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Stadt Bochum zieht Verbot zurück

Neuer Streit um echte Tiere beim Gänsereiten

WATTENSCHEID Um die Tradition des Gänsereitens in Wattenscheid ist ein neuer Streit entbrannt. Die Stadt Bochum wollte die Karnevalsveranstaltung, bei der toten Gänsen der Kopf abgerissen wird, bereits verbieten - rudert aber jetzt zurück. Dem Deutschen Tierschutzbüro, das kurz vor Rosenmontag geklagt hatte, wurde das Verbot zuvor bestätigt.

Neuer Streit um echte Tiere beim Gänsereiten

Die Tradition des Gänsereitens ist schon seit Jahrzehnten umstritten.

"Aufgrund des Beschlusses des VG Gelsenkirchen (16 L 221/16) werden wir die Durchführung der Veranstaltung des Gänsereitens mit echten Gänsen im kommenden Jahr verbieten", hatte die Stadt Bochum dem Tierschutzbüro schriftlich bestätigt. Zunächst wolle man abwarten, ob freiwillig auf die Verwendung echter Gänse verzichtet werde, ansonsten wolle man das Verbot "per Ordnungsverfügung anordnen und ggf. mit Verwaltungszwang durchsetzen", heißt es in einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt.

Hintergrund ist der Beschluss des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen vom 4. Februar. Eine Woche vor Rosenmontag hatte das Tierschutzbüro einen Erlass abgelehnt, mit dem die Stadt Bochum verpflichtet werden sollte, das Töten von Gänsen für das Gänsereiten zu untersagen. Das Gericht lehnte den Antrag mit Hinweis auf die Kurzfristigkeit eine Woche vor Rosenmontag ab. Insbesondere habe es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gescheiterte Versuche für ein Verbot gegeben. Daher wurde die Durchführung der lange geplanten und Jahrhunderte alten Veranstaltung höher bewertet als der kurzfristige Antrag. 

Tierschutzbüro scheitert vor Gericht

Gänsereiten in Bochum-Wattenscheid findet statt

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Das Tierschutzbüro gab nun am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Stadt Bochum jetzt die Verwendung von Attrappen vorschreiben will. Die entsprechende Mail habe man am Freitag erhalten, bestätigte Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro auf Nachfrage. Das Ordnungsamt folge der Argumentation des Verwaltungsgerichtes, das wiederum die Einschätzung des Tierschutzbüros teile. "Die Richter in Gelsenkirchen bestätigten aber in der Begründung ihres Beschlusses die Einschätzung des Deutschen Tierschutzbüros, dass die Tötung der Gänse vor dem Gänsereiten 'wohl nicht in erster Linie' dem späteren Verzehr dient, sondern der Reitwettstreit 'wohl der eigentliche Kern der Veranstaltung' ist", heißt es in der Pressemitteilung.

Ob das Gericht tatsächlich der Argumentation der Tierschützer folgt, ist Auslegungssache. In dem Urteil von Februar heißt es: "Die in Rede stehenden Fragen sind Wertungsfragen, die in die eine oder andere Richtung beantwortet werden können."  Die Richter räumen ein, dass "es Gründe gibt, die eine Überarbeitung der Tradition des Gänsereitens nahe legen könnten" - nahmen aber keine letztliche Wertung vor, sondern bezogen sich nur auf eine Verfügung 2016.

Der Beschluss im Wortlaut:

 

 

Am Dienstagvormittag ruderte die Stadt Bochum allerdings zurück. Es sei tatsächlich geplant gewesen, das Gänsereiten mit echten Tieren zu verbieten, bestätigte Stadtsprecher Thomas Sprenger auf Nachfrage. "Wir sind auf die Vereine zugegangen, um sie zu einer Umkehr zu bewegen und freiwillig auf eine echte Gans zu verzichten." Doch weder aus Höntrop noch aus Sevinghausen habe es bislang eine entsprechende Rückmeldung gegeben.

Die Mitglieder der Gänsereitervereine seien jedenfalls weiter gegen ein Verbot, wie Hans-Joachim Hehrs auf Anfrage erklärte. Er ist Anwalt beider Vereine und verweist auf die anstehenden Versammlungen der Mitglieder. Vom Vorgehen der Stadt habe er nichts gewusst. Er verweist darauf, dass es eines sogenannten Hauptsacheverfahrens bedarf, um ein Verbot durchbringen zu können. "Ob wir das Urteil dann in nächster Instanz infrage stellen würden, kann ich noch nicht sagen", so Hehrs.

Am Freitag verschickte die Stadt an das Tierschutzbüro eben jene Mail, in der sie ankündigt, das Verbot zur Verwendung echter Gänse durchzusetzen. Rausgeschickt wurde sie an den Anwalt des Tierschutzbüros, nachdem der Akteneinsicht gefordert hatte. Von Freitag bis Dienstag durfte sich Jan Peifer also im berechtigten Glauben wähnen, dass die Gänsereiter fortan auf Attrappen zurückgreifen müssen.

Stadt Bochum änderte ihre Meinung

"Wir haben uns das noch einmal durch den Kopf gehen lassen und unsere Meinung geändert", sagte Thomas Sprenger aber am Dienstag. Konkret heißt das: Das klassische Gänsereiten wird die Stadt nicht verbieten. Erst wenn eine entsprechende und handfeste Grundlage vorliege, werde das Ordnungsamt eingreifen und eine Durchführung mit echten Tieren untersagen.

Sollte aber die Verwendung echter Gänse in Wattenscheid 2017 aber nicht verboten werden, wolle man dann nicht nur Schritte gegen die Vereine einleiten, sondern auch gegen das Veterinäramt der Stadt Bochum, kündigte derweil Jan Peifer an. Denn wenn die Stadt Bochum Kenntnis davon habe und die Auffassung teile, dass die Tötung und Verwendung der Gänse nicht rechtens sei, dann sei das Veterinäramt auch dazu verpflichtet, einzuschreiten, so Peifer. 

Dieses auf Youtube hochgeladene Video gibt die Stimmung beim Gänsereiten in Wattenscheid ganz gut wieder - auch wenn es schon etwas älter ist. 

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