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Prozess um den Tod von Baby Nils vor dem Ende

Staatsanwalt fordert Freispruch für angeklagte Mutter

Lünen/Dortmund. In dem mehr als vier Jahre andauernden Prozess über den Tod von Baby Nils hat Staatsanwalt Felix Giesenregen am Donnerstag ein überraschendes Plädoyer gehalten.

Staatsanwalt fordert Freispruch für angeklagte Mutter

Die angeklagte Mutter könnte im Prozess um den Tod ihres Sohnes Nils freigesprochen werden. Foto: Foto: Jörn Hartwich

Ist das die große Wende im Prozess um das tragische Schicksal des im Juni 2010 gestorbenen Babys Nils? Staatsanwalt Felix Giesenregen hat am Donnerstag sein Plädoyer gehalten und forderte einen Freispruch in allen relevanten Aspekten.

Dass die angeklagte Mutter aus Lünen ihr sieben Monate altes Baby damals geschüttelt und mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat, lässt sich nach Ansicht des Staatsanwalts nicht sicher nachweisen. „Es gibt gewichtige Argumente, die für eine Misshandlung sprechen“, sagte Giesenregen. Am Ende blieben aber immer Restzweifel zurück.

Streit der Gutachter

Denn nach Ansicht des Anklagevertreters könne auch die Version der Mutter nicht ausgeschlossen werden. Die Angeklagte beharrt von Anfang an darauf, dass Nils vom Elternbett gefallen ist, als sie in der Küche war und seinen Brei zubereitete. Den Schädelbruch, der die letztendlich tödliche Hirnblutung auslöste, müsste sich das Baby also bei einem Sturz aus 45 Zentimetern Höhe auf Laminatboden zugezogen haben.

Staatsanwalt Giesenregen sagt dazu: „Wir haben zahlreiche medizinische Gutachten gehört, die zu sehr unterschiedlichen Auffassungen gelangt sind.“ Einige Mediziner hätten einen Sturz als Ursache des Bruches ausgeschlossen, andere seien jedoch längst nicht so weit gegangen. Weil am Ende die Zweifel nicht aus der Welt zu schaffen seien, müsse zugunsten der Angeklagten von ihrer Version ausgegangen werden, so der Staatsanwalt.

Geldstrafe auf Bewährung

Die Mutter von Nils vergoss bereits zu diesem Zeitpunkt Tränen der Erleichterung. Nach dem Ende des Sitzungstages verließ sie fast fluchtartig den Saal – offensichtlich überwältigt von ihren Emotionen.

Dass sie nach dem Willen der Staatsanwaltschaft nicht gänzlich freigesprochen werden soll, hatte sie natürlich zuvor auch vernommen: Als es Nils bereits sehr schlecht ging, hatte sie ein Körnerkissen auf seine Brust gelegt und zuvor offenbar vergessen, die Temperatur zu überprüfen. Das Kissen war viel zu heiß und verbrannte die Brust des Babys. Für diese „fahrlässige Körperverletzung“ beantragte Staatsanwalt Giesenregen eine Geldstrafe auf Bewährung.

Richter geht in den Ruhestand

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