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Wie wird man Fan?

BVB-Fan Itze ist ein normaler Verrückter

SCHWERTE In seiner Heimat kennen ihn viele, ich kannte ihn nicht. Aber ich musste ihn treffen, für meine EM-Serie „Wie wird man Fußball-Fan?“. Jetzt brauchte ich einen Schub, suchte etwas Verrücktes, wollte etwas Extremes. Ich fand: Itze.

BVB-Fan Itze ist ein normaler Verrückter

Hans Jürgen Schweers alias Itze ist vermutlich einer der verrücktesten BVB-Fans. Aber irgendwie auch ziemlich normal.

Hans Jürgen Schweers heißt er richtig. Er ist vermutlich nicht der größte BVB-Fan, aber einer der bekanntesten. Schon aufgrund seines Äußeren. „So bin ich eben“, sagt er.Die zu Kreisen gezwirbelten Schnurrbart-Enden fallen fast zuletzt auf. An beiden Armen prangen zwei Uhren, zum Teil in den Farben Schwarz und Gelb, mehrere Pandora-Armbänder blitzen und blinken an den Handgelenken in der Sonne – auch deren Elemente tragen BVB-Logos. Die Haare trägt Itze zur Mitte gekämmt, zum kleinen Irokesen-Schnitt gegelt.  Auch sein Auto ist gestylt. Was vielen Deutschen das Heiligste ist, ist ihm ein Sammelalbum. Den schwarzen Lack seines Renault Twingo zieren diverse Spieler-Autogramme mit gelbem Edding. Während die Motorhaube vor allem Signaturen trägt, ist der Rest des Wagens mit BVB-Schmuck übersäht .

 Am Kühlergrill quetscht sich ein BVB-Logo ins Renault-Emblem, auch die gelben Radkappen tragen es. Im Innern sitzen und hängen Figuren, Bälle liegen und baumeln in diversen Formaten herum. Überall herrscht die schwarzgelbe Farbkombination. Seine Leidenschaft wirkt Lichtjahre entfernt von meiner. Ich besitze kein Logo eines Vereins.  Sicher gibt es Leute, die ihn verrückt finden. Aber es muss die Verrückten geben, damit die Anderen normal sind. Itze macht bloß, was Spaß macht. Während ich ihm gegenüberstehe – als BVB-Phlegmatiker, als Fußball-Laie, als Nicht-Fan im Ruhrgebiet –, sehe ich mich anormaler als Itze. Auch er sagt nur, dass er „vielleicht ein bisschen ausgefallen“ sei.  Seit der 67-Jährige in Pension ist, sitzt er oft in der Bäckerei Grobe, wo wir uns treffen. Spieler kommen hier oft hin. „Aber deswegen bin ich nicht hier.“  Wie bei vielen anderen entbrannte seine Leidenschaft bei einem Spiel, das er im Stadion sah. Gleich danach kaufte er sich eine Jahreskarte. Er brennt für den Verein. „Erst mit 33 bin ich zum Fan geworden“, sagt er. Das beruhigt mich: Es ist nicht zu spät für mich, um vom Fußball-Fieber angesteckt zu werden. Jeder Fan, den ich bisher traf, fand als Kind zu dem Sport. 

 Zuvor hatte Itze während der Spiele an den Wochenenden keine Zeit, er arbeitete als Schmelzer. Bisher verbrachte ich die vielen 90-Minuten-Pakete meines Lebens weder mit Fußball noch mit Arbeit, einfach nur anders.Auch von Itze gibt es übrigens Autogrammkarten. Das erfahre ich erst am Schluss unseres Gesprächs. Ein bisschen anormal ist er also doch. Wie ich. Jetzt muss ich nur noch auf seine Seite wechseln.  

Die Serie zur EM



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