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Die Liste der Schwerter Bürgermeister

Vom Revolutionär bis zum Nazi

Schwerte Der eine wollte die Obrigkeit stürzen, einen anderen setzte das Nazi-Regime willkürlich ein. Unter den Bürgermeistern der Stadt Schwerte gab es schon einige bemerkenswerte Gestalten. Unser Stammbaum weist 17 Bürgermeister aus den vergangenen 200 Jahren Stadtgeschichte aus. Er endet mit Dimitrios Axourgos, der am 4. März gewählt wurde.

Vom Revolutionär bis zum Nazi

Der Stammbaum der Schwerter Bürgermeister.

Nicht jeder Bürgermeister hinterließ viel, über das im Nachhinein berichtet wurde. Aber über einige der ersten Bürger dieser Stadt exictieren Anekdoten oder Geschichten, die wir hier aufgelistet haben.

Per Losentscheid ins Amt

Per Losentscheid kam Schwerte an seinen ersten SPD-Bürgermeister, Albert Wengenroth. 1946 hatte nämlich sowohl die SPD als auch die CDU elf Sitze im Stadtrat. Da die Zentrumspartei und die KPD auch über jeweils ein Mandat verfügten, ergab sich im Rat ein Patt. Man griff zum Losentscheid. Und so kam der erste Soziademokrat nicht per Wahl, sondern per Los an die Amtskette. Wengenroth, der sein Amt in der Wahl 1952 dann gegen den CDU-Politiker Paul Grote verlor, wurde jedoch 1956 erneut ins Amt gewählt. Dann aber mit einer echten Mehrheit. Und so war er der erste per Los ermittelte und der erste gewählte SPD-Bürgermeister der Stadt.

Feiner Pinkel war schlagfertig

Ein kleiner unauffälliger Mann, so wird Bürgermeister Hermann Schlegdtendal (Amtszeit 1926 bis 1932) beschrieben. Von ihm gibt es die Anekdote, dass er nach einem Wasserrohrbruch die Baustelle besichtigte, weil es dort nicht voranging. Von den Arbeitern wurde er dort, ohne erkannt zu werden, als feiner Pinkel und Reaktionär beschimpft, der sie mal am A... lecken könne. Woraufhin Schlengtendal geantwortet haben soll: Das könne er wohl machen, aber nicht jetzt, sondern erst morgen früh. Da möchten sie sich im Rathaus melden und nach Bürgermeister Schlegtendal fragen, der sähe zufällig so aus wie er.

