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Ärger um Semmelrogge vor „Othello“ in Lünen

Schauspieler angeblich nicht textsicher

Lünen Eine Theateraufführung, vor der Regisseur und Gastbühne quasi warnen, gibt es auch nicht alle Tage: Am Donnerstagabend (15. März) soll „Othello“ mit dem prominenten Schauspieler Martin Semmmelrogge in Lünen über die Bühne gehen. Und um Martin Semmelrogge gibt es Ärger.

Schauspieler angeblich nicht textsicher

Martin Semmelrogge soll im Heinz-Hilpert-Theater den„Jago“ spielen. „Eine Paraderolle“, hieß es in der Vorankündigung. Foto: Landesbühne Rheinland-Pfalz

Die Landesbühne Rheinland-Pfalz, deren Ensemble das Shakespeare-Stück aufführt, hat allen Spielorten der Othello-Tournee angeboten, das Schauspiel ohne Semmelrogge in der Rolle des „Jago“ zu spielen. Das erklärte Theater-Leiter Walter Ulrich auf Anfrage.

„Trat an falschen Stellen auf“

„Die Vorstellung ist nicht so, dass wir künstlerisch voll dahinterstehen“, erklärte Ulrich. Nach seinen Angaben habe Semmelrogge während der fünfwöchigen Probephase nur an wenigen Terminen teilgenommen, weil er ein anderes Engagement eingegangen sei. Das wirkte sich nach Darstellung von Ulrich aus: „Natürlich kann er spielen, aber er war textunsicher, trat an den falschen Stellen auf, ging an den falschen Stellen ab.“ Die Vorstellungen am Stammsitz der Bühne in Neuwied habe man mit Stefan Krause als „Jago“ besetzt“, so Ulrich. Semmelrogge habe den „Jago“ erstmals am 12. März in Rheinbach gespielt. „Es war grauenhaft“ erklärte Regisseur Marcel Krohn gegenüber unserer Redaktion, „ich muss mich leider von dieser Produktion distanzieren.“ Mit Semmelrogge habe das Stück “nicht annähernd das Niveau der Erstbesetzung.“ Semmelrogge habe versucht, „sich in dümmliches Charmieren mit dem Publikum zu retten.“

Der prominente Name

Semmelrogges Auftritt in Rheinbach bewog die Landesbühne laut Leiter Walter Ulrich, die Notbremse zu ziehen und die weiteren Spielorte zu informieren. Einige Städte hätten das Angebot einer anderen Jago-Besetzung angenommen, andere nicht. „Die Gastspielorte wollen unbedingt einen prominenten Namen haben, das war unser Dilemma“, so Ulrich. Auch Lünen entschied sich gegen eine Vorstellung ohne Semmelrogge.

In Lünen ist Kulturbüro-Leiter Uwe Wortmann für das Heinz-Hilpert-Theater und das Programm dort verantwortlich. Nach seinen Angaben hat er erstmals in der Woche zuvor telefonisch von der schwierigen Situation erfahren. Am Mittwochmittag (14. März), einen Tag vor der Vorstellung, sei dann per Mail das Angebot der Landesbühne Rheinland-Pfalz gekommen, ohne Martin Semmelrogge zu spielen. „Ich habe dann zurückgefragt, wie wir das kommunizieren sollen, ohne die Person von Martin Semmelrogge zu beschädigen“ sagte Wortmann. Außerdem habe er die Landesbühne darauf hingewiesen, dass sie für die künstlerische Leistung verantwortlich sei. Die Antwort der Landesbühne sei gewesen, man hoffe, eine vernünftige Aufführung (mit Semmelrogge) hinzukriegen.

Kritikerin lobt die Leistung

Die Wahrnehmung von Semmelrogges Leistung fällt allerdings widersprüchlich aus. Während der Landesbühnen-Chef und der Regisseur Semmelrogge den Zuschauern offenbar nicht weiter zumuten wollen, kam die Journalistin Svenja Burgschat im Bonner Generalanzeiger zu einer ganz anderen Beurteilung: „Semmelrogges brillieren in Othello in Rheinbach“, heißt die Überschrift der Kritik in der Online-Ausgabe vom 14. März. Semmelrogges deshalb, weil neben Martin Semmelrogge auch dessen Tochter Joanna (als Desdemona) mitspielt. In dem Bericht heißt es weiter: „Für die packende und brillant gespielte Inszenierung des zeitlosen Klassikers bedankten sie sich (die Zuschauer, Anm. d. Red.) mit anhaltendem Applaus für jeden Darsteller, ehe sie aus der düsteren Atmosphäre des Stücks entlassen wurden. „Es war wirklich toll“ hörte man viele Zuschauer sagen, als sie den Saal verließen.“

Schauspieler Martin Semmelrogge wird von der Agentur Neidig gemanagt. „Es sind persönliche Dinge zwischen Regisseur und Schauspieler in einer Weise eskaliert, die nicht schön ist. Wir kommentieren das nicht“, erklärte Agenturchefin Claudia Neidig.

Für die Vorstellung um 20 Uhr im Heinz-Hilpert-Theater, Kurt-Schumacher-Straße 39, gibt es noch Karten an der Abendkasse. Sie kosten zwischen 14 und 23 Euro. Die Abendkasse ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

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