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Werden Zeugnisse jetzt wieder von Hand geschrieben?

Datenschutz an der Schule

Es wirkt wie ein Schritt in die Steinzeit: Lehrer an Förderschulen sollen Zeugnisse und Gutachten wieder mit der Hand schreiben. Schuld ist: Die Datenschutzgrundverordnung. Ob es so weit wirklich kommt, ist aber fraglich.

Lünen

von Marc Fröhling

, 07.06.2018
Werden Zeugnisse jetzt wieder von Hand geschrieben?

Der Personalrat rät Lehrern an Förderschulen, Zeugnisse und Gutachten wieder mit der Hand zu schreiben. Ursache ist die EU-Datenschutzgrundverordnung, die Ende Mai in Kraft getreten ist.dpa © picture alliance / Christin Klos

Die Dokumente wieder mit der Hand zu schreiben, das sei natürlich keine gute Lösung. Das sagt auch Rita Hötzel. Sie ist Vorsitzende des Personalrats der Lehrer an Förderschulen im Regierungsbezirk Arnsberg. Es sei aber die einzige Lösung: „Unter aktuellen Datenschutzbestimmungen geht das eigentlich nur so.“

Schulleitung muss Sicherheit bescheinigen

Das Problem: Seit vielen Jahren schreiben die Lehrer ihre Zeugnisse, die Gutachten und Förderpläne auf ihren privaten Geräten. In den Schulen gibt es viel zu wenige Arbeitsplätze dafür.

Seit die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) am 25. Mai in Kraft getreten ist, müssten alle Lehrer aber einen Antrag bei der Schulleitung stellen. Die muss bescheinigen, dass der PC auch sicher ist. In der Praxis ist das kaum durchführbar – weder, dass jeder Lehrer seinen eigenen PC so aufwändig sichert, noch, dass die Schulleitungen das am Ende auch überprüfen und beurteilen können. Hötzels Konsequenz: Alles mit der Hand schreiben.

Kunibert Kampmann ist Leiter des Lüner Förderzentrums Nord, einer Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und emotionale und soziale Entwicklung. Er hofft, dass es so weit nicht kommt.

13 Rechner für 58 Lehrer

Das Kollegium am Förderzentrum besteht aus 58 Lehrern, dafür stehen laut Kampmann momentan 13 gesicherte Rechner zur Verfügung. Das, sagt Kampmann, ist deutlich zu wenig.

Denn Förderschulen sind besonders betroffen von der DSGVO. Zeugnisse sind oft nicht nur Ziffern-Noten, sondern mehrseitige Fließtexte. In aufwändigen Gutachten müssen Sonderpädagogen bei Kindern eruieren, welche Schulform für sie die richtige ist. Ein Haufen sensibler, persönlicher Daten. Eine Lösung für Kampmann: „Manche Lehrer schreiben die Gutachten und Zeugnisse zu Hause und setzen den dazugehörigen Namen erst auf dem sicheren Rechner ein“, sagt er.

Notebooks würden die Arbeit erleichtern

Laut Hötzel reicht das nicht: „Durch zum Beispiel spezifische Erkrankungen sind immer noch Rückschlüsse auf die Personen möglich.“ Dieser Ansicht sei auch die Landes-Datenschutzbeauftragte von Nordrhein-Westfalen.

Dass das nicht die beste Lösung ist, weiß Kunibert Kampmann. Er hat deswegen beim Kreis Unna, Träger der Förderschule, 20 Notebooks beantragt. Diese Notebooks müssten die Experten beim Kreis vernünftig sichern und auf dem neuesten Stand halten.

Widerstand an den Schulen

Das würde die Arbeit insgesamt erleichtern, sagt Kampmann. Der Kreis bestätigt, dass eine solche Anfrage vorliegt. Das Geld dafür müsste über den Kreishaushalt am Ende politisch beschlossen werden.

Nicht nur an Förderschulen, auch an Regelschulen ist die DSGVO Thema. Zum Beispiel am Stein-Gymnasium. Dort regt sich Widerstand, wie Schulleiter Heinrich Kröger sagt. Die ganze Verantwortung laste dann nämlich auf der Schulleitung, auch dort bräuchte das Kollegium mehr gesicherte Dienst-Rechner.

Schon jetzt werde dort aber nicht „im rechtsfreien Raum“ gearbeitet, sagt Kröger. Die Kollegen hätten seit 2007 eine Vereinbarung unterschrieben, dass ihre Rechner ausreichend geschützt seien.

Ein Kommentar von Marc Fröhling Meine Anrufe in der Pressestelle der Landes-Datenschutzbeauftragten verhallten am Mittwochnachmittag ungehört. Das ist schade. Es wäre doch interessant zu hören gewesen, welche konkreten Ratschläge es aus der Behörde gibt. Klar ist: Datenschutz ist richtig und wichtig. Insofern ist auch die DSGVO eine gute Sache. Nur: Die Inhalte waren schon lange bekannt. Die Schulen, die Behörden und Länder hätten schon längst reagieren können. Gäbe es an den Schulen schon jetzt genügend sichere Dienstrechner, müsste kein Lehrer den Füller zücken.
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