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Nachwuchsprobleme

Aus für Schwerter Schützenbund nach 118 Jahren

SCHWERTE Hans Jörg Baumgartel ist noch immer frustriert. Ein Monat ist es nun her, seit der ehemalige Vorsitzende des Schwerter Schützenbundes das Ende des Vereins bekanntgab. Und das nach 118 Jahren. Wir erklären, wieso die Perspektive fehlte und wie es generell bei den Schützen in Nordrhein-Westfalen aussieht - mit interaktiven Grafiken.

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Der Schützenbund feierte im vergangenen Schützentag auf der Schwerterheide mit Königsproklamation und anschliessender Schlagerparty sein letztes Fest.

Der Schützenbund feierte im vergangenen Schützentag auf der Schwerterheide mit Königsproklamation und anschliessender Schlagerparty sein letztes Fest.

 

 

 

"Es war deprimierend und frustrierend", sagt Hans Jörg Baumgartel und fasst die Lage des ehemaligen traditionsreichen Schützenvereins Schützenbund 1898 Schwerte zusammen. Nach 118 Jahren musste sich der Verein im vergangenen Jahr auflösen - wegen immer weiter schrumpfender Mitgliederzahlen.

Viele Ehemalige starben oder traten wegen Krankheit aus dem Verein aus. Am Ende zählten die Schwerter Schützen nur noch zwölf bis 15 aktive Mitglieder. Und die schafften es nicht einmal mehr zu den Märschen. "Das Wandern war nicht mehr möglich. Wir konnten zum Teil nur noch zu sitzenden Veranstaltungen gehen", sagt Baumgartel.

Kein Nachwuchs, keine Perspektiven

Der Altersdurchschnitt lag am Ende bei 69,5 Jahren. Das älteste Mitglied war gar 82 Jahre alt. Perspektive? Fehlanzeige. Denn der Nachwuchs blieb aus und neue Mitglieder generierte der Verein schon lange nicht mehr. "Die Zeit und die Interessen des Nachwuchses sind das Problem. Heute dreht sich viel um Internet und Facebook. Für den Schützenverein bleibt da kein Platz", sagt Baumgartel, selbst 63 Jahre alt. 

BRACKEL Eine Tradition stirbt: Als der Bürgerschützenverein Brackel im Jahr 1839 gegründet wurde, war der Ort noch eine beschauliche eigenständige Bauernschaft und Dortmund hatte weniger als 10.000 Einwohner. Ende dieses Jahres müssen sich die Schützen auflösen. Nach 175 Jahren gibt es keinen Nachwuchs mehr.mehr...

Der Schützenbund Schwerte ist kein Sonderfall. In Nordrhein-Westfalen zeichnet sich schon seit Jahren der Trend ab, dass Schützenvereine Mitglieder verlieren oder sich komplett auflösen müssen. Aktuellste Zahlen der Landesverbände im Deutschen Schützenbund zeigen, dass sich in Westfalen zwischen 2014 und 2015 elf Vereine aufgelöst haben. In diesem Zeitraum verloren die Schützenvereine in Westfalen 364 Mitglieder.

"Vereine tun sich schwer"

"Fakt ist, dass der ein oder andere Verein sich selbst schwer damit tut, sich in seinen Strukturen zukunftsorientiert aufzustellen", sagt Robert Garmeister, Leiter Recht- und Verbandsentwicklung des Deutschen Schützenbunds auf Anfrage unserer Redaktion. Garmeister empfiehlt den Vereinen, sich rechtzeitig um neue und vor allem jüngere Mitglieder zu bemühen. Sei die Lücke zwischen Alt und Jung erstmal zu groß, sei es umso schwieriger, jüngere Mitglieder zu gewinnen.

Der Schwerter Schützenbund habe zahlreiche Anstrengungen unternommen, neue Mitglieder zu werben. So boten die Schützen einen Familientag und verschiedene Schießveranstaltungen an - auch für das jüngere Publikum. Ohne Erfolg. "Wir hatten auch eine Internetseite - für die jungen Leute. Die hat aber auch nicht geholfen", so der ehemalige Vorsitzende, der die Homepage vor einigen Wochen offline stellte.

Garmeister empfiehlt alternden Vereinen, Fusionen mit solchen einzugehen, die vielleicht weitaus jüngere Mitglieder haben. So könne der Altersdurchschnitt gesenkt werden. Gut geklappt hat das zum Beispiel in Lünen. Dort haben die Schützen des Schützenvereins Lünen-Süd im vergangenen Jahr auf einen Zusammenschluss gesetzt und zwei Kompanien zusammengelegt. "Wir haben immer mehr ältere und weniger Mitglieder. Deshalb war der Schritt nur konsequent und notwendig. Nach dem Zusammenschluss verfügen wir über 56 Mitglieder", so Schützengeschäftsführer Dirk Stankowski.

Konkrete Hilfe vom Bund

Probleme gebe es oftmals in Vereinen, die eher ländlich aufgestellt seien. Der Deutsche Schützenbund bietet seinen Mitgliedsvereinen deshalb konkrete Hilfestellung an. Das Projekt "Ziel im Visier" bietet den Aktiven in den Vereinen Hilfestellungen, "damit sie die tägliche Vereinsarbeit leichter bewältigen können", heißt es auf der Homepage.  Für den Schwerter Schützenbund kommt allerdings jede Hilfe zu spät.

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Der Schützenbund feierte im vergangenen Schützentag auf der Schwerterheide mit Königsproklamation und anschliessender Schlagerparty sein letztes Fest.

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