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Kinder und Eltern kämpfen um ihren Spielplatz

Gemeinde plant Wohnbebauung auf Spielplatz „Zur Worte“

Sandspielzeug liegt herum, auf der Nestschaukel toben drei Jungs und im Gebüsch hört man leises Kichern. Für die Verwaltung ist der Spielplatz „unbespielt“.

Raesfeld

von Berthold Fehmer

, 19.06.2018
Kinder und Eltern kämpfen um ihren Spielplatz

Für ihren Spielplatz an der Straße „Zur Worte“ wollen diese Kinder und Eltern kämpfen, die sich am Montag vor dem Rathaus versammelten, wo der Planungsausschuss über die künftige Verwendung des Grundstücks diskutierte. © Berthold Fehmer

Überrascht waren die Eltern, die rund um den Spielplatz an der Straße „Zur Worte“ leben, als sie aus der Presse erfuhren, dass die Gemeinde ihren Spielplatz schließen will. Denn dieser, so die Begründung, werde kaum frequentiert. „Das war vor fünf Jahren so“, sagt Marlies Telöken, deren Enkelkinder mittlerweile im Spielplatzalter sind.

Lange Fußwege

Falls der Spielplatz wegfalle bedeute dies lange Fußwege, sagt Anna Telöken, Tochter von Marlies Telöken. Özlem Brömmel lebt in einem Zweifamilienhaus zur Miete. „Wir haben keinen eigenen Garten.“ Sie fände es „sehr schade“, wenn der Spielplatz geschlossen würde. Und auch Rainer Hövelbrinks schätzt es, dass sein fünfjähriger Sohn derzeit noch „einfach aus dem Haus laufen kann und schon ist er da“. Ärgerlich sind die Eltern über die kurzfristige Informationspolitik: „Man wird vor vollendete Tatsachen gestellt.“

474 Unterschriften sammelten sie in den fünf Tagen vor der Sitzung des Planungsausschusses am Montag. Doch die wollte von der Verwaltung niemand in Empfang nehmen.

Im Ausschuss stellte der Erste Beigeordnete Martin Thesing klar, dass eine interfraktionelle Arbeitsgruppe die Aufgabe des Spielplatzes schon vor drei Jahren empfohlen habe. Und auch die Gemeindeprüfungsanstalt habe darauf hingewiesen, dass Raesfeld zu viele Spielplätze habe. So sei der Plan entstanden, den Spielplatz aufzugeben, auf dem Grundstück Wohnbebauung zuzulassen und dafür den Spielplatz am Ahornweg aufzurüsten. „Weniger ist mehr.“ Theo Passier, Chef der Bauverwaltung, fügte hinzu, dass der Bereich sehr gut zur Innenverdichtung geeignet sei. Zwei Einfamilienhäuser könnten auf zwei jeweils etwa 600 Quadratmeter großen Grundstücken Platz finden. Dazu müsse man in das Verfahren der Änderung des Bebauungsplans einsteigen.

„Startschuss“

„Im jetzigen Stadium sollten wir diesen Beschluss nicht fassen“, sagte Rupert Koller (UWG), da der Ansatz, dass der Spielplatz nicht mehr benutzt werde, fraglich sei. Deshalb solle man zuerst weitere Informationen sammeln und den Beschluss aufschieben. „Wir würden trotzdem vorschlagen, das Verfahren zu starten“, so Thesing. „Wir haben immer noch die Möglichkeit, es zu stoppen.“ Arno Gödde (Grüne): „Warum sollen wir etwas starten, was wir anschließend wieder stoppen müssen.“

Zum Thema „bespielt“ oder „nicht bespielt“ sagte Gödde: „So wie es hier in der Vorlage steht, ist es doch ganz offensichtlich nicht der Fall.“ Thesing: „Wir sind da völlig anderer Meinung, auch wenn hier eine Menge Leute unterwegs sind. Wir haben das über Monate beobachtet.“

Hans-Jochen Welsing (CDU) machte den Vorschlag, dass die Gemeinde zuerst ermitteln sollte, wie viele Familien es im Umfeld des Spielplatzes gebe, „aber den Startschuss sollten wir schon machen“. Als „Signal, das unserer Gemeinde nicht guttut“ wertete das Koller. Mit sechs CDU-Stimmen, bei Enthaltungen von SPD und Grünen und zwei Gegenstimmen der UWG wurde Welsings Vorschlag angenommen. Die Verwaltung soll nun über die Sommerferien verlässliche Zahlen mit einer Standortanalyse liefern.

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