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Eindrucksvolle Bilder

Reisebericht: Unser Reporter umrundet Watzmann

LÜNEN Seit mehr als 40 Jahren ist der Reporter und ehemalige Lüner Berufsschullehrer Diethelm Textoris (71) auf internationalen Weit- und Fernwanderwegen unterwegs. Jetzt war er wieder auf Tour. Im Alleingang umrundete er den zweithöchsten Berg Deutschlands, den 2713 Meter hohen Watzmann. Hier berichtet er von seiner Reise.

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Vorbei an St. Bartholomä ging es zum Ausgangspunkt "Salet" am südlichen Ende des Königssees.

Diethelm Textoris bei de Umrundung des Watzmann Massivs.

Wegen des schlechten Wetters waren nur Teile des Watzmanns im Nebel zu erkennen.

Schon der Start ist etwas Besonderes. Denn der Ausgangspunkt "Salet" des "Watzmanntreks" ist nur mit dem Boot zu erreichen. Sechs Wandertage liegen vor mir. "Die schönsten Juwelen der Bayerischen Alpen" hat mir der Wanderführer versprochen. Da überliest man gern die nächsten Ausführungen: "Sie gehen auf felsigen Bergpfaden und alpinen Bergsteigen und müssen mit jedem Wetter rechnen." Noch befinde ich mich auf dem vollbesetzten Elektroboot im Strom der internationalen Touristen.

Routiniert erklärt der Schiffbegleiter die Sehenswürdigkeiten zur Linken und Rechten: den Malerwinkel, die Kesselwand, St. Bartholomä. Mit seiner Posaune lässt er das berühmte Echo erklingen. Das freiwillige Trinkgeld wird sofort kassiert. "Denken Sie daran, dass wir das Geld mit dem Kollegen oben am Berg teilen müssen."

So umwandert der Lüner Reporter Textoris den Watzmann

Schneeeinbruch im Juli. Diethelm Texoris auf dem Watzmanntrek.
Der Funtensee mit dem Steinernen Meer im Hintergrund.
Auf dem Weg zum Ingolstädter Haus war die Wege teilweise mit Neuschnee bedeckt.
Wegen des schlechten Wetters waren nur Teile des Watzmanns im Nebel zu erkennen.
Diethelm Textoris bei der Watzmann-Umrundung. Statt 'Sonne gab es Schnee auf den Wegen.
Vorbei an St. Bartholomä ging es zum Ausgangspunkt "Salet" am südlichen Ende des Königssees.
Felsig, verschneit und manchmal schwer erkennbar waren die Wege auf dem Watzmann-Trek.
Parallel zum Röthbachwasserfall ging es steil aufwärts zur Wasseralm.
Diethelm Textoris bei de Umrundung des Watzmann Massivs.
Zünftiger Hüttenabend mit Franz: Highway to Hell statt Kufsteinlied.
Auch eine Kreuzfahrt stand auf dem Programm.
Idyllisch auch bei schlechtem Wetter: Dt. Bartholomä am Königssee.
Hüttenatmosphäre auf der Wasseralm.
Auch im Sommer kann das Steinerne Meer mit Schnee bedeckt sein.
Hinter einer Schneewehe taucht das Ingolstädter Haus auf.
Willkommen im Ingolstädter Haus.
Abmarsch vom Ingolstädter Haus bei winterlichen Bedingungen im Sommer.

"Vor uns sehen Sie den Röthbachwasserfall, mit 470 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands", verkündet der Schiffsbegleiter. Ich bekomme doch ein ziemlich mulmiges Gefühl, als mir klar wird, dass ich genau parallel dazu über einen Steig mit anschließenden weiteren 300 Höhenmetern zur "Wasseralm" aufsteigen muss. Am Fuße des Wasserfalls lasse ich die letzten Tages-Touristen hinter mir, dann geht es nur noch aufwärts.

Über steile, schmale und felsige Pfade, mit Seilen gesicherte Kletterstufen, bei denen auch die Hände zum Einsatz kommen. Seit Beginn des Aufstiegs hat ein heftiger Regen eingesetzt, und das vom Berg herabfließende Wasser sucht sich vorwiegend meinen Weg als Abflussrinne. Einmal bekomme ich bei Durchquerung eines Wasserfalls eine ziemlich heftige Dusche ab. Als ich nach vier Stunden die Wasseralm in 1420 Meter Höhe erreiche, weiß ich, dass sie ihren Namen zu Recht trägt.

