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Hausbesuch bei Isra Indra

Europas einzige Messerwerferin traf immer daneben

GARENFELD Eine Schlange, die einem Soldaten in die Zunge beißt. Ein Krokodil, das einen Versicherungsvertreter erschreckt. Mittendrin: Isra Indra, die früher als „Europas einzige messerwerfende Frau“ im Rampenlicht stand. Beim Hausbesuch in Garenfeld blickte die 72-Jährige mit uns zurück auf ein glamouröses Showleben.

Europas einzige Messerwerferin traf immer daneben

Die ganze Familie stand bei der Show mit dem lebenden Tiger Simba auf der Bühne (v.r.): Jonny King, Isra Indra und ihre Töchter Ramona und Carmen (Foto l.). Albenweise hütet Isra Indra die Erinnerungsstücke an ihr bewegtes Leben als Artistin in ihrer Wohnung in Garenfeld (Foto r.). Die 72-Jährige ist Europas einzige messerwerfende Frau. Foto: Reinhard Schmitz (Repro)

Getroffen hat sie nie. Haarscharf neben dem Kopf oder zwischen den Fingern des Partners bohrten sich die Spitzen ihrer Klingen ins Holz. „Ein Millimeter und du bist tot“, nannte Isra Indra ihre Show, mit der sie vom Ruhrtal aus über den ganzen Kontinent zog. Mittlerweile führt „Europas einzige messerwerfende Frau“, wie sie das Tonband immer ankündigte, ein ruhigeres Leben in Garenfeld. Aber: „Wenn was gefragt wird, dann machen wir das noch“, sagt die 72-Jährige.

Würgeschlangen abgeschafft, Messer gibt es noch

Gelernt ist gelernt. Die Artisten-Wurfmesser, mit denen sie schon bei Stars wie Gunther Gabriel, Jürgen Drews oder Dieter Thomas Heck zu Gast war, liegen wohlverwahrt. Nur die 16 Würgeschlangen, die sich Isra Indra einst zum Grusel ihres Publikums um den Leib hängte, sind längst abgeschafft. Die Tigerpythons und die Netzpythons, die Boa Constrictors und die Anacondas. „Das waren die gefährlichsten“, erzählt die Künstlerin: „Die haben gebissen nach Strich und Faden.“ Das musste ein englischer Soldat bei einem ihrer zahlreichen Schlangentanz-Auftritte in den Kasernen schmerzhaft erfahren. Er beugte sich zu dem Reptil herunter, um das Züngeln nachzumachen – bis die Schlange seine Zunge schnappte.

Einem Herzinfarkt nahe war ein Versicherungsvertreter. Er hielt Urmel, das zwei Meter große Krokodil in Isra Indras damaliger Wohnung am Ostentor, für eine ausgestopfte Figur. So ruhig lag es auf dem Fußboden, wo es sich frei bewegen durfte. Doch als es plötzlich ein Auge bewegte, schrie der Mann auf und rannte zur Tür. Kein Einzelfall. „Wenn mich jemand von den Künstleragenturen besuchte, dann standen die auf dem Tisch“, erzählt Isra Indra. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an ihren Wohnwagen, der zwischen den Auftritten regelmäßig auf dem früheren Parkdeck Wilhelmsplatz abgestellt war. „Achtung: Krokodile und Schlangen“, stand auf der Seitenwand. Besser, man beachtete die Warnung.

Das Showgeschäft war Isra Indra eigentlich schon in die Wiege gelegt, als sie in Nordhausen am Harz zur Welt kam. „Meine Eltern waren Künstler“, erzählt sie: „Ich komme aus einer Zirkusfamilie.“ Das bildhübsche Mädchen mit den pechschwarzen Haaren war gerade 16 Jahre alt, als es dem Messerwerfer Jonny King ins Auge fiel. Der suchte gerade eine Partnerin, die sich ans Messerbrett stellt. „Es sollte nur vorübergehend sein“, berichtet die Garenfelderin.

Bauchtanz mit Schlangen und Scharfschützin

Doch aus drei Monaten als Aushilfe wurde eine große Show. Die beiden Künstler wurden ein Paar und ließen sich später in Ergste nieder, damit die Töchter Carmen und Ramona eine feste Schule besuchen konnten. In deren Adern strömte auch Artistenblut. Die Ältere beherrschte den Bauchtanz mit Schlangen, die Jüngere konnte aus dem Pferdesattel heraus mit der Winchester Fünf-Mark-Stücke aus den Händen mutiger Gäste schießen. Das wurde sogar mal in einer Disco gezeigt, nachdem das Tier endlich die Treppe herabgeführt werden konnte.

1993 starb Jonny King und wurde auf dem Ergster Friedhof begraben. „Genannt das Messer“, ist in seinen Grabstein graviert. Isra Indra führte die Kunst, die sie von ihm gelernt hatte, weiter. Als die Varietés eins nach dem anderen schlossen, wurde sie Stargast bei Galas, Eröffnungsfeiern, Partys, auch im Fernsehen. Meistens von Garenfeld aus mit dem Wohnwagen. „Früher hatte ich Silvester zwei bis drei Shows hintereinander“, sagt Isra Indra. In diesem Jahr kann sie es ruhiger angehen lassen. Sie feiert bei ihrer Tochter, die in der Nähe einen Pferdehof betreibt.

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