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Verkaufsoffener Sonntag schon 1927

LÜNEN Verkaufsoffene Sonntage sind keine Erfindung der modernen Geschäftswelt – es gab sie mindestens schon vor 80 Jahren. Das Plakat einer Werbe-Woche der Lüner und Lünen-Süder Kaufleute aus dem Jahr 1927 erinnert daran.

Verkaufsoffener Sonntag schon 1927

Museumsleiter Dr. Wingolf Lehnemann (l.) und Willi Müller, Geschäftsführer der Interessensgemeinschaft der Lünen-Süder Kaufleute, präsentieren das historische Werbeplakat von 1927.

Dieses Zeugnis der Stadtgeschichte holte Museumsleiter Dr. Wingolf Lehnemann jetzt aus dem Depot in den Blickpunkt. Norbert Ickerodt aus Lünen-Süd hatte es dem Museum einst geschenkt.

Böllerschießen und Eröffnungskonzert

Der schlicht in Rot-Schwarz gehaltene Druck offenbart Interessantes: Mit Böllerschießen noch vor der offiziellen Eröffnung im Rathaussaal und dem Eröffnungskonzert vom Rathaus-Balkon begann die Werbe-Woche vom 23. November bis 4. Dezember. Beim Kinderfest am Nachmittag regnete es Bonbons. Auffällig an den Attraktionen der damaligen Zeit ist die Bescheidenheit, sagt Dr. Lehnemann.

Preistanzen beim 1. Werbeball

Der Sieger des Preistanzens beim 1. Werbeball erhielt eine goldene Armbanduhr, die von Kaufleuten gestifteten Preise von Gutschein-Aktionen waren eine Rasiergarnitur, ein Brotkorb oder ein „hocheleganter Speisezimmer-Kronleuchter.“ Es war die Zeit eines kurzen wirtschaftlichen Aufschwungs. Auch damals schon waren die Dortmunder Geschäftsleute Konkurrenten. Die Kaufleute stellten gemeinsam mit der Stadt Lünen diese Werbe-Woche auf die Beine, die seinerzeit großen Anklang fand.

Kinderfackelzug und Feuerwerk

Vom 23. November bis 4. Dezember wurde einiges geboten, auch ein Kinderfackelzug und ein „Brillant-Feuerwerk“. Am „Offenen Sonntag“ standen die Sportvereine im Mittelpunkt. Die zweite Woche war geprägt wieder von einem „Werbe-Ball“ und einer „Große Kochkunstausstellung“ mit der Präsentation elektrischer Koch-, Back- und Heizgeräte. „Die Elektrizität kam auf, erinnert Dr. Lehnemann.

Ukrainischer Volkschor

Im Kino trat der „Ukrainische Volkschor“ auf, die Kaufleute warben mit der „Feenhaften Illumination des Rathauses und der Stadtzugänge“. Das Plakat von damals zeigte bereits eine Stadtsilhouette, allerdings sehr schlicht gestaltet. Marien-, Herz-Jesu- und St.-Georgkirche sind prägende Gebäude, neben der Stadtkirche ist das alte Stadthaus am Spormeckerplatz zu sehen, im Hintergrund stehen zwei Fördertürme. „Es macht Freude, auf Lokalkolorit hinzuweisen“, sagt Dr. Lehnemann, denn wer vermutet ein solches Plakat schon im Museum? 

Ausstellung bis Weihnachten

Bis Weihnachten ist das Plakat der Werbe-Woche in Lünen und Lünen-Süd von 1927 im Museum zu sehen. Es steht direkt unter der 1919 von Kunstmaler Nagel gemalten Szene am Alten Markt aus der Biedermeierzeit.  Das Museum der Stadt Lünen im Gesindehaus des Schlosses Schwansbell ist dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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