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Seltene Fehlbildung

Schwerter Mutter bangte: Baby hatte offenen Bauch

SCHWERTE Sechs Operationen hat die sieben Monate alte Zoe aus Schwerte überstanden, seit sie als Frühchen mit einer seltenen Fehlbildung zur Welt gekommen war. Weil sich die Bauchdecke nicht geschlossen hatte, lagen Dünn- und Dickdarm komplett außerhalb ihres zarten Körpers. Wir erzählen die Geschichte von Mutter und Tochter.

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Trotz all der Leidenszeit in der Kinderklinik ist Zoe ein ruhiges, freundlichen Mädchen.

"Sie wollte leben, sie wollte auf die Welt, wollte kämpfen und hat gekämpft", sagt Madeline Plichta über ihre Tochter Zoe und hat ihr den passenden Pulli angezogen.

„Die ist immer nur am Lachen“, sagt Mutter Madeline Plichta, und streichelt voller Bewunderung ganz zart Zoes Köpfchen. Zoe hat aufmerksame, blaue Augen. „Leben“ bedeutet ihr Name im Griechischen. Er stand schon lange vor der Geburt fest.

In den ersten Monaten der Schwangerschaft ahnte ihre 27-jährige Mutter noch nichts von dem bevorstehenden Leidensweg. Im Gegenteil: „Es ging mir gut, mir war nie schlecht.“ Die Schwerterin konnte sogar noch ihre Umschulung zur Altenpflegehelferin abschließen und die Führerscheinprüfung ablegen.

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Doch dann der Schock bei einer Routine-Untersuchung. Die Frauenärztin, die gerade auf dem Ultraschallbild das Geschlecht des Babys erkannt hatte, wurde plötzlich ganz ernst und sagte: „Da stimmt was nicht.“ Die sofortige Überweisung an einen Spezialisten in Dortmund bestätigte die Befürchtung. „Gastroschichsis“ – offene Bauchspalte – lautete die Diagnose.

Plötzlich fielen die Herztöne ab

„Die ganze Schwangerschaft danach war die Hölle“, erzählt Madeline Plichta. Die nicht enden wollende Sorge, ständige Besuche in der Kinderchirurgie des Klinikums Dortmund, immer neue Untersuchungen. Als bei einem Arzttermin im Spätsommer plötzlich Zoes Herztöne abfielen, musste der sofortige Kaiserschnitt eingeleitet werden. Mehr als sechs Wochen zu früh geboren, wog Zoe gerade 2480 Gramm.

„Ihr Gesicht wurde mir nur zwei Sekunden gezeigt, dann wurde sie sofort in die Kinderklinik gebracht“, erinnert sich die Mutter an den schlimmen Moment der Trennung. Mindestens zehn Ärzte hätten im Nebenzimmer gewartet.

Darm war verwachsen

Als die Schwerterin ihre Tochter das nächste Mal sah, lag der so zerbrechlich wirkende Körper in einem Brutkasten, angeschlossen an einen Beatmungsschlauch: „Und über ihr hing der Darm in einem sterilen Sack – in der Hoffnung, dass er in den Bauch rutscht.“

Beerdigungskosten für totes Baby

Dortmunder Sozialamt räumt Fehler ein

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Das Problem war allerdings, dass das gesamte Darmpaket „platt wie ein Schnitzel“ miteinander verwachsen war. Die Ärzte hofften schließlich, dass sich die Schlingen von allein lösen würden, nachdem sie alles in den Bauch gelegt und dessen Decke zugenäht hatten.

Künstliche Darmausgänge gelegt

Weil der Darm aber noch nicht durchgängig war, mussten noch vier künstliche Ausgänge gelegt werden. Dort musste der Inhalt per Katheter gesammelt und in den nächsten Verdauungs-Abschnitt eingespritzt werden, damit der Darm sich entwickelte und wuchs. Diese Aufgabe übernahm die junge Mutter selbst, nachdem Zoe kurz vor Weihnachten mit noch zwei Darmausgängen endlich nach Hause durfte. Erst am 12. Februar wurden auch diese mit der letzten Operation verschlossen.

Wegen der Gefahr von Verstopfungen oder anderen Komplikationen muss Zoe bislang immer noch vorsichtig mit dem Milchfläschchen gefüttert werden.

"Sie wollte leben und hat gekämpft"

Aber in ein paar Wochen wird die Kleine, die mittlerweile schon fast sieben Kilogramm auf die Waage bringt, auch ihre erste festere Beikost schmecken können. „Sie wollte leben, sie wollte auf die Welt, wollte kämpfen und hat gekämpft“, erklärt Madeline Plichta.

So manchen Anblick wird die Mutter niemals wird vergessen können. Ihr Baby im Brutkasten, in der Kinder-Intensivstation oder bei den Operationen, die bis über vier Stunden dauerten – so etwas bleibt immer vor ihrem geistigen Auge: „Das wünsche ich meinem größten Feind nicht.“

Ein großes Bedürfnis ist es der 27-Jährigen, den operierenden Ärzten der Dortmunder Kinderchirurgie zu danken. Vor allem Direktor Dr. Andreas Leutner habe sich sehr viel Zeit genommen, sei stets ansprechbar und menschlich gewesen. „Wenn der mir was gesagt hat, dann war das für mich Gesetz“, spricht die Schwerterin voller Vertrauen. Gleichzeitig möchte sie anderen Müttern Mut machen: „Die dürfen niemals aufgeben.“

Stichwort: Gastroschisis


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Trotz all der Leidenszeit in der Kinderklinik ist Zoe ein ruhiges, freundlichen Mädchen.

"Sie wollte leben, sie wollte auf die Welt, wollte kämpfen und hat gekämpft", sagt Madeline Plichta über ihre Tochter Zoe und hat ihr den passenden Pulli angezogen.

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