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Tac-Medics: Mit spezieller Einsatztaktik gegen Angriffe

Neuer Sanitätsdienst

Sanitäter sollen und wollen helfen. Dennoch werden sie immer häufiger bedroht und angegriffen. Jan Luger aus Schwerte kennt ein Gegenmittel. Und gründete eine neue Firma.

Schwerte

von Petra Berkenbusch

, 04.07.2018
Tac-Medics: Mit spezieller Einsatztaktik gegen Angriffe

Jan Luger (l.) mit einem Mitglied seines Teams beim ETuS-Sommer-Open-Air am Samstag. © Bernd Paulitschke

Sie sind zum Helfen gekommen und müssen sich beleidigen, anpöbeln, anspucken, bedrohen und sogar tätlich angreifen lassen. Rettungskräfte und Sanitäter beklagen eine zunehmende Verrohung der Sitten. Jan Luger hat das häufig am eigenen Leib erlebt. Er hat hauptberuflich als Rettungssanitäter gearbeitet, wurde selbst schon einmal mit einem Laserpointer attackiert. Inzwischen studiert der 33-Jährige Medizin und hat seinen eigenen Sanitätsdienst gegründet. Mit „Tac-Medics“ ist er seit zwei Wochen am Markt und stellt sich mit seinem Team der sinkenden Hemmschwelle und steigenden Gewaltbereitschaft entgegen.

Luger: „Besonders, wenn beim Publikum Drogen und Alkohol eine Rolle spielen, ist für die Sanitäter die Arbeit oftmals schwierig.“ Das Prinzip, sich immer zu zweit um Patienten zu kümmern, sei dann kaum noch einzuhalten. Deshalb hat Luger Methoden entwickelt, wie sich die Zweierteams vor Angriffen schützen können. Er erklärt: „Unsere Einsatztaktik ist so, dass sich einer um den Patienten kümmert und der andere die Menge drumherum beobachtet. Sobald die Situation unübersichtlich wird oder aus dem Ruder zu laufen droht, treten die beiden nach einem zuvor verabredeten Kommando kurzfristig mitsamt ihrem Patienten den Rückzug an und führen die medizinische Versorgung anderswo in Ruhe fort.“

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Ein einfaches Prinzip: Einer arbeitet, einer sichert

Das Prinzip „einer arbeitet, einer sichert“ sei nur durch hochprofessionelle Mitarbeiter sicherzustellen. Bei „Tac- Medics“ seien deshalb nur Sanitäter unterwegs, die im Hauptberuf als Rettungssanitäter oder Rettungshelfer arbeiteten. Zwei Einsatzkräfte bilden jeweils ein „Quick-Reaction-Team“, das im Notfall den ersten Kontakt zum Patienten hat. Luger: „Das QRT entscheidet dann über weitere Maßnahmen und arbeitet bei Bedarf eng mit Polizei, Rettungsdienst und Notarzt zusammen.“

Die Professionalität der derzeit acht Mitarbeiter zahle sich nicht nur bei großen Veranstaltungen mit möglicherweise schwierigem Publikum aus, sondern auch dort, wo Notfälle besondere medizinische Anforderungen in sich bergen können. Luger: „Unfälle bei Reitturnieren sind ein Bereich, wo die hauptberuflichen Erfahrungen unserer Rettungskräfte die optimale Versorgung von Verletzten garantieren.“

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Die Stressresistenz seiner Mitarbeiter testet Luger übrigens nach eigenen Angaben in einem speziellen Eignungsfeststellungsverfahren. Menschen in Not soll das eine möglichst effektive Versorgung garantieren, den Veranstaltern von Jahrmärkten, Sportveranstaltungen und Konzerten die Sorgen um einen qualitativ hochwertigen Sanitätsdienst nehmen.

Am vorigen Samstag waren Jan Luger und sein Team beim ETuS/DJK Sommer-Open-Air im Einsatz. Und standen für den Fall, dass Fans von Ross Antony und anderen Schlagergrößen Fassung und Bewusstsein verloren hätten, mit dem Notfall-Rucksack parat.

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