Nach Netto-Überfall

Münzen pflasterten den Fluchtweg: Sechs Jahre Haft

BOCHUM/HERNE Die Tat war professionell, nur die Flucht wurde zum Desaster. Nach einem Überfall auf einen Herner Netto-Markt waren erst die Rucksäcke zu klein, dann verloren die beiden Täter auch noch einen Teil der Beute. Einer von ihnen ist am Montag verurteilt worden. Die Strafe: sechs Jahre Haft.

Münzen pflasterten den Fluchtweg: Sechs Jahre Haft

Das Landgericht in Bochum. 

Es war der 19. Oktober 2016, kurz vor Ladenschluss. Der 23-jährige Angeklagte und sein noch nicht verurteilter Komplize hatten sich mit Sturmhauben maskiert, die beiden Mitarbeiterinnen wurden mit Pistolen in Schach gehalten. Eigentlich hatten es die beiden Freunde auf den Tresor abgesehen, doch der ließ sich offenbar nicht öffnen. Also wurden die Kassenladen mitgenommen, doch die waren viel zu groß für die mitgebrachten Rucksäcke.

Beim Umladen des Geldes müssen die beiden Männer später dann einige der Münzen verloren haben. Zeugen hatten das Kleingeld neben dem Fußweg und auch im Gras gesehen. Insgesamt belief sich die Beute auf rund 2700 Euro.

Einige Monate zuvor hatten die beiden Männer aus Herne bereits eine Taxifahrerin überfallen. Sie waren in Recklinghausen auf einer Party, hatten aber kein Geld für die Heimfahrt. Die Taxifahrerin wurde am Ende der Fahrt von hinten gepackt und so stark gewürgt, dass sie sogar das Bewusstsein verlor. "Sie hätte sterben können", hatte ein Rechtsmediziner im Prozess vor dem Bochumer Landgericht gesagt.

Ein Jahr verloren

Ein Jahr lang hatte die Frau nicht arbeiten können - aus purer Angst. "Sie hat ein Jahr ihres Lebens verloren", hieß es im Urteil. Und die Frau sei beileibe kein "Weichei" gewesen. "Die war 30 Jahre auf der Straße." 

Der Angeklagte hatte im Prozess auf Anraten seines Verteidigers Oliver Eckert sofort mit offenen Karten gespielt. Nur deshalb ist die Strafe nicht noch höher ausgefallen. "Ohne Geständnis und ohne Nennung des Mittäters hätten wir acht oder neun Jahre verhängt", so die Richter. Für die Mutter des Angeklagten war das Urteil trotzdem ein Schock. Sie hat bitterlich geweint und den Gerichtssaal zwischenzeitlich sogar verlassen müssen, um sich wieder zu beruhigen.