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Trotz einer einschlägigen Vorstrafe

Pädagoge verging sich sechs Jahre lang an Kindern

BOCHUM/DORTMUND Voraussichtlich am 10. November beginnt der Prozess gegen Boris L.. Dem 39-Jährigen wird Missbrauch von Schutzbefohlenen in 54 Fällen vorgeworfen. Es dürfte diesen Prozess eigentlich nicht geben, so wie es diese Fälle von Missbrauch nicht geben dürfte, denn L. ist einschlägig vorbestraft. Und konnte danach dennoch mit Kindern arbeiten.

Pädagoge verging sich sechs Jahre lang an Kindern

Auch in seiner Wohnung in diesem Haus soll L. Kinder missbraucht haben.

Seit 2010 gibt es ein neues Kinderschutzgesetz in Deutschland, es regelt den „Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen“ – vereinfacht formuliert muss seit 2010 jede Person, die mit Kindern zu tun hat, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Bereits im Jahr 2008 war Boris L., der seit Juni in Untersuchungshaft sitzt, einschlägig verurteilt worden: Das Gericht, ebenfalls die 31. Strafkammer des Landgerichts, befand ihn des sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen für schuldig. L. wurde wegen Taten im Raum Dortmund aus dem Jahr 2005 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er war damit einschlägig vorbestraft und hätte spätestens seit seiner Verurteilung am 23. Oktober 2008 nie wieder mit Kindern arbeiten oder sie beaufsichtigen dürfen.

Dennoch tat der Mann, der von Bekannten als charismatisch, charmant und freundlich beschrieben wird, genau das. Nach Informationen unserer Redaktion arbeitete der Sozialpädagoge bei wechselnden Institutionen – die Stellen dienten ihm offenkundig dazu, Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und damit zu seinen späteren Opfern aufzubauen.

Boris L. arbeitete bei der St.-Vincenz-Jugendhilfe

Bis 2006 etwa arbeitete L. in der St.-Vincenz-Jugendhilfe an der Oesterholzstraße. Zu Arbeitsbeginn, heißt es aus der Einrichtung, habe L. ein Führungszeugnis vorgelegt, das sei „sauber“ gewesen. Warum und wann das Arbeitsverhältnis beendet wurde, dazu könne man aus Datenschutzgründen nichts sagen. Noch weniger sagen möchte man am „Institut für das begabte Kind“ in Bochum. Auch hier war L. tätig, nach Recherchen unserer Redaktion bekam er auch hier Kontakt zu seinen späteren Opfern. Schrecklich sei das alles, heißt es aus dem Institut, L. sei als Honorarkraft lediglich alle zwei Wochen dort tätig gewesen.

Wann das war, ob er zu Arbeitsbeginn ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt hatte, wie lange er konkret tätig war, all diese Fragen will man, so heißt es telefonisch aus dem Institut, prüfen. Die Taten, die L. jetzt zur Last gelegt werden, geschahen nach Erkenntnissen der Staatsanwalt ab dem Jahr 2010. Seine Opfer, so die Staatsanwaltschaft, waren sowohl verhaltensauffällige als auch hochbegabte Kinder. Laut einer betroffenen Mutter hatte L., als er das „Institut für das begabte Kind“ verließ, angegeben, dass er weiterhin private Coachings anbieten könne. Teilweise ließen sich die Eltern, die für ihre Kinder die bestmögliche Förderung im Sinn hatten, darauf ein.

"So etwas einfach nicht zugetraut"

Zu den Missbräuchen kam es sowohl in der Wohnung des Mannes im Dortmunder Osten als auch bei den Kindern daheim. Man hätte, sagt eine Frau, die ihn viele Jahre kannte, L. „so etwas einfach nicht zugetraut“. Im Kinderschutzzentrum Dortmund heißt es auf Anfrage: „Bevor Mitarbeiter ihre Arbeit aufnehmen, muss man das erweiterte Führungszeugnis vorliegen haben.“ Das Institut in Bochum will sich dazu nicht äußern – und L. kann man nicht fragen: Er sitzt seit dem 23. Juni in Untersuchungshaft. Ein Opfer hatte sich an seine Eltern und die hatten sich dann an die Polizei gewandt. Dann ging alles sehr schnell. 

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