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Das acht-älteste Gebäude von Ergste feiert seinen 260. Geburtstag

Verliebt in ein Fachwerkhaus

Ergste Besitzerin Silja Wehrenpfennig hegt und pflegt das Familienerbe. Dabei wollte die Münsteranerin einst nie nach Ergste ziehen.

Verliebt in ein Fachwerkhaus

Den 260. Geburtstag ihres Fachwerkhauses an der Unterdorfstraße 1a feiert Silja Wehrenpfennig am 11. Mai mit Familie und Freunden. Foto: Foto: Reinhard Schmitz

Schmerzhaft ist die Kindheitserinnerung an den Bauernhof an der Unterdorfstraße 1a. Der Ackergaul hatte wohl keine Lust mehr gehabt, Silja Wehrenpfennig im Sattel zu tragen. Bockig warf er die junge Reiterin ab – mitten in den Bach in den Ruhrwiesen. „Der war voller Brennesseln“, erzählt die 71-Jährige: „Da hab‘ ich geschrien.“

In den Sommerferien, da war sie oft zu Besuch beim Großonkel Fritz Ovelgönner. Das Münsteraner Mädel dachte dann immer: „In Ergste, da möchtest du nicht tot überm Zaun hängen.“ Doch es sollte ganz anders kommen. „Jetzt bin ich gerne hier“, sagt Silja Wehrenpfennig, während sie im Fliederduft auf ihrer Terrasse sitzt und die Meisen beobachtet, die im Nistkasten an der Fachwerkwand ein- und ausfliegen.

Sogar den zutraulichen Dorffuchs von Ergste hatte sie schon regelmäßig zu Gast auf dem parkähnlichen Grundstück, das sich erst beim Herumgehen um ihr Haus öffnet. 6250 Quadratmeter mit blühenden Rhododendren, Obstbäumen, Teich, Bauernbeeten und Rasenflächen.

„Das sind 2,5 Morgen“, erklärt Silja Wehrenpfennig. Also zweieinhalb mal soviel, wie ein Bauer an einem Vormittag bearbeiten konnte. Jetzt übernehmen das zwei Mähroboter. Täglich von 8 bis 18 Uhr: „Außer sonntags, dann haben sie frei.“

Landwirtschaft bis 1960

Noch bis 1960 nutzte Fritz Ovelgönner die Ländereien für die Landwirtschaft. Als der Bauer 1986 hochbetagt starb, vermachte er der Mutter von Silja Wehrenpfennig die Hofstelle, die erstmals im 16. Jahrhundert als „Storckengut“ erwähnt worden ist.

„Die Familie Storck muss mit uns verwandt gewesen sein“, berichtet Silja Wehrenpfennig, die ihre Ahnentafel bis 1505 zurückverfolgen kann. Ihre Mutter verwandelte die Weiden in Rasen, den Kuhstall in einen Partyraum und den Schweinestall in ein Gartenhaus. Vor allem hatte es ihr aber das Hauptgebäude angetan: „Sie machte ein Schmuckkästchen daraus.“ Von der Fassade verschwand der hässliche graue Kunstschiefer, sodass das Fachwerk wieder sichtbar wurde. Auch den Brunnen vor der Tür ließ die Mutter wieder ausheben.

Vierständerbau

Gerne kamen Grundschulklassen vorbei, um sich von der heutigen Heimatvereins-Vorsitzenden Roswitha Bliese durch das Gehöft führen zu lassen. Es gab dort Bauernmärkte, Feiern der Nachbarschaft „Auf dem Hilf“ und die „Garten-Eden“-Aktion für das Schwerter Hospiz.

„Das Haus war im Dorf für die Gastfreundschaft bekannt“, erklärt Silja Wehrenpfennig. Die gelernte Bibliothekarin hegt und pflegt es mit Herzblut, seit sie nach dem Tod ihrer Mutter 2011 von Münster nach Ergste gezogen ist. Am Freitag wird es bei ihr besonders voll. Denn sie hat Familie und Freunde eingeladen, um den 260. Geburtstag ihres Bauernhauses zu feiern. „XI. May Anno 1758“, erinnert die Inschrift auf dem Deelenbalken immer noch an den Einweihungstag. Damit ist der westfälische Vierständerbau das acht-älteste Gebäude von Ergste. Und das, obwohl es aus Lehm und Holz errichtet worden ist.

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