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Bilanz in Lünen nach Verkauf der LEG

Zehn Jahre nach der Privatisierung: LEG-Mieter ziehen negative Bilanz

Lünen Vor zehn Jahren wurde die LEG privatisiert. Was die Mieter in Lünen schon damals verärgerte, stimmt sie heute keineswegs glücklicher. Die Bilanz der LEG-Mieter fällt ernüchternd aus – und der Blick in die Zukunft in Lünen bereitet weitere Sorgen.

Zehn Jahre nach der Privatisierung: LEG-Mieter ziehen negative Bilanz

Ein Blick in die LEG-Siedlung in Nordlünen, als es dort noch das Mieterbüro in der Steinstraße gab. Von diesem Service hat sich das Unternehmen verabschiedet, statt dessen können sich Mieter an eine Service-Hotline wenden. Foto: Peter Fiedler


Was als gemeinnützige Wohnungsgesellschaft gegründet wurde, ist 2008 zu einem gewinnorientierten Unternehmen geworden. Vor zehn Jahren wurde die Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG) privatisiert.

Für Mieter und ihre Vertretungen in Lünen, wo die Gesellschaft nach wie vor rund 800 Wohnungen besitzt, die Gelegenheit, zurück zu schauen und eine – nicht unbedingt positive – Bilanz zu ziehen.

Im Privatisierungsvertrag wurde zwar eine so genannte Sozialcharta festgeschrieben, die die Folgen der Privatisierung für Mieter und Beschäftigte der Gesellschaft abfedern sollte. Sie beinhaltete zum Beispiel Bestandsschutz für Mieter, keine illegitimen Mieterhöhungen und schloss auch Luxussanierungen aus. Die Laufzeit der Charta: zehn Jahre.

Zukunft ungewiss

Wenn sie im August dieses Jahres ausläuft, befürchtet Rainer Stücker vom Mieterverein Dortmund unter anderem, dass es zu Personalabbau kommt. Auch davor hat die Charta die Mitarbeiter nämlich bisher weitgehend geschützt.

Wie es ab August für die Mieter weitergeht, ist ebenfalls unklar. „Viel gebracht hat sie ihnen nicht“, sagt Stücker. „Immer wieder hat die LEG versucht, trotz der Charta Mietererhöhungen durchzusetzen.“

Die Welten, in denen sich die jüngere Entwicklung der LEG abspielt, könnten unterschiedlicher nicht sein: Da war einerseits die politische Entscheidung im Landtag, die Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen. Das war 2006.

Große Investoren

Schnell waren Namen wie Goldman Sachs, Fortress Investment Group oder Deutsche Annington (heute: Vonovia) im Spiel – internationale Investoren, die mit Millionenbeträgen jonglieren und Interesse an der LEG zeigten. Der Zuschlag ging schließlich an die Whitehall Real Estate Funds der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Auf der anderen Seite die Mieter in Lünen: Sie wohnen oft schon seit Jahrzehnten in Wohnungen der LEG und ahnten nichts Gutes, als die Entscheidung zur Privatisierung fiel. Ihre Befürchtungen haben sich offenbar bestätigt.

Call-Center statt Mieterbüro

„Seit der Privatisierung nehmen die Mieter vor allem eine Verschlechterung des Services wahr“, sagt Stücker. Jahrelang konnten sich die Mieter auf einen Ansprechpartner vor Ort verlassen, in dem Mieterbüro an der Steinstraße in Lünen fand sich immer jemand, der sich um Probleme mit Reparaturen, Nachbarn oder Müllentsorgung kümmerte. Heute sind die Geschäftsstellen der LEG geschlossen, stattdessen gibt es eine Service-Hotline.

Die sitzt in Düsseldorf und wird laut Stücker von einem Call-Center betrieben. Mieter klagten über lange Wartezeiten, die Hotline sei häufig überlastet. Erreiche man dann doch jemanden, sei es schwierig, dem Mitarbeiter in Düsseldorf das Problem vor Ort zu vermitteln.

Stücker: „Da sitzt dann jemand, der für 120.000 Wohnungen zuständig ist.“ Der könne das Anliegen des Mieters zwar aufnehmen, viel mehr Handlungsmöglichkeiten hätte er aber häufig nicht.

LEG sieht keine Probleme

Die LEG selber sagt dazu auf Nachfrage: „Die Privatisierung der LEG ist eine Erfolgsgeschichte, von der Mieter, Unternehmen und Mitarbeiter (...) profitiert haben.“ Bei der Erreichbarkeit für Kunden sehe sie derzeit kein Problem.

Im Gegenteil: Die Umstellung auf den telefonischen Kundenservice sei eine Reaktion auf die Kritik der Mieter an der schlechten Erreichbarkeit der LEG in den Mieterbüros gewesen. Seit Anfang des Jahres sei der Kundenservice sogar per Messenger und über eine Kunden-App erreichbar.

Auch vor Ort stünden Ansprechpartner mit Vermietersprechstunden und einer Infobus-Tour zur Verfügung. Für Lüner Kunden nennt Judith-Maria Gillies unter anderem Bergkamen und Dortmund als Anlaufpunkte. Gillies: „So bleiben wir auf allen Wegen immer im Kontakt mit unseren Mietern.“

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