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Filigranes Handwerk

Jesus in der Nussschale: Dieser Schwerter schnitzt winzige Krippen

SCHWERTE Die Kerne schmecken ihm auch. Aber eigentlich kauft Josef Hellebrand aus Schwerte seine Walnüsse als Bastelmaterial. Der 80-Jährige schnitzt winzige Krippen. Manchmal sogar mit Schwerter Kulissen.

Jesus in der Nussschale: Dieser Schwerter schnitzt winzige Krippen

Filigrane Krippen in Walnussschalen sind das Hobby von Josef Hellebrand (80). Foto: Schmitz Foto: Foto: Reinhard Schmitz

Warum nicht die Rohrmeisterei? Als Kulisse für Maria, Josef und das Jesuskind ist das Backsteingewölbe doch mindestens ebenso stimmungsvoll wie der übliche Schafstall. Das zeigt sich, als Josef Hellebrand ganz vorsichtig die Schale einer Walnuss aufklappt. Winziger als die Männchen einer Modelleisenbahn hat darin die Heilige Familie Schutz gefunden unter dem roten Dach des heutigen Kulturtempels. An den Seiten marschiert sogar noch eine ganze Schar von Mini-Hirten zwischen Tannen herbei.

Das filigrane Kunstwerk eines Mannes, der sich selbst gar nicht als Künstler versteht. „Das ist mein Hobby“, sagt der 80-Jährige, der Krippen in Walnussschalen gestaltet. Angefangen ist er zwar irgendwann einmal mit großen Exemplaren, doch dann schrumpften sie immer mehr. Seit Jahren sind nur noch Walnüsse sein Arbeitsmaterial. Eine Herausforderung ist es schon, deren Schalen so vorsichtig zu öffnen, dass sie heil bleiben. „Ich benutze einen Trick“, verrät Hellebrand: „Man muss die Nüsse für ein paar Tage ins Wasser legen, dann beginnen sie zu keimen und öffnen sich von alleine.“ Doch dann muss immer noch eine Hälfte ganz behutsam mit der Laubsäge geteilt werden, um zu den Türchen zu werden.

Schwerter schnitzt Krippen für Nussschalen

Filigranes Kunstwerk von Josef Hellebrand in der Walnussschale: Christi Geburt im Ruhrtalmuseum, beschützt vom Nachtwächter mit seiner Hellebarde (r.).
Filigranes Kunstwerk von Josef Hellebrand in der Walnussschale: Christi Geburt in der Rohrmeisterei.
Krippen in Walnussschalen bastelt Josef Hellebrand. Dabei verlegt er die Darstellung von Christi Geburt auch in heimatliche Kulissen wie (v.l.) Ruhrtalmuseum, Rohrmeisterei und Viktorkirche.
Josef Hellebrand (80) ist gelernter Schreiner, aber mit diesem Beruf hat das filigrane Schnitzen von Nussschalen-Krippen nichts zu tun.
Filigranes Kunstwerk von Josef Hellebrand in der Walnussschale:Christi Geburt vor dem goldenen Altar in der St.-Viktor-Kirche. Nur der schiefe Turm musste ein wenig gekürzt werden, damit er nicht aus dem Gehäuse ragt.
In die Walnussschale passt die Darstellung von Christi Geburt im Ruhrtalmuseum. Rechts wacht der Schwerter Nachtwächter über die Heilige Familie.
Neben der Krippe hat auch der Schwerter Nachtwächter mit Hellebarde und Mini-Laterne seinen Platz.
Krippen in Walnussschalen bastelt Josef Hellebrand. Dabei verlegt er die Darstellung von Christi Geburt auch in heimatliche Kulissen wie (v.l.) Rohrmeisterei, Ruhrtalmuseum und Viktorkirche.
Kaum größer als ein Fünf-Cent-Stück ist die Krippe in der Mini-Walnuss, die Josef Hellebrand geschnitzt hat.
Filigrane Krippen in Walnussschalen sind das Hobby von Josef Hellebrand (80).

Unter der Lupe setzt er sein Schnitzmesser an

Für die Figuren ist Ahorn die erste Wahl. Unter der Lupe setzt der Meister sein Schnitzmesser an. Mit Holz kennt er sich aus. Schließlich ist er gelernter Schreiner. Doch das Material ist auch das einzige, was der frühere Beruf mit dem Hobby gemein hat. Statt dem Bau von klotzigen Möbeln, Treppen oder Fenster ist Super-Filigranarbeit gefragt. Mit höchster Konzentration, damit kein Malheur passiert.

„Manche Figur mache ich nämlich drei bis vier Mal, bis sie mir gelingt“, berichtet der Rentner. Ein unbedarfter Handgriff, und schon fliegt ganz zum Schluss ein Kopf weg. Das macht aber nichts. Denn die Bastelarbeit ist ja Entspannung. „Abends vor dem Fernseher zu sitzen, ist nicht meine Sache“, sagt der der Hobby-Schnitzer. Lieber dreht er das Radio an, lauscht klassischer Musik und schnitzt mit ruhiger Hand. Nicht in der Werkstatt oder gar im Keller, sondern im warmen und hellen Wohnzimmer. „Da muss die Frau schon mitmachen“, erklärt er voller Dankbarkeit.

Verkaufen will Hellebrand seine Krippen nicht

Dafür mangelt es in der Weihnachtszeit überall zu Hause nicht an zauberhafter Dekoration. Auch den goldenen Altar von St. Viktor, das Ruhrtalmuseum mit seinem Treppengiebel und sogar den Schwerter Nächtwächter hat Hellebrand schon zu Walnusskrippen verarbeitet. „Die Hälfte steht unter dem Bett – es ist eigentlich schon zu viel.“ Die Kinder sind natürlich auch schon alle ausreichend versorgt.

Verkauft werden die filigranen Krippen aber nicht. Schließlich stecken in jeder durchschnittlich vier Tage Arbeit. Viermal hintereinander schnitzen von 17 bis 23 Uhr abends. „Da blieben ja nur ein paar Pfennige pro Stunde“, rechnet Hellebrand vor. Stattdessen verschenkt er lieber jedes Jahr eine kleine Auswahl an Ester Maria Grulke vom Hilfsverein Louisa. Der kann sie in seinem Laden an der Ecke Hüsing-/Friedensstraße dann für einen guten Zweck anbieten. Der Erlös unterstützt ein Projekt für Straßenkinder in Brasilien. Auf diese Weise werden die winzigen Kunstwerke zu einer großen Geste der Menschlichkeit. Und das hat ja schließlich auch wieder etwas mit der Weihnachtsbotschaft zu tun.

Krippenweg durch die Schwerter Innenstadt

  • Walnusskrippen von Josef Hellebrand sind im Advent im Schaufenster von Bücher Bachmann, Mährstraße 15, ausgestellt.
  • Viele weitere Darstellungen der Heiligen Nacht thematisiert zudem der 3. Schwerter Krippenweg, den die Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengeschichten in der Altstadt organisiert hat. Die Runde ist etwas 1,2 Kilometer lang vom Markt bis zum Markt.
  • Fast 20 Künstler gestalteten Figuren bis hin zu 1,60 Meter Größe, die entlang einer Route durch Kötterbachstraße, Mühlenstraße, Südwall und Westenstraße aufgestellt sind.
  • Die Auftaktveranstaltung zum Krippenweg findet am Sonntag, 3. Dezember, um 12 Uhr in der Viktorkirche am Markt statt. Anschließend gehen die Teilnehmer die Route ab und zünden unterwegs Lichter an.

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