Textoris lässt ein Stück Zivilisation hinter sich

Bei der Wasseralm merkt man, dass man beim "Watzmanntrek" ein Stück moderner Zivilisation hinter sich lässt. Man muss sich zwar nicht mehr, wie noch vor kurzem, in der Viehtränke waschen. Aber die Waschräume sind im höher gelegenen Nebengebäude und haben keine Duschen. Dafür ist das nostalgische "Plumpsklo" mit dem Herz in der Tür erhalten geblieben. Handyempfang? Fehlanzeige. Den habe ich erst am nächsten Tag, (wieder ein Regentag) an einer einzigen, genau im Reiseführer beschriebenen Stelle. Dann ist für drei Tage wieder Funkstille. Zum Glück habe ich die Angehörigen darauf hingewiesen. Damit sie nicht gleich das Schlimmste befürchten.

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Beim Blick aus dem Fenster des Kärlinger Hauses (1638 Meter) am nächsten Tag zeigen sich die umliegenden Berge verschneit. Ich beschließe, auf direktem Weg zum Ingolstädter Haus (2120 Meter) zu gehen, denn im "Steinernen Meer" sind die Boden-Markierungen bei Schnee nicht mehr zu erkennen. Trotzdem muss ich hochkonzentriert aufpassen, wie ich jeden Tritt setze und immer vorausschauend im Nebel die nächste Markierungen suchen. So bin ich froh, dass ich nach einer doppelt so langen Zeit wie vorgegeben hinter einer hohen Schneewehe bei einem Schild "Herzlich Willkommen" die Hütte erreiche.

Geheimtipp auf mehr als 2000 Metern Höhe

„Im Nebenraum spielt der Franz“, flüstert mir die Bedienung als Geheimtipp zu. Franz, 60 Jahre alt, genießt mit seiner Gitarre Kultstatus auf der Hütte. Während früher "La Montanara" oder das "Kufsteinlied" die Renner waren, treibt er heute mit „Smoke on the Water“ und „Highway to Hell“ die Gäste auf die Sitze und Tische. Ich finde, dass in die Super-Stimmung ein zünftiges Seemannslied gut passt. So darf ich mit Franzens instrumentaler Unterstützung "La Paloma" vortragen und mit "Lili Marleen" als internationales Friedenslied den Abend beschließen.

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Nach zwei weiteren trüben Tagen, bei denen ich die jeweils risikolosere Wegführungsvariante nehme, erreiche ich das Watzmannhaus in 1930 Meter Höhe. Da ich eine Gipfelbesteigung nicht ernsthaft erwogen habe, steige ich nach Tagen der Kälte am einzigen Sonnentag bei angenehmer Hitze hinab zum Königssee. Der Kreis hat sich geschlossen. Den Watzmann habe ich kein einziges Mal in seiner vollen Schönheit sehen können. Nach Tagen mit Kompromissen bezüglich der Körperhygiene genieße ich das komfortable Zimmer im Hotel "Schiffmeister". Vom Balkon beobachte ich die unzähligen Touristen, die im 15-minütigen Rhythmus die Schiffe füllen.

Die internationale Beliebtheit merke ich auch am nächsten Morgen, als ich beim Frühstück ziemlich allein unter Japanern bin. 

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie Diethelm Textoris die Reise trotz hohen Alters gemeistert hat.

"Je oller, je doller" - das werden Sie vielleicht an Anlehnung an den Lüner Jubiläumsslogan beim Lesen meines Berichts über die Umrundung des Watzmann-Massivs gedacht haben.

Wie kann man mit fast 72 Jahren bei ungünstigen Witterungsbedingungen auf alpinen Pfaden und Steigen ohne Handyverbindung allein in Höhen bis zu 2200 Meter unterwegs sein? "Ganz schön mutig", werden einige sagen, "ganz schön leichtsinnig" die anderen.

Viel Erfahrung und auf sicheren Wegen

Doch ich kann sie beruhigen. Ich kann mich auf eine jahrzehntelange Erfahrung verlassen, bin stets auf Wegen geblieben, die auch von anderen Wanderern begangen wurden.

Sicher, ein Restrisiko bleibt immer. Aber haben wir das nicht auch, wenn wir uns in den täglichen Straßenverkehr begeben? Kann nicht jeder von uns heute oder morgen Opfer eines Gewaltaktes werden?

Ich gebe zu, vor Jahren habe ich gedacht, du gehst nicht mehr ins Hochgebirge, schon gar nicht allein. Aber warum soll man sich selbst Grenzen setzen, solange die Gesundheit noch mitspielt? Diese Grenzen, und auch die endgültige, wird eines Tages ein anderer bestimmen. Bis dahin...

Infos um Watzmanntrek
-Je nach gewählter Variante


-Die Streckenlänge


-Der Reiseführer "Watzmanntrek"

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Vorbei an St. Bartholomä ging es zum Ausgangspunkt "Salet" am südlichen Ende des Königssees.

Diethelm Textoris bei de Umrundung des Watzmann Massivs.

Wegen des schlechten Wetters waren nur Teile des Watzmanns im Nebel zu erkennen.

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