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Opel-Standort Bochum

Opelaner enttäuscht über "Hinhaltetaktik"

Bochum Opel will noch bis Ende 2016 Autos in Bochum bauen. Für die Beschäftigten ist die neue Entwicklung im Standort-Poker kein Grund zum Jubel. Sie sollen erneut auf Geld verzichten - für eine ungewisse Zukunft.

Opelaner enttäuscht über "Hinhaltetaktik"

Niedergeschlagene Mitarbeiter der Frühschicht am Opelwerk in Bochum.

Von Erleichterung ist am Donnerstagmorgen vor Tor 1 des Bochumer Opel-Werks kaum etwas zu spüren. Die Opelaner wissen, was das Angebot des Opel-Managements, die Zafira-Fertigung bis Ende 2016 im Ruhrgebiet zu lassen, für sie bedeutet: weiteren Lohnverzicht.  „Die wollen nur Geld“, schimpft Werner Butterweck, als er zur Frühschicht kommt. „Wir sollen schon wieder bluten“, sagt der 54-jährige Montagearbeiter und erinnert an die vielen Sparrunden, mit denen die Beschäftigten ihr Werk immer wieder gerettet haben. Diesmal sollen sie den vergleichsweise hohen Tarifabschluss für 2012 opfern.

 Doch die Gegenleistung wäre nur eine Gnadenfrist, die Verlängerung des bis Ende 2014 geltenden Standortsicherungsvertrags um zwei Jahre. 2017 sollen nach den Plänen der Opel-Führung die Lichter in Bochum endgültig ausgehen. Es sei „keine weitere Produktallokation für Bochum nach Auslauf des jetzigen Zafira“ vorgesehen, heißt es im kühlen Betriebswirte-Deutsch des Managements. „Vier Jahre verzichten für zwei Jahre länger arbeiten“, übersetzt Harald Jahnke das in die Sprache der Arbeiter.  „Hinhaltetaktik“, lautet am Werkstor der häufigste Kommentar zu der gemeinsamen Absichtserklärung von Geschäftsleitung, Gewerkschaft und Betriebsräten. Die Zuversicht der Politiker, die für das Bochumer Opel-Werk jetzt auch eine Chance über 2016 hinaus sehen, teilen nur wenige. Wenn General Motors für die deutsche Tochter eine Wachstumsstrategie einschlage, „dann hat auch Opel Bochum eine langfristig gute Zukunft“, hofft NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

 Andreas Paul glaubt das nicht. „Wir sollen zahlen für nichts“, befürchtet der 49-Jährige, der am Montageband arbeitet. Zu oft seien die Erwartungen der Belegschaft enttäuscht worden. „Da kommt nichts mehr.“ Das Bochumer Werk brauche neben dem Zafira ein zweites Modell, um langfristig zu überleben, hatte Betriebsratschef Rainer Einenkel immer wieder vergeblich gemahnt.  Bei den Opel-Beschäftigten, die 2004 mit einem Streik Schließungspläne des GM-Managements abgewehrt hatten, macht sich Fatalismus breit. Immer mehr ist die Bochumer Belegschaft in den vergangenen Jahren geschrumpft. Nur noch 3200 Beschäftigte arbeiten direkt im Unternehmen, rund 1000 bei Partner- und Fremdfirmen. „Nicht schon wieder“, sagen viele, als sie beim Schichtwechsel durch das Werkstor kommen. Es ist nicht klar, ob sie den erneuten Lohnverzicht oder die Fragen nach ihrer Stimmung meinen.  Manche können der Nachricht aus Rüsselsheim aber auch Gutes abgewinnen. „Kann man mit leben“, raunt ein Arbeiter den Fragestellern zu. „Zwei Jahre näher an der Rente“, knurrt ein altgedienter Opelaner, als er nach der Schicht in seinen Wagen steigt.

 Die Einstellung zum neuen Angebot des Managements ist auch eine Altersfrage, meint Gerhard Großmann, der in der Qualitätssicherung arbeitet und seit 22 Jahren bei Opel ist. „Für die jüngeren könnte das eine Chance sein“, vermutet er. „Für mich ist es in vier Jahren dann wohl zu spät für einen neuen Job.“  Ministerpräsidentin Kraft fordert vom Opel-Management: „Die ewige Zitterpartie für die Mitarbeiter und ihre Familien muss beendet werden.“ Am Werkstor in Bochum gibt es nur wenig Hoffnung, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. 

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