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Trickdiebstahl und Raub

Prozess: „Antänzer“ muss für 16 Monate in Haft

BOCHUM Erst wurde das Opfer betatscht, dann fehlte auf einmal die Geldbörse: Nach einem Taschendiebstahl mit dem „Antänzertrick“ ist ein Asylbewerber (30) am Montag in Bochum zu 16 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Richter nannte die Masche „eine Sauerei“.

Prozess: „Antänzer“ muss  für 16 Monate in Haft

Das Foto zeigt in der Mitte den verurteilten "Antänzer" (versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel). Links sitzt ein Dolmetscher. Ganz rechts außen Verteidiger Henry Alternberg.

„Hello, my friend (Hallo, mein Freund)“. Mit diesem vermeintlich freundlichen Gruß auf den Lippen war der 30-Jährige laut Anklage am 28. Mai 2016 auf einem Bahnsteig im Bochumer Hauptbahnhof zusammen mit unbekannten Komplizen auf einen jungen Mann zugelaufen. Dann passierte das, was Richter Dr. Axel Deutscher später in der Urteilsbegründung „schlicht und ergreifend eine Sauerei“ nannte. Das Opfer wurde umzingelt, umarmt, bequatscht und betatscht. Und dabei fingerte ihm der 30-jährige „Antänzer“ dann schließlich auch die Geldbörse aus der Hosentasche. Inhalt: sechs Euro.

„Mir kam das Ganze von Anfang an spanisch vor. Deshalb sind wir auch sofort hinterher gerannt“, erinnerte sich ein Begleiter des Opfers am Bochumer Amtsgericht. Während die Komplizen flüchten konnten, gelang es den Männern, den „Antänzer“ festzuhalten. Die gestohlene Geldbörse hatte der 30-Jährige damals bereits in seiner Jacke versteckt.

Falsche Personalien angegeben

Im Prozess legte der Angeklagte über seinen Verteidiger Henry Alternberg (Bochum) sofort ein Geständnis ab. Der 30-Jährige gab dabei auch zu, am 17. Juli 2016 am Rande des Bochumer Musikfestivals „Bochum total“ nachts eine junge Frau im Gedränge auf der Viktoriastraße angerempelt und ihr dabei die Handtasche geraubt zu haben. Auch in diesem Fall war es gelungen, den 30-Jährigen kurz nach der Tat festzuhalten und an die Polizei zu übergeben. Seitdem sitzt der 30-Jährige, der sich nach seiner Deutschland-Einreise Ende 2015 mit falschen Personalien an zwei verschiedenen Orten als Asylbewerber hatte registrieren lassen, ununterbrochen in Untersuchungshaft.

Richter Dr. Axel Deutscher nahm in der Urteilsbegründung kein Blatt vor den Mund. An eine Bewährungschance habe man letztlich so gut wie keinen Gedanken verschwenden können. „Wer sich hier unter falschen Personalien zweimal Geld abholt, wer den Antänzertrick anwendet und wer Leute auf offener Straße ausraubt“, solle sich lieber überlegen, ob er nicht in ihre Heimat zurück gehe, so Deutscher. Den Wunsch des aus Marokko stammenden Angeklagten, sich hier eine Zukunft aufzubauen, konterte Richter Deutscher so: „Wir brauchen hier keine Antänzer.“

Das Urteil lautet auf Raub, Diebstahl, Nötigung, Körperverletzung und mittelbare Falschbeurkundung. Der Verurteilte kann jedoch noch Berufung einlegen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, droht dem Asylbewerber womöglich die Abschiebung in seine Heimat.

 

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