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Colani-Ei wird 20 Jahre alt

So kam das Ufo auf den Lüner Zechen-Förderturm

LÜNEN Eine "fliegende Untertasse" feiert Geburtstag: Vor 20 Jahren entstand auf dem ehemaligen Förderturm der Zeche Achenbach in Lünen-Brambauer das Ufo. Das Bauwerk, das nach einer Skizze des Designers Luigi Colani gestaltet wurde, hat sich zum Symbol des Strukturwandels entwickelt. Wir blicken zurück auf die turbulente Anfangszeit.

So kam das Ufo auf den Lüner Zechen-Förderturm

Bei der Eröffnung der "fliegenden Untertasse" war Luigi Colani nicht dabei. Später präsentierte er stolz "sein" Ufo.

Der berühmte Designer Luigi Colani, inzwischen 86 Jahre alt, ließ sich Anfang der 1990er-Jahre von einem stillgelegten Förderturm der Schachtanlage Minister Achenbach inspirieren. Flugs zeichnete Colani eine Skizze mit einer fliegenden Untertasse oben auf dem Turm. Fertig war das Ufo.

Auch Design-Center geplant

„Es gab zunächst nichts als eine Tusche-Skizze“, erinnert sich Engelbert Kortmann aus Nordkirchen, damals Bauunternehmer. Und es gab eine Menge Begeisterung für das Projekt: Bei der Stadt Lünen, die gerade ein Technologiezentrum auf dem früheren Bergbaugelände plante, beim Land NRW, in der Politik und in der Wirtschaft.

Ufo auf dem Zechen-Förderturm: Die Geschichte in Bildern

Der große Moment im Mai 1995: Das Ufo schwebt am Haken eines Krans und wird gleich auf das Gerüst des füheren Förderturms gesetzt.
Bei der Eröffnung der "fliegenden Untertasse" war Luigi Colani nicht dabei. Später präsentierte er stolz "sein" Ufo.
Vertragsunterzeichnung 1993 im Lüner Rathaus mit (v.l.) Bürgermeister Kurt Denkert, Stadtdirektor Dr. Rudolf Salmen, Luigi Colani und Karl-Heinz Unger, Geschäftsführer der Lüner Wirtschaftsförderung.
Perfekt in Szene gesetzt: Das Ufo während der Aktion "Schachtzeichen" im Kulturhauptstadtjahr 2010.
Das Ufo als Titelbild in der Beilage der Süddeutschen Zeitung zur Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010.
Die Lieferantensuchmaschine "Wer liefert was"  warb mit dem Lüner Ufo im u.a. im Spiegel.
Das Ufo ist auch nachts ein spektakuläres Fotomotiv.
Konferieren auf höchster Ebene: Seit 2009 ist das Ufo eine Business Lounge und kann gemietet werden.
Das Ufo als Image-Träger: Lünen-Postkarte mit Ufo-Motiven.
Leuchtendes Symbol für den Strukturwandel: Das Ufo bei Nacht.
Für den Dortmund-Tatort wurde im Ufo gedreht: Die Spurensuche führt die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt)  in ein Hightech-Unternehmen, das seinen Sitz im Lüner "Ufo" hat.
Diese Skizze des Ufos fertigte Luigi Colani im November 1992 an.
Engelbert Kortmann aus Nordkirchen: Er war mit seiner Firma Generalunternehmer für den Bau des Ufos.
Michael Sponholz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Lünen.
In der Eingangshalle des Ufo wird für die Business Lounge und das Lüntec geworben.
Aus dem Ufo bietet sich ein toller Blick auf Lünen und die Umgebung.
Im Technologiezentrum Lüntec trifft Bergbaugeschichte auf Gründergeist.
Wirtschaftsförderer Michael Sponholz (l.) und Ufo-Unternehmer Engelbert Kortmann im Innern der "fliegenden Untertasse": 2009 wurde das Ufo zur Business Lounge umgebaut und wirbt mit dem Motto "Deutschland originellster Konferenzraum" dafür.
Das Ufo mit Eingangsbereich.
Das Ufo aus der Froschperspektive.
Hinweisschild auf das Technologiezentrum Lüntec mit Ufo im Hintergrund.
Engelbert Kortmann aus Nordkirchen: Er war mit seiner Firma Generalunternehmer für den Bau des Ufos.

