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Sicherheitssperren auf der Lüner Kirmes

Sinnvoll oder bloß Panikmache?

Lünen Für die Lüner Kirmes wurde die Fußgängerzone gegen Angriffe mit Fahrzeugen abgesichert. RN-Redaktionsleiter Daniel Claeßen sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Ein Kommentar.

Sinnvoll oder bloß Panikmache?

Am Mittwoch verdeckte Bauzäune die Barrieren, am Freitag waren sie verschwunden. Foto: Foto: Daniel Claeßen

Schön war der Anblick ja wirklich nicht: Bauzäune mit Werbeplakaten für Lünen erweckten auf der Lippebrücke in der Fußgängerzone den Eindruck, als sei hier der Weg zu Ende. Ein Geschäftsmann zog gar den Vergleich zum „Checkpoint Charlie“. Gar nicht so abwegig: Sowohl der Grenzübergangsposten in Berlin als auch die Bauzäune mit den dahinter versteckten Sandsäcken sollten ungebetene Gäste abhalten.

Nur noch Sandsäcke

Einen Tag später sieht die Szenerie zumindest am Nordende nicht mehr ganz so kompromisslos aus. Am Südende stehen die Bauzäune allerdings noch, dort wirken sie aber nicht ganz so drastisch. So oder so, der Stadtverwaltung bleibt keine andere Wahl: Die neuen Sicherheitsbestimmungen sehen solche Barrieren vor. Oder, wie es eine ältere Frau im Gespräch auf der Brücke formulierte: „Die stehen hier, damit keiner hier durchfährt, der Leute töten will.“

Dieser Satz an sich klingt schon absurd. Und dann wird einem klar, dass wir in einer Zeit leben, in der gewisse Absurditäten zur Regel geworden sind. Wer heute eine Großveranstaltung macht – ob Abi-Fete, Schützenfest oder Stadtjubiläum – muss sicherstellen, dass er einen terroristischen Angriff abwehren oder zumindest adäquat darauf reagieren kann. Was wiederum voraussetzt, dass Terroristen berechenbar sind.

Wer hätte das erwartet?

Nun kann sich jeder selbst überlegen, ob er es vor 2001 für denkbar gehalten hätte, dass geisteskranke Irre mit Flugzeugen in Hochhäuser fliegen. Oder ob er vor 2004 geahnt hätte, dass charakterlose Kreaturen eine Grundschule stürmen und sich mit Kindern in die Luft sprengen. Oder Nachtclubbesucher mit Maschinengewehren niedermetzeln. Oder eine Synagoge in die Luft jagen. Oder mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt rasen.

Ich gebe zu – und auch das zählt zu den Absurditäten dieser Zeit: Mittlerweile wundert einen nichts mehr. Deshalb kann ich den Versuch nachvollziehen, zumindest optisch für Sicherheit sorgen zu wollen, auch wenn die Himmelfahrtskirmes eher kein Ziel für ein Himmelfahrtskommando wäre. Und ich generell der Meinung bin, dass man sich weder von Terroristen, noch von Trittbrettfahrern, noch von Angstmachern und schon gar nicht von Hetzern ins Bockshorn jagen lassen sollte.

Schwierige Antwort

Was ich mich trotzdem immer wieder frage: Will ich der Verantwortliche sein, wenn am Ende doch etwas passiert?

Was halten Sie von den Sicherheitskonzepten für Großveranstaltungen? Sind das vernünftige Lösungen, oder schüren Barrieren wie in Lünen die Angst? Gehen Sie selbst mit gutem Gefühl auf Märkte und auf die Kirmes? Schreiben Sie uns Ihre Eindrücke:

lokalredaktion.luenen@mdhl.de

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