Schwertes Bürgermeister als Ahnengalerie

Johann Gravemann war zweimal Bürgermeister von Schwerte. 1837 – 1849  wäre er beinahe Opfer eines Putsches der Honoratioren geworden. Aber die kleinen Leute unterstützten ihn.  Seine zweite Amtszeit (1863 - 1867) verdankte er den Schichten, die seine erneute Kandidatur durchgesetzt hatten.
Engelbert Eduard Mitsdörffer (1849 – 1858) war ein großer Anhänger der Vormärzbewegung und ein echter Revolutionär.. Schon sein Vater war Bürgermeister in Schwerte gewesen. Mitten in der heißen Phase der Revolution fiel seine Amtszeit. Seine bedeutenste Leistung war die Einrichtung einer Sparkasse für Schwerte.
Eduard Wilms  (1859 1862): In seine Zeit fällt ein großer Teil der Industrialisierung der Stadt. In den Unterlagen taucht er oft in Zusammen mit Verträgen über die obere Ruhrtalbahn auf.
Friederich Mönnich (1867 – 1898) kam aus Köln nach Schwerte und war hier schnell sehr beliebt. Zweimal wurde er für zwölf Jahre gewählt, bevor er 1890 auf Lebenszeit zum Bürgermeister von Schwerte ernannt wurde.
Emil Rohrmann (1898 – 1926) hatte eine ähnlich lange Amtszeit. Allerdings wurde er nach der damals geltenden Magistratsverfassung für jeweils 12 Jahre gewählt. Nach ihm ist eine Straße in Schwerte-Ost benannt.
Hermann Schlegdendal  (1926 – 1932) galt als Mensch eher unauffällig, aber durchaus mit Humor gesegnet. In schweren, politisch unruhigen Zeiten führte er die Stadt. Von ihm gibt es einige Anekdoten.
Dr. Karl Guttmann (1932 – 1934) startete seine Karriere als Verwaltungsbeamter in Hagen und Mitglied der DDP. Nach der Machtergreifung hielt er sich noch über ein Jahr im Amt, vor allem weil er in die NSDAP eingetreten war. Danach wurde er aber dennoch in den Ruhestand versetzt . Sein Posten ging, allerdings erst knapp ein Jahr später, an einen verdienten Parteigenossen der ersten Stunden. An seinen Parteieintritt und dass er noch bis  August 1934 im Amt war, wollte oder konnte sich Guttmann, der erst 1984 starb, später in einem Interview nicht mehr erinnern.
Dr. Otto Weinert (1935 – 1945) wurde nach dem Ende der kommunalen Selbstverwaltung als Bürgermeister in Schwerte eingesetzt. Der Mann aus Quakenbrück war überzeugter Nationalsozialist und schon  lange vor der Machtergreifung für die Partei im Einsatz. 1945 veschwand er spurlos. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt..
Heinrich Kleinemeyer (1945 – 1946) war ein evangelischer Pfarrer und wurde von der britischen Besatzungsmacht als Bürgermeister eingesetzt. Nach ihm ist die Ruhrbrücke benannt, die in seiner Amstzeit wieder aufgebaut wurde. Von ihm existiert nur dieses Foto von der Brückeneinweihung.
Albert Wengenroth (1946 – 1952 und 1956 – 1961) verdankt seine erste Amstzeit einem Losentscheid. Denn sowohl die SPD als auch die CDU verfügten damals im Stadtrat über gleich viel Stimmen. Da die Kommunisten und das Zentrum auch jeweils eine Stimme hatten, schien eine Einigung unmöglich. Per Los kam der der erste Sozialdemokrat ans Bürgermeisteramt. Bei der ersten Wiederwahl unterlag er gegen den CDU Mann Paul Grote, bei der zweiten gewann er dann regulär und amtierte nochmals vier Jahre.
Paul Grote (1952 – 1956), der CDU-Politiker  gewann einmal gegen Albert Wengenroth und verlor beim zweiten Mal gegen den SPD Kandidaten.
Werner Voll (1961 – 1963):  Nach ihm ist die Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes in Schwerte benannt., denn Voll war 25 Jahre, von 1964 bis 1989,  Vorsitzender des Schwerter Ortsvereins.In den 60er Jahren wurde der Geschäftführer von Hundhausen auch Bürgermeister der Stadt.
Kurt Tillmann (1963 – 1965) wurde damals von vielen nur der Löwe genannt. Tillmann, ein überzeugter Sozialdemokrat, legte sich für die Sozialdemokratie auch mit Bundeskanzler Ludwig Erhard an und verteidigte die Rathaustreppe. Auf der wolle Erhard bei seinem Wahlkampf eine Rede halten. Tillmann setzte sich durch, Erhard blieb nichts anderes übrig als von der ladefläche eines LKWs aus zu den Schwertern zu sprechen.
Werner Steinem (1965 – 1992) war der Prototyp eines Ruhrgebietsbürgermeisters der damaligen Zeit. Er war volksnah und lange im Amt, das damals hauptsächloich aus Repräsentationspflichten bestand.
Ursula Sobelat (1992 – 1999) war die bislang einzige Frau im Amt. Sie war auch die letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt, die vom Rat gewählt wurde. Nach ihrer Amtszeit begann die Zeit der hauptamtlichen Bürgermeister, wie es sie auch vor 1945 gegeben hatte.
Heinrich  Böckelühr (1999 bis 2017) war der erste hauptamtliche Bürgermeister nach dem Krieg. In zwei Wahlgängen setzte sich der Rechtsanwalt 1999 gegen sieben Mitkandidaten durch. Der Christdemokrat  wurde drei Mal wiedergewählt,  jedes Mal mit absoluter Mehrheit. 2017 erklärte er seinen Rücktritt, um Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt zu werden.
Dimitrios Axourgos (seit 2018), hier bei seiner Amsteinführung. Mit großer Mehrheit wählten die Schwerter am 4. März 2018 den aus Iserlohn stammenden Studienrat Dimitrios Axourgos ins Bürgermeisteramt. Mit ihm konnte die SPD wieder einen Bürgermeister stellen.

Putsch der Honoratioren

Einen regelrechten Putsch gegen sich musste Bürgermeister Johann Gravemann 1848 abwehren. Während die Honoratioren der Stadt den Dortmunder gerne losgeworden wären und ihm zahlreiche Vergehen vorwarfen, hielten ihm die kleinen Leute die Treue, sodass er nicht nur seine erste Amtszeit bis 1849 durchstand, sondern 1863 auf Betreiben der Nachbarschaftsschichte wieder aufgestellt und gewählt wurde.

