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Biermann drohte nicht nur mit "Nachsitzen"

SCHWERTE „Frische Früchte am alten Baum“, versprach Wolf Biermann am Samstagabend im Rahmen der Kleinkunstwochen den zahlreichen Besuchern in der Rohrmeisterei. Doch sein Programm „Heimkehr nach Berlin-Mitte“ geriet zu einer ausufernden Geschichtsstunde, an deren Ende der berühmte Liedermacher sein Publikum bat, noch ein Lied singen zu dürfen.

Biermann drohte nicht nur mit "Nachsitzen"

Verbrachte viel Zeit mit seinen Memoiren: Liedermacher Wolf Biermann hatte wenig Aktuelles zu bieten.

Biermann ging in der Rolle des kumpelhaften Lehrers auf, drohte mit „Nachsitzen“ (was er mit seinem auf drei Stunden gedehnten Programm auch knallhart durchzog), verteilte Hausaufgaben (“Lernen Sie das auswendig“) und lieferte die Interpretation zu jedem seiner 14 Lieder und Gedichte gleich mit.Abrechnung mit dem Kommunismus  Seine Texte sind rückwärts gewandt, rechnen ab, mit der Stasi, der SED und dem Kommunismus, von dem sich der „heimatlose Linke“ heute mit aller Vehemenz distanziert: „Ein Kinderglaube(...) Wer das Paradies auf Erden schaffen will, schickt die Menschen durch die schlimmsten Höllen“. 90 Minuten sollte der Auftritt ursprünglich dauern. Diese Zeit verbringt das alternde Idol allein mit seinen Memoiren, geht hart mit sich ins Gericht, wenn es seine Haltung gegenüber der RAF reflektiert: „Schrott! Kannste alles vergessen!“. Trauerarbeit für halben Finger Biermann landet Pointen, wenn er um Bewunderung bittet, dass er es sich „verkniffen hat, seine Feinde umzubringen“. Gelächter auch, wenn er ins Kleinbürgerliche abdriftet und „Trauerarbeit“ für seinen halben Finger leistet, den er beim Apfelpflücken verlor. Sein Gedicht für Tochter Molly (“Ich mache mir meine Enkelkinder selber“) zeigt endlich, was den Liedermacher auszeichnet: Schonungslos zynisch und pointiert begegnet er darin dem absurden Glauben an einen Gott, der „menschlicher ist als seine Macher“. Was soll man auch von einem Schöpfer halten, „der nach einer Woche schon die Brocken hinwirft?“Aktuelles kommt kaum vor Ein bisschen „Religionsunterricht“, ein paar Spitzen in Richtung SPD zur Wiederentdeckung des Sozialismus (“Beck hat doch bloß Schiss“), Polemik gegenüber der PDS (“Die sind nicht legitimiert. Das sind die Verbrecher von damals“). Das war's dann aber auch schon an Aktuellem. Wolf Biermann wird am 15. November 71 Jahre alt und das merkt nicht nur er selbst, wie er in platten Sprüchen über Potenzprobleme verkündet. „Frag mich nicht, was wird mit unserem deutschen Land“, heißt es in einer Liedzeile. Schade, mag so mancher gedacht haben.

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