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Selbstversuch

Mit Schamanin Britta Franke auf der Suche nach dem Krafttier

WITTEN Britta Franke ist eine moderne Schamanin. In ihrem Institut Rabenluft an der Sprockhöveler Straße berät sie medial, bietet Rückführungen an und befriedet Geister. Was die 51-Jährige tut, kann man belächeln und als Humbug abtun. Oder ausprobieren. Ein Selbstversuch.

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Britta Franke malt auch eigene Gemälde - hier ihr Krafttier.

Seit mehr als zehn Jahren ist Britta Franke als Schamanin tätig. Anleihen für ihre Rituale findet sie in naturreligiösen Traditionen, aber auch in großen Religionen wie dem Buddhismus.

Im Schneidersitz nehme ich auf einer Matratze Platz, die Schamanin setzt sich mir schräg gegenüber auf ein Kissen. Die Schuhe haben wir ausgezogen – der weiche rote Teppich wird nicht mit Schuhsohlen betreten. Schwer hängt der Duft von Räucherstäbchen in der Luft, der Raum an sich ist schlicht. Die Wände sind in warmen Farben gestrichen, einige Gemälde – schamanische Kunst von Britta Franke – und Fotos ihrer buddhistischen und schamanischen Lehrer zieren sie. Auf dem Fensterbrett steht ein Abbild von Vajrapani – einem erleuchteten Wesen des Buddhismus, dem sich die Schamanin verbunden fühlt.

Ich bin nervös. Grundsätzlich halte ich mich für einen rationalen Menschen, nicht religiös und frei von Erfahrungen übernatürlicher Art. Eine Portion Skepsis – berufsbedingt – ist auch dabei. Doch Schamanismus hat eine lange Tradition. Was also, wenn da etwas dran ist? Britta Franke beordert mich mit ruhiger Stimme auf den Rücken. Ich soll die Augen schließen. Wir werden versuchen, Kontakt zu meinem Krafttier aufzunehmen – eine Tiergestalt, die laut Schamanen jeden Menschen begleitet. Wer es annimmt, soll sich auf die Kraft des Tieres stützen können.

Doch müssen wir uns dafür aufmachen in die nichtalltägliche Wirklichkeit. Denn – so der schamanische Gedanke – wir leben in einer von drei Welten. Auf der mittleren die Menschen, in der oberen spirituelle Lehrer, in der unteren die Krafttiere. Eine Landschaft soll ich mir vorstellen, während stetes, meditatives Trommeln aus einer kleinen Anlage an mein Ohr dringt.Ich visualisiere eine grüne Landschaft, Hügel, davor ein kleiner Bach. „Nun müssen Sie Ihren Eingang finden“, sagt die Schamanin. Der Weg hinab Zwischen den Hügeln stelle ich mir einen Pfad vor, der hinab führt. „Daneben hängt eine Fackel, nehmen Sie sie mit. Unten wird es dunkel sein.“ Britta Frankes Worte klingen beruhigend.

Meine Nervosität steigert sich dennoch etwas. Denn längst kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob mein Geist in verborgenen Sphären unterwegs ist oder ob die Bilder vor meinem geistigen Auge meiner lebhaften Fantasie zu verdanken sind. „Sagen Sie, was Sie tun und was sie sehen. Das hilft, sich später daran zu erinnern“, sagt sie. Also beschreibe ich ihr meine Schritte, erzähle, wie ich bergab gehe. Unten angekommen stehe ich in einer Höhle, Felsen liegen dort. Oder nicht? Schließlich spüre ich noch die Matratze unter mir; ich weiß, dass ich in dem Haus an der Sprockhöveler Straße bin. Doch die Vorstellung ist angenehm. Ich höre die Trommeln, höre die Schamanin tief atmen und suche.

Und tatsächlich tritt ein Tier, ein Wolf, vor mein geistiges Auge. Ein zutrauliches Tier, das ich bitte, mir zu zeigen, was für mich wichtig ist. Das Raubtier führt mich zu einem Foto am Boden. Und es zeigt jemanden, den ich erst seit kurzem kenne, der mir aber sehr wichtig ist. Ich stecke es ein und verabschiede mich. Mit einem guten, wohligen Gefühl im Bauch. Sicher kann ich nicht sagen, ob Britta Franke mich in eine nichtalltägliche Wirklichkeit geführt hat. Vielleicht hat die Atmosphäre nur meine Fantasie beflügelt. Doch sicher werde ich das nie erfahren.

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