Bürgermeister auf Lebenszeit

Von 1867 bis 1926 hatte Schwerte nur zwei Bürgermeister. Das lag an der damals geltenden Magistratsverfasssung, die lebenslange Amtszeiten zuließ. Als erster wurde der Kölner Friedrich Mönnich auf Lebenszeit ins Amt gewählt. Allerdings erst nach nach 23 Jahren Amtszeit im Jahr 1890. Danach amtierte Mönnich noch bis zum Jahresende 1898, bevor er aus Altersgründen ausschied. Er starb 1901. Sein Nachfolger wurde der auch mit einer Straße bedachte Emil Rohrmann, der bis 1926 Bürgermeister von Schwerte blieb. Auf Lebenszeit wurde Rohrmann allerdings nie gewählt.

Ein Revolutionär gründet die Sparkasse

Ein echter Revolutionär wurde mit Engelbert Eduard Mitsdörffer 1849 Bürgermeister in Schwerte. Der Sohn des Schwerter Bürgermeisters Engelbert Ernst Mitsdörffer trat 1849 an der Spitze der Bürgerschaft mutig für die Verfassungsbewegung in Deutschland ein. Zudem gilt er als Initiator der Sparkasse. Denn 1853 wurde auf sein Betreiben die Sparkasse zu Schwerte und Westhofen gegründet. Der erste Rendant der Kasse war der Lehrer Weißgerber – wie Mitsdörffer ein „48er“.

Schwerte Dimitrios Axourgos ist neuer Bürgermeister der Stadt Schwerte. Und das ohne Stichwahl. Der SPD-Kandidat holte schon im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen. Adrian Mork (CDU/Grüne/FDP) war chancenlos. Hier finden Sie die Ergebnisse, alle Infos zum Wahltag und Video-Interviews mit dem Sieger, mit drei Unterlegenen und dem Vorgänger.mehr...

Der Nazi verschwand 1945 spurlos

Aber hängen Sie mich nicht neben den Nazi“, scherzte Alt-Bürgermeister Heinrich Böckelühr, als wir ihn zu seinem Abschied in einer Fotomontage in die Ehrengalerie im Besprechungszimmer des Rathauses zu seinen Vorgängern montiert hatten. Dabei hätte er da zumindest formell sogar neben zwei Nazis hängen können. Denn Dr. Karl Guttmann, der 1932 noch als Politiker der Staatspartei (vorher DDP) gewählt wurde, gehörte zu den sogenannten Märzgefallenen, also jenen Deutschen, die nach der Machtergreifung 1933 eilig in die NSDAP eintraten. Seinen Job rettete das indes nicht. Denn 1936, nach Abschaffung der kommunalen Selbstverwaltung, setzte die NSDAP ein verdientes Altparteimitglied, Dr. Erich Weinert, als Bürgermeister ein. Der firmiert intern in der Ahnenreihe als der Nazi. Im Frühjahr 1945 verschwand Weinert von der Bildfläche. Sein Schicksaal ist bis heute ungeklärt.

Der Schwerter Treppenwitz

Als Schwerter Treppenwitz ging eine Anekdote aus dem Bundestagswahlkampf 1965 in die Geschichte ein. Damals wollte Ludwig Erhard, der 1963 nach dem Rücktritt Adenauers Bundeskanzler geworden war, bei seiner Wahlkampftour auch in Schwerte Station machen. Das passte dem damaligen Bürgermeister Kurt Tillmann, einem strammen Sozialdemokraten, nicht so recht. Tillmann zeigte Muskeln. Denn Erhard wollte auf der Rathaustreppe sprechen. Die sei aber genau wie das Rathaus ein neutraler Ort, so Tillmann. Deshalb verbot der Bürgermeister aus Schwerte dem Bundeskanzler aus Bonn, sich auf die Treppe vor dem Rathaus zu stellen. Die CDU-Anhänger organisierten eiligst einen Lkw, von dem aus Erhard dann zum Wahlvolk sprechen durfte. Die Wahl war ein Erfolg für den Vater des Wirtschaftswunders, dennoch hielt er sich kaum ein Jahr an der Macht, bevor durch den Rücktritt seiner FDP-Minister eine Große Koalition unter Kiesinger in Bonn die Macht übernahm. Tillmann starb ein Jahr später im Amt. Sein Nachfolger war Werner Steinem, der 27 Jahre im Amt bleiben sollte.

Und nur eine Frau

Ach ja, und eine einzige Frau ziert diese Ahnenreihe. Ursula Sobelat folgte 1992 auf Werner Steinem. Sie sollte die letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin sein. Denn 1999 wurden in NRW erstmals Hauptamtliche Bürgermeister gewählt.

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