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Porträt

Tolles Duo: So hilft ein Hund dieser blinden Lünerin

LÜNEN Ein Blindenhund kann für sehbehinderte Menschen eine wunderbare Bereicherung sein. Ein Freund an der Seite, der die Augen offenhält und einen sicher durch den Alltag bringt. Wenn das Vertrauensverhältnis erst einmal stimmt, entsteht eine tolle Partnerschaft. Wir stellen ein solches Duo aus Lünen vor.

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Hong Thao Multhaupt mit ihrer Hündin Yosie unterwegs in der Lüner Innenstadt.

Hong Thao Multhaupt mit ihrer Hündin Yosie unterwegs in der Lüner Bäckerstraße.

Wenn Yosie im Einsatz ist, gilt: „Streicheln verboten“. Die Hündin muss konzentriert bleiben, um ihr Frauchen sicher durch die Stadt zu führen.

Baulärm schallt über die Straße, Bagger und Bauarbeiter reißen die Straße auf, der Gehweg ist nur ein schmaler Streifen: Mitten durch dieses Chaos läuft Hong Thao Multhaupt mit ihrer Hündin Yosie. „Eigentlich gehe ich nicht gerne in die Stadt, wenn hier so viele Baustellen sind“, sagt die 35-jährige Lünerin und muss ziemlich laut werden, um gegen die rotierende Kreissäge anzukommen. „Ich habe das nicht gerne, wenn ich mich nicht auf meine Ohren verlassen kann.“

Sehen kann sie die beschriebene Szenerie nämlich nicht. Die junge Frau ist seit ihrem ersten Lebensjahr blind und kann sich auch nicht daran erinnern, wie es ist, etwas sehen zu können. Ihre Blindenführhündin Yosie begleitet sie nun seit drei Jahren.

„Ich bin schon immer sehr tierlieb gewesen und habe mich dann irgendwann gemeinsam mit meinem Mann dazu entschlossen, einen Führhund zu beantragen“, erzählt sie, während der Baulärm langsam leiser wird und Yosie zielgerichtet auf den nahen Park zusteuert. „Nach vorne“, ruft Hong Thao Multhaupt der Pudeldame immer wieder zu.

Bei der Arbeit bitte nicht streicheln

Das Kommando kommt immer dann, wenn Yosie den Kopf wegdreht und nicht dort hinschaut, wo sie hinläuft. „Das merke ich sofort am Führgeschirr.“ Den Bügel hat sie locker in der linken Hand. Auf dem Stoffaufnäher steht: „Nicht streicheln, ich arbeite!“. Darunter ist ein Symbol, das Yosie als Blindenführhund ausweist.

„Es ist ganz wichtig, dass sie beim Führen nicht abgelenkt wird“, erklärt die junge Frau. Andere Hunde, Eichhörnchen, eigentlich alle möglichen Reize sollte Yosie ignorieren, wenn sie das Geschirr trägt.

Zwar kommt Hong Thao Multhaupt auch ohne Führhund zurecht, orientiert sich mit ihrem Stock, wie sie es schon seit Jahrzehnten tut. Doch der Hund ist eine wunderbare Bereicherung, nicht nur für die Tierfreundin in ihr, sondern auch für ihre Lebensqualität im Alltag. „Wenn ich hier in der Nachbarschaft unterwegs bin, zum Supermarkt etwa, dann kennt Yosie den Weg schon von alleine“, erzählt die 35-Jährige.

Verbale und non-verbale Zeichen steuern Yosie

Wenn sich das Duo jedoch auf den Weg in ein unbekanntes Umfeld macht, dann kennt Yosie den Weg natürlich nicht. Dann übernimmt sie für ihr Frauchen das Sehen. Gesteuert von deutlichen Kommandos, wie „such Eingang“, oder „such Zebrastreifen“ manövriert sie durch die Stadt. Die Kommunikation zwischen den beiden muss stimmen. Es gibt auch non-verbale Signale. „Wenn Yosie an eine Treppe kommt, bleibt sie stehen. Dabei führt sie mich dann immer an die Seite, an der ein Geländer ist“, sagt Hong Thao Multhaupt.

Wenn es Stufen raufgeht, setzt Yosie die beiden Vorderpfoten auf die unterste Stufe und wenn es Stufen heruntergeht, bleibt sie einfach stehen. Das kann ihr Frauchen dann über den Führbügel erkennen und sich auf das Hindernis einstellen. „Wenn ich nur hier in der Stadt unterwegs bin, brauche ich gar keinen Stock mehr, da kann ich mich ganz auf meinen Hund verlassen“, sagt sie ein bisschen stolz.

Selbsttest: Sich mit geschlossenen Augen vom Hund führen lassen

Es sind häufig nur ganz kleine Impulse, die zwischen Führhund und der blinden Person ausgetauscht werden, die es zum Verständnis braucht. „Den besten Eindruck, wie es ist, mit einem Führhund zu laufen, bekommen Sie, wenn Sie es selbst einmal ausprobieren“, sagt Hong Thao Multhaupt plötzlich und fragt: „Haben Sie etwas, womit Sie sich die Augen verbinden können? Nein? Egal, dann machen Sie sie einfach zu, aber nicht mogeln.“

Die Königspudeldame hechelt deutlich hörbar auf der linken Seite. Die Leine, die an ihrem Halsband befestigt ist, in der rechten Hand und den Bügel des Führgeschirrs in der linken Hand, beschleicht einen schon ein etwas merkwürdiges Gefühl. Normalerweise führt man doch seinen Hund, aber jetzt ist es umgekehrt.

„Voran!“ Yosie setzt sich in Bewegung. Über den Führbügel ist ein deutlicher Ruck zu spüren. Es geht vorwärts, zehn Schritte, zwanzig Schritte, dreißig Schritte. Es ist eine Herausforderung, nicht zu mogeln, nicht die Augen zu öffnen und zu schauen, wohin dieser Hund will. Ist da eine Laterne oder ein Abhang? Zugegeben, das Experiment findet im Park statt, auf einem ebenen Fußgängerweg ohne Hindernisse, es geht eigentlich nur geradeaus, aber der Bügel in der Hand gibt ein Gefühl von Sicherheit. Da ist jemand, der die Augen offen hält und aufpasst.

Das Vertrauen muss erst aufgebaut werden

Ein solches Vertrauen lässt sich nicht in einem Experiment von ein paar Minuten aufbauen, sondern braucht länger. Diese Zeit muss man sich nehmen, wenn die Entscheidung ansteht, einen Führhund zu beantragen. Es bedeutet Aufgabe von Selbstbestimmung, Abgeben von Verantwortung und Ausgeliefert sein.

Das ist nur erträglich, wenn Vertrauen da ist. Ein solches Verhältnis haben sich Hong Thao Multhaupt und Yosie über die Jahre aufgebaut und als sie ihre Hündin wieder übernimmt, merkt man der Pudeldame eine gewisse Entspannung an. Ganz geheuer war ihr der Gastpilot wohl nicht.

Ein Blindenführhund ist mehr als ein Hilfsmittel, mehr als ein Rollstuhl, mehr als ein Blindenstock, mehr als ein Hörgerät. Er ist ein Freund, der ein Hundeleben lang an der Seite seines Frauchens oder Herrchens bleibt. Gewissermaßen lebenslang bei guter Führung. Das sollte jedem klar sein, der einen Antrag stellt.

Weitere Informationen zu Blindenhunden


Blindenhunde


Ein solcher Arbeitshund


Die Kosten


Die Wartezeit


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