Inszenierung im Bürgerzentrum

Jugendliche aus Lünen-Gahmen spielten Theater

Bei einer Theater-Premiere am Freitagabend im Bürgerzentrum Gahmen zeigte sich eindrucksvoll, dass man mit sehr wenigen Mitteln sehr viel vermitteln kann.

Lünen-Gahmen

von Lea Wulfert

, 17.06.2018
Mutige Inszenierung im Bürgerzentrum

Dorentina Reka (links) gemeinsam mit ihrer Schauspielgruppe und Regina Hunschock (rechts), Leiterin des Bürgerzentrums Gahmen. © Lea Wulfert

Der Satz „Die Gedanken sind frei“ ist nicht nur der Titel des bekannten Volksliedes, sondern auch des von Dorentina Reka und einer Gruppe aus jungen Schauspielern geschriebenen Stückes.

Darin ging es um die Gedanken von Kindern und Jugendlichen. Um das, was sie täglich beschäftigt. Ihre Ängste und Schwächen und vor allem um die Gesellschaft, die im Stück nicht gut wegkommt. Die jungen Akteure nahmen kein Blatt vor den Mund und sprachen ihre Gedanken frei an – ob es dabei um Tod, Krieg, Mobbing oder sogar Selbstmord ging.

Weiße Masken

Mit weißen Masken und in weißen Anzügen lagen die acht Schauspieler auf der Bühne. Nicht zu erkennen, wer hinter der Maske steckt. Aus den Lautsprechern wurde düstere Musik gespielt. Plötzlich fingen die weiß gekleideten Personen auf der Bühne an, sich zu bewegen. Allerdings so, als würde ihnen die Bewegung sehr schwer fallen. Die ersten jüngeren Kinder verließen zu diesem Zeitpunkt den Raum. Die düstere Stimmung die erzeugt wurde, jagte ihnen zu viel Angst ein. „Es ist eher ein Stück für Jugendliche und Erwachsene“, erklärte Dorentina Reka später. Eine Zuschauerin sagte nach dem Stück: „Das war eigentlich ein Kompliment für die Schauspieler, sie haben die Stimmung wirklich sehr gut rübergebracht.“

Mutige Inszenierung im Bürgerzentrum

Die Schauspieler erzeugten durch ihre Kostüme eine gewollte Anonymität zu Beginn des Stückes. © Lea Wulfert

Thematisiert wurde mit der ersten Szene die Schwierigkeit beim Aufstehen. „Acht Uhr ist einfach zu früh, um mit dem Unterricht zu Beginnen“, beschwerte sich Schauspieler Tim Happe.

Doch bei banalen Themen wie diesem blieb es nicht. Die 14-jährige Jill Schneider sorgte mit einem Monolog für Gänsehaut. Sie sprach über Reaktionen, die auf ein veröffentlichtes Selfie bei Instagram folgten und die Gefühle, die diese in ihr auslösten. Diese Gefühle und Gedanken waren so düster, dass der einzige Ausweg Selbstmord schien.

Publikum war ganz still

Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt ganz still. Die junge Schauspielerin schaffte es, die Emotionen so gut rüberzubringen, dass man hätte glauben können, sie erzählte ihre eigene Geschichte. Tim Happe erklärte nach dem Stück: „Mit der Szene wollten wir zeigen, wie gefährlich Cyber-Mobbing sein kann und dass soziale Medien zu einem gestörten Selbstbild beitragen.“

Liridone Ramadam sagte: „Es war sehr ausdrucksstark und sehr mutig, diese Themen anzusprechen.“ Es war bereits das dritte Projekt, das Dorentina Reka in Gahmen leitete. Unterstützt wurde sie dabei vom Bürgerzentrum Gahmen und der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater NRW, die als Projektträger fungierte. Auch ihr Freund Deomokrat Ramadam unterstütze sie beim Theaterprojekt, äußerte sich jedoch am Ende kritisch, da kein Vertreter der Stadt gekommen war. „Es ist einfach Zeit, dass das Projekt gewürdigt wird, das ist auch wichtig für die Kinder und Jugendlichen hier aus Gahmen.“

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