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Asperger Syndrom

Pionier mit Handycap

LANGENDREER Emsig überträgt er ganze Datensätze aus verschiedenen Dokumenten in eine Excel-Tabelle. Ein paar Klicks, kopieren und einfügen: Jan Philipp Neß ist konzentriert bei der Arbeit – trotz seines Asperger Syndroms. Der 23-Jährige ist der erste autistische Praktikant der SAB GmbH.

Pionier mit Handycap

Jan-Philipp Neß (l.) ist der erste Praktikant bei SAB, der selbst das Asperger Syndrom hat. Seine Integrationskraft Steven Heumann hilft ihm, wo es nötig ist.

„Man stellt bei Autisten immer wieder Vermutungen an, woher diese Entwicklungsstörung kommt – aber sicher ist nichts“, erklärt Boris Goldhagen von der Selbstbestimmten-Assistenz-Behinderter GmbH (SAB). „Es ist eine hoch komplexe Geschichte.“ Sicher sei dagegen, dass Asperger-Autisten wie Jan Philipp Neß in manchen Dingen, vor allem im Zwischenmenschlichen etwas mehr Geduld brauchen. „Aber sie gewöhnen sich daran, dass sie so sind“, sagt Goldhagen.

Der SAB-Praktikant Neß hat sich längst daran gewöhnt, dass er ist wie er ist. Er weiß, dass er für einige Aufgaben etwas mehr Zeit und ein eigenes Büro braucht. „Ich bin eher der stille Typ, der lieber für sich alleine arbeitet“, sagt Neß. Das habe ihm auch die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz schwer gemacht. Viele der Firmen haben Großraumbüros. Im Stimmengewirr der anderen Mitarbeiter könne er sich nicht konzentrieren. Doch meist kam es gar nicht soweit, dass er sich das Büro angucken durfte. Ein Problem für die Unternehmen sei es, dass er nur im Doppelpack mit seiner Integrationsassistenz Steven Heumann gebucht werden kann. Heumann hilft seinem Schützling den Alltag zu strukturieren, große Aufgaben in kleine überschaubare Portionen zu dosieren. Nicht jedes Unternehmen sei mit der ständigen Begleitung einverstanden gewesen. „Direkt hat das keiner gesagt, aber hinter vorgehaltener Hand hat man das schon gemerkt“, berichtet Neß. Dennoch wollte Neß gerne den Berufsalltag kennen lernen. Bei der SAB fand er dafür genau die richtige Anlaufstelle – schließlich ist auch Neß ständiger Begleiter ein Mitarbeiter der SAB.

Seit vier Jahren sind Heumann und er ein eingespieltes Team – auch im Berufskolleg, wo Neß eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten macht. „Als wir das erste mal in der Klasse waren, haben wir den anderen erklärt, warum wir zu zweit da sind“, erzählt Neß. Er geht offen mit den Fragen seiner nicht-autistischen Mitschüler um. Die Hälfte seines sechswöchigen Praktikums liegen schon hinter ihm. Schade, findet der 23-Jährige. Nach seiner Ausbildung möchte Neß in einem ähnlichen Unternehmen arbeiten wie der SAB. „Ich interessiere mich sehr für verwaltungstechnische Angelegenheiten“, sagt der begeisterte Praktikant. Besonders die Arbeit mit dem Computer macht ihm Spaß. Kein Wunder, meint Goldhagen: „Menschen mit dem Asperger Syndrom kommen besonders gut mit Computern zurecht, weil es ein sehr logisches und übersichtliches System ist.“ Mit der Datenbankpflege nimmt Neß seinen Kollegen eine wichtige Arbeit ab, für die sonst selten Zeit bleibt. „Wir hoffen, dass viele seinem Beispiel folgen“, sagt Goldhagen.

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