Zumal es Colani nicht bei seinem Geistesblitz in Sachen Ufo-Entwurf belassen wollte. Er plante auch ein Design-Center in der vom Strukturwandel gebeutelten Lippestadt, wollte mit seinem Team im Ufo kreativ werden. Colani-Design „made in Lünen“ – das klang verlockend.

Stadt Lünen konnte Eigenanteil nicht aufbringen

Viele Menschen halfen damals mit, Colani für Lünen zu interessieren und  aus der Vision Wirklichkeit werden zu lassen: Zum Beispiel NRW-Staatssekretär Hartmut Krebs,  Dr. Elvira Jankowski (Zupack GmbH Lünen), Klaus Brenscheidt (IHK Dortmund), Dr. Jochen Drath (Pressesprecher VEW AG Dortmund) und vor allem Lünens damaliger Stadtdirektor Dr. Rudolf Salmen, der das Projekt vehement  vorantrieb.

1993 unterzeichnete die Stadt einen Vertrag mit dem Designer, das Land sicherte Fördermittel in Höhe von 3,2 Millionen DM für den Ufo-Bau zu. Am Ende wurden es knapp 4 Millionen. Weil aber die klamme Stadt Lünen den nötigen Eigenanteil nicht aufbringen konnte, sprang Unternehmer Kortmann ein. Er finanzierte den Anteil der Stadt und ließ sich im Gegenzug die erwarteten Mieteinnahmen aus der Ufo-Nutzung abtreten.

24 Millionen DM verbaut

Doch bisher hatte noch niemand so ein Ufo gebaut. „Ich war auf einer Bootsmesse und habe Bootsbauer gefragt, die winkten ab“, berichtet Kortmann. Schließlich fand er eine Firma in der Slowakei, die sich zutraute, die Ufo-Teile aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) zu fertigen. Und so geschah es auch: Stück für Stück wurde das Ufo,  auch Colani-Ei genannt, am Boden montiert.

 

 

Ein Kran hievte die fliegende Untertasse schließlich auf das Gerüst des früheren Förderturms. Am 9. Mai 1995 dann der große Tag: NRW-Wirtschaftsminister Günter Einert eröffnete das Lüner Technologiezentrum Lüntec und das Ufo. 24 Millionen DM waren dafür verbaut worden.

Schöpfer Colani fehlte beim Festakt

Luigi Colani allerdings fehlte beim Festakt. Sein Flugzeug, so hieß es, sei defekt. Die Beziehungen zwischen dem Designer und der Stadt hatten sich zum damaligen Zeitpunkt bereits abgekühlt. Und es kam noch schlimmer: Aus dem geplanten Design-Zentrum wurde nichts, gegenseitige Vorwürfe machten die Runde.

Im November 1995 lösten die Stadt und die Colani Design Germany GmbH ihren Vertrag. Generalunternehmer Engelbert Kortmann glaubt, dass sich bei Colani Ernüchterung breit gemacht hatte angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen. So habe er nicht die von ihm erhofften Aufträge von Unternehmen aus der Region erhalten.

Image-Träger für die Stadt

Colanis Design-Firma ist nicht gekommen, aber sein Ufo ist geblieben. Es hat sich zu einem beliebten Fotomotiv, zu einem Image-Träger und zum Symbol für den Strukturwandel entwickelt. „Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, freut sich Michael Sponholz, Geschäftsführer der Lüner Wirtschaftsförderung. Während die Vermietung des Ufos ein schwieriges Unterfangen blieb, entwickelte sich das benachbarte Technologiezentrum umso besser.

Es soll Existenzgründungen, Innovationen und Technologietransfer fördern und hat laut Michael Sponholz zur Zeit 55 Mieter mit über 250 Mitarbeitern. Die Vermietungsquote im ersten Quartal 2015 habe bei mehr als 87 Prozent gelegen.

Business-Lounge und Designermöbel

Mieter im Ufo gibt es auch noch, aber nur für Stunden oder Tage: 2009 wurde die „Raumkapsel“ zur Business Lounge umgebaut und mit Designermöbeln eingerichtet. Das Ufo kann seitdem  für Konferenzen und Events in luftiger Höhe angemietet werden.

Engelbert Kortmann hat das Ufo jetzt erstmals seit dem Umbau gesehen und war begeistert.  Der Bau des Ufos war für ihn und seine Firma ein technisches wie finanzielles Abenteuer. Trotzdem – oder gerade deshalb – sagt Kortmann heute: „Wenn ich das Geld hätte, würde ich es wieder machen.“ 

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