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Unter Volldampf gekocht

ERGSTE Wo war bloß der Hühnerbrühe-Würfel? Michael Junglaß schob seine Kochmütze hoch, ließ sein Augenpaar aufgeregt suchend über die Arbeitsplatte kreisen. Doch da lagen nur zwei fette Suppenhühner und ein Bund Wurzelgemüse.

Unter Volldampf gekocht

Zwei dickbauchige Schampusflaschen erhielt Michael Junglaß vom Sender Vox, den Pokal für den "besten Koch der Welt" von seinen Kindern. Foto: Reinhard Schmitz

„Mein Gott, alles frisch zubereiten – und das für 20 Leute“ schoss es dem Ergster siedendheiß durch den Kopf. „Unter Volldampf“ wirbelte er am Herd, um seine Apfelschaumsuppe mit Lachsstreifen pünktlich als ersten Gang servieren zu können. Der Titel der Vox-Kochshow, bei der er mit drei weiteren Hobby-Köchen an Schneidebrett und Töpfen um den Sieg kämpfte, hatte nicht zuviel versprochen: „Das waren alles Voraussetzungen, die man gar nicht gewohnt ist.“ Doch wer mit „Fanta“ Harde ein Bierfass durchs Sauerland gerollt und den Weltrekordstollen gebacken hat, legt so schnell nicht die Messer in die Schublade zurück. „Es war sehr anstrengend, aber schön“, schwitzte der 51-Jährige eine Woche lang in der Profi-Küche von „Hoppmanns Olive“ in Erkrath-Hochdahl. Jeden Tag zelebrierte er einen Gang aus dem selbst komponierten Menü. Schließlich verwöhnte auch die Nachspeise – Ananas mit Rum und Vanille-Sahne – noch gerade rechtzeitig die Gaumen der 20 Testesser mit den Punkte-Kärtchen. Das war knapp. Denn die 30 Mini-Früchte waren noch längst nicht ausgehöhlt, als bereits die Suppe aufgetragen wurde. Drei Gänge Die übrigen drei Gänge des Abends wählte die Jury jeweils aus den Rezept-Ideen der anderen drei Teilnehmer aus. „Wir wussten erst abends, was wir am nächsten Tag machen würden“, brachte diese Regel zusätzliche Schärfe in den Wettbewerb. Ganz anders als in der Küche in der Unterdorfstraße, wo Junglaß seit 1983 seine Familie nach selbst gewähltem Fahrplan bekocht. Mit Bratkartoffeln mit Spiegelei – das weiß er noch heute – fing alles an. Damals, nach der Geburt der ersten Tochter Annkatrin. Vaterliebe, die der heute 24-Jährigen durch den Magen ging. „Mein Papa ist der beste Koch der Welt“, ließ sie in den Fuß eines goldglänzenden Pokals eingravieren, mit dem sie den perfekten Hausmann schon im vergangenen Jahr nach dem „Perfekten Dinner“ belohnt hat.Dritter Platz Bei dieser Vox-Show hatte Junglass sich auf den dritten Platz gebrutzelt. „Fünf Teilnehmer bekochten sich reihum“, erinnert er sich an den Quotenhit, der mit dem Fernsehpreis als beste Kochsendung ausgezeichnet wurde. „Ein 405-tel davon gehört auch mir“, scherzt der Küchenfan. Rein rechnerisch, wenn man den Preis auf die insgesamt 405 Teilnehmer verteilt.    Dass ihm die allgegenwärtige Kamera beständig auf die Finger schaute, wenn er gerade Porree schnippelte oder in den Töpfen rührte, störte den gelernten Fernsehtechniker nicht im Geringsten. Im Gegenteil bekennt er: „Ich habe einen Hang zu künstlerischer Darstellung.“ Schauspieler seit dem Kindergarten Seit er im Kindergarten bei einem Weihnachtsstück in die Rolle des Nikolauses schlüpfte, lässt ihn das Schauspielern nicht mehr los. Als Guildo Horn in Westhofen seinen Frisörfilm dreht, meldete er sich freiwillig für eine Komparsenrolle: „Ich saß in der Reisegruppe, die mit dem Bus nach Berlin fuhr.“ Auf dem WC der Raststätte – in wirklichen Leben heißt sie Westfalenhalle – durfte er sogar neben dem „Meister“ vor der Wand stehen. Anschließend flimmerte sein Gesicht für eine Sekunde über die volle Leinwandbreite: „Da habe ich Blut geleckt.“ Guildo Horn Ein wenig mehr Erfolg als dem Guildo-Horn-Streifen, der nach zwei Wochen schon wieder aus den Kinos verschwand, ist Junglaß beim „Unter Volldampf“-Duell zu wünschen. Seine Freunde werden ihm dafür die Daumen drücken, wenn die Staffel vom 12. bis 16. November jeweils von 19.45 bis 20.15 Uhr über die Vox-Kanäle läuft. Sie liegen dem Hobby-Koch schon in den Ohren, um selbst einmal mit dem Wettbwerbs-Menü verwöhnt zu werden. „Ich muss mich jetzt aber erst einmal erholen“, lässt Junglass aber zunächst Dampf ab. Als er von den Dreharbeiten nach Hause kam, rührte er eine Woche lang keinen Kochlöffel an.              

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