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Von der Milch zur Butter

Tafel des Heimatvereins erinnert an die ehemalige Erler Molkerei

ERLE Die Wahrscheinlichkeit für einen Erler, auf einer der Geschichtstafeln des Heimatvereins abgebildet zu werden, ist relativ gering. Gerd Nagel hat’s geschafft. Auf der 14. Tafel, die am Samstag an der Marienthaler Straße gegenüber der ehemaligen Erler Molkerei enthüllt wurde, ist Gerd Nagel gleich zweimal als Mitarbeiter der ehemaligen „Molkerei-Genossenschaft Erle, Uefte, Overbeck und Umgegend“ zu sehen.

Tafel des Heimatvereins erinnert an die ehemalige Erler Molkerei

Als Vorstandsmitglied des Heimatvereins enthüllte Hannes Kempken am Samstag die 14. Erler Geschichtstafel.

Außer dem ehemaligen Buttermeier Gerd Nagel applaudierten Mitarbeiter der Molkerei, einige Milchfuhrleute, Nachbarn und Landwirte, als die von Hannes Kempken und Carlo Behler entworfene Eichentafel enthüllt wurde. Beide hatten bereits vor über einem Jahrzehnt die Milchwirtschaft in Erle erforscht und in einem siebenseitigen Aufsatz 2007 im Buch „Querbeet“ dokumentiert.

Eine Kurzfassung dieser Forschungen können die Radler und Wanderer nun auf der Tafel nachlesen, die so auf dem Grünstreifen postiert wurde, dass der Leser im Hintergrund die 1927 erbaute Molkerei erkennen kann. Auf fünf Fotos wird ein etwa 60 Jahre altes Bild des Gebäudes ebenso gezeigt wie die Anlieferung der Milch durch Heinrich Jacobs per Pferdefuhrwerk, die Verarbeitung im Betrieb und die letzte Milchanlieferung am 2. März 1973.

Meist nur drei Kühe

In seinem Vortrag erinnerte Hannes Kempken an eine unveröffentlichte Arbeit Dr. Josef Böckenhoff-Grewings über die Landwirtschaft in Erle. Danach gab es 1907 in Erle nur einen Betrieb mit mehr als 25 Kühen. 57 Betriebe hatten höchstens drei Kühe. Die rasant wachsenden Städte des Ruhrgebietes boten ein potenzielles Absatzgebiet für Trinkmilch. Einige Bauern fuhren ihre Milch zum Rhader Bahnhof, von wo aus sie ins Ruhrgebiet transportiert wurde. Die Verarbeitung der Milch zu Butter versprach einen größeren und zugleich lohnenderen Absatz der Milch. So wurde 1927 die Molkereigenossenschaft gegründet und die Erler Molkerei gebaut.

Etwa zehn Milchfuhrleute aus den einzelnen Bauerschaften Erle, Overbeck und Uefte fuhren täglich zur Molkerei. Der 80-jährige Lembecker Ludwig Schwering erzählte am Samstag, dass er als Schüler seinen Vater in den Ferien beim Einsammeln der Milchkannen auf den Bauernhöfen begleitete. „Auf dem Rückweg haben wir in den nummerierten Kannen Magermilch, Buttermilch und Butter zu den Bauern gebracht.“

Von Arbeit berichtet

Von der Arbeit in der Molkerei wussten Johannes Ossing und der 92-jährige Richard Meyerratken zu berichten. Ossing nahm von 1964 bis 1970 an der Waage die Milch entgegen und half anschließend bei der Verarbeitung. Meyerratken war von 1954 bis 1998 mit der Erler Milchwirtschaft verbunden. Von 1954 bis 1963 war er technischer Leiter der Molkerei. 1963 wurde er Geschäftsführer und blieb in dieser Funktion auch tätig, als die Molkerei 1973 geschlossen wurde und die Erler Bauern sich zu einer Milchliefergenossenschaft zusammenschlossen. Die Milch wurde mit einem genossenschaftseigenen Tankwagen von Hubert Jacobs und Johannes Schwering erst zur Privatmolkerei Onken nach Mülheim gebracht, später nach Moers. Als 1991 der Tankwagen der Liefergenossenschaft verkauft wurde, übernahm eine Spedition den Milchtransport. 1997 wurde aus Kostengründen die Liefergenossenschaft in eine Milchliefergemeinschaft umgewandelt.

Durch mutige Investitionen gelang es der Molkereigenossenschaft, die Zeit des massenhaften Sterbens kleiner Molkereien in den 60er-Jahren noch ein Jahrzehnt länger zu überdauern. Nach der Schließung der Molkerei 1973 wurde das Gebäude von einem Fleischgroßhändler erworben. Nach mehrmaligem Umbau wird es mittlerweile ausschließlich als Wohnhaus genutzt.  

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