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Mathe-Nachhilfe in der JVA Drüpplingsen

DRÜPPLINGSEN An den zu einem „U“ gestellten Tischen sitzen elf junge Männer. Vor ihnen liegen Ordner und Lederetuis. Sie rechnen Matheaufgaben. Es ist ein ganz normales Klassenzimmer – bis auf die Gitter an den Fenstern.

Mathe-Nachhilfe in der JVA Drüpplingsen

Was er in der JVA-Berufsschule nicht versteht, kann sich David im VHS-Kurs erklären lassen. Der Mechanik-Azubi ist einer von elf Häftlingen in der Jugendanstalt Drüpplingsen, der freitags Mathenachhilfe nimmt.

Und wenn die Jungs zwischen den Stäben durchschauen, bleibt der Blick an einer meterhohen grauen Mauer: Das Klassenzimmer ist ein Raum in der Justizvollzugsanstalt Drüpplingsen. Jeden Freitag morgen treffen sich die elf Häftlinge der Jugendanstalt mit dem JVA-Beamten Klaus Knott, der ihnen Nachhilfe in Mathe gibt. Was in der Berufsschule nicht verstanden wurde, wird hier noch einmal durchgenommen.

Alle, die den von der VHS Iserlohn geförderten Kurs mitmachen, sind Auszubildende zum Industrie- oder Zerspanungsmechaniker. Und wollen ihre Abschlussprüfung in zwei Jahren unbedingt bestehen. Der Mathekurs der Volkshochschule ist eineinhalb Stunden Normalität, die die meisten der Männer in Freiheit nicht kannten. „Viele von uns haben lange keine Schule besucht“, sagt einer der Jungs zwischen 16 und 21 Jahren. Auf der Tafel stehen Mathe-Formeln. Ein Projektor wirft geometrische Formen an die Wand. Heute wiederholt Knott den Satz des Pythagoras. Kamal, der als einziger lange Haare hat, setzt seine Brille ab und geht nach vorne zum Projektor. Zeichnet seinen Lösungsweg auf die Folie. Setzt sich dann wieder hin. Gesittet geht der Unterricht heute zu.

Das ist nicht immer so: „Ab und zu tragen die Jungs ihre Probleme mit in die Stunde. Die versuche ich dann erstmal mit ihnen zu lösen.“ Weil Knott bei der JVA als Lehrer angestellt ist, kennt er die Hintergründe der Inhaftierten und kann so auch Verständnis zeigen: „Der Kurs ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Jungs Kontakt zueinander haben“, sagt er. „Klar, dass dann auch mal Konflikte vom Vortag reingetragen werden.“ Die Männer scheinen verstanden zu haben, was Lernen für ihre Zukunft bedeutet. „Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, meint einer.

„Wenn ich hier rauskomme und arbeiten gehen kann, komme ich nicht auf dumme Gedanken“, sagt ein anderer. Und fügt scherzhaft hinzu: „Dicke Ausbildung gleich dickes Auto.“ Die Jungs tragen im Unterricht schon ihre Arbeitsklamotten: Blaue Hosen und graue Pullis. Denn danach geht es nach einer kurzen Raucherpause direkt in die Halle. Da wird dann bis nachmittags gearbeitet. Nach 15 Wochen ist der beliebte Kurs – fast 100 Prozent der Lehrlinge melden sich dazu an – vorbei. Dann trägt die VHS die Kosten nicht mehr. Knott unterrichtet die Lehrlinge trotzdem weiter. Das macht er schon seit rund 20 Jahren so, seit es das Angebot gibt. „Irgendwann gab es den Kurs mal nicht. Da haben viele ihre Ausbildung abgebrochen."

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