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Medizinischer Dienst begutachtet nicht im Hospital

WITTEN Schlaganfall, Oberschenkelhalsbruch – von jetzt auf gleich kann ein alter Mensch zum Pflegefall werden. Für Angehörige beginnt dann eine nervenaufreibende Odyssee – zumindest wenn sie in NRW nicht im Rheinland leben.

Medizinischer Dienst begutachtet nicht im Hospital

Im Pflegeheim wird nur versorgt, wer schon vom Medizinischen Dienst eingestuft ist.

Denn den Weg vom Krankenhaus direkt in ein Pflegeheim verbaut der Medizinische der Krankenkassen Westfalen-Lippe. „Begutachtungen für die Einstufung in die Pflegeversicherung machen wir nicht im Krankenhaus, da ist es schwierig einzuschätzen, wie sich ein Fall auf Dauer entwickeln wird. Darum finden Begutachtungen nur im häuslichen Bereich statt“, bestätigte denn auch Dr. Wilfried Albers vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen Westfalen -Lippe am Montag im Sozialausschuss, wo ein Sachstandsbericht zu Begutachtungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz auf der Tagesordnung stand.

Missverhältnis in NRW

Der Medizinische Dienst im Rheinland dagegen prüft auch im Krankenhaus, ob jemand noch in der Lage ist, allein zu leben oder wie hoch der Pflegeaufwand künftig sein wird. Für dieses Missverhältnis innerhalb eines Bundeslandes, so erklärte Günter Schröder, Leiter des Altenzentrums St. Josef in Herbede, habe er kein Verständnis. Verzweifelte Angehörige, mit denen er dauernd zu tun hat, verstehen es erst recht nicht. „Der Normalfall sieht beispielsweise so aus: Die Mutter liegt im Krankenhaus. Ärzte sagen, sie kann nicht mehr allein zu Hause leben, wird aber in zwei Tagen entlassen. Die Angehörigen kommen emotionsgeladen ins Heim und erfahren, dass es dort keinen Platz gibt“, schilderte Günter Schröder. Voraussetzung für einen Heimplatz ist nämlich eine Pflegestufe, um Geld von der Pflegekasse zu bekommen. Wohl kaum jemand kann einen teuren Heimplatz aus eigener Tasche finanzieren.

Mit dem Patienten zur Krankenkasse

Da bleibe den Angehörigen, dann nichts anderes übrig, als die pflegebedürftigen Eltern nach Hause zu holen und etwa sechs Wochen auf den Medizinischen Dienst zu warten. „Neulich habe ich einer Frau geraten, ihren inkontinenten, erheblich pflegebedürftigen Vater im Büro der Krankenkasse abzusetzen. Das hat gewirkt, innerhalb weniger Stunden hatten wir einen Blankobescheid, dass die Pflegekosten übernommen werden“, berichtete Schröder im Ausschuss von einem Einzelfall.

Personal ist eigens geschult

Dr. Albers präsentierte dem Ausschuss eine Menge Zahlen und Fakten. An der gängigen Praxis, so unterstrich er, sei jedoch nicht zu rütteln. Eine Reform der Begutachtungs-Richtlinien sei jedoch in Arbeit - unter Beteiligung des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe. Günter Schröder hat derweil sein Personal für den Umgang mit den Ärzten des Medizinischen Dienstes schulen lassen. Seitdem, so freut er sich, würden viel mehr Anträge auf Eingruppierungen in höhere Pflegestufen bewilligt und das Heim bekäme damit in mehr Fällen den tatsächlichen Pflegeaufwand bezahlt.

Nur wenige gehen vor Gericht

Dass nicht viel mehr Pflegebedürftige und Angehörige, die vom Medizinischen Dienst keine Pflegestufe bewilligt bekommen und denen damit der Weg ins Heim versperrt ist, vor Gericht gehen, bedauert Schröder: „Oft stehen Angehörige vor mir, die psychisch und physisch am Ende sind, insbesondere, wenn sie auch nachts pflegen müssen. Viele sind selbst schon im Rentenalter, aber Angst vor der Obrigkeit hindert sie, sich zu wehren.“ Schröder rät jedoch, sich zu wehren. Entsprechende Beratungen für Angehörige würden wohl alle Heime in Witten anbieten.

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