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Vorerst keine 100 Wohnungen auf Grundstück vom Schwerter Spaßbad

Ehemaliges FAB-Gelände

Eine große Siedlung auf dem Gelände des Freizeit-Allwetterbads wollte die Schwerter Wohnungsbaugenossenschaft GWG bauen. Doch dann gab es Streit, wer was auf die Tagesordnung setzen darf.

Schwerte

von Heiko Mühlbauer

, 27.06.2018
Vorerst keine 100 Wohnungen auf Grundstück vom Schwerter Spaßbad

Die Fläche des ehemaligen Freizeit- und Allwetterbades (unten r.) bleibt vorerst unbebaut. Der Planungsausschuss setzte den Antrag auf einen Bebauungsplan von der Tagesordnung ab.Schwerte © Oskar_Neubauer

Die GWG möchte gerne 100 Wohnungen auf dem ehemaligen FAB-Gelände bauen. Dazu legte sie bereits erste Pläne vor. Die Politiker im Planungsausschuss sollten nun ein entsprechendes Bebauungsplanverfahren einleiten. Taten sie aber am Dienstagabend nicht. Das Thema wurde von der Tagesordnung abgesetzt.

Vorstand Ralf Grobe, der samt Architektinnen ins Rathaus gekommen war, reiste unverrichteter Dinge wieder heim. Der Grund: CDU, WfS und Grüne sahen noch erheblichen Beratungsbedarf.

Debatte öffnete Blick auf Politik

Soweit der äußere Anlass. Doch die Debatte eröffnete einen anderen Blick auf die derzeitige Verfassung der Schwerter Kommunalpolitik. „Wir haben den Bürgermeister gebeten, das Thema nicht auf die Tagesordnung zu setzen“, so der Ausschussvorsitzende Marco Kordt (CDU). Der habe das aber qua Amtes durchgesetzt. Das habe er noch nie in seiner politischen Laufbahn erlebt, so Kordt. „Wir leben hier schließlich in einer Demokratie und keiner Diktatur.“ Ein Zitat, das SPD-Sprecher Heinz Haggeney als „katastrophale Ausdrucksweise“ brandmarkte. Er hielt Grünen und CDU vor, sie wollten ja dort nur eine grüne Wiese lassen.

2015 sollte es noch Wiese bleiben

Das hatten die beiden Fraktionen tatsächlich im Jahr 2015 beschlossen, aber bereits Ende desselben Jahres wieder aufgehoben. Aber der Beschluss gelte ja schon lange nicht mehr, entgegnete Bruno Heinz-Fischer von den Grünen. Man sei mit der GWG ja auch im Gespräch gewesen, aber jetzt auf einmal nicht mehr bei den Beratungen dabei gewesen. Grundsätzlich befürworte man ja den Plan der Wohnungsgenossenschaft, aber es gebe eben noch Beratungsbedarf.

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„Was haben Sie denn für einen Beratungsbedarf? Das ist doch ein tolles Angebot“, legte sich SPD-Ratsherr Stefan Kötter fest. Und Walter Wendt-Kleinberg von den Linken sah im Verhalten der politischen Mitbewerber den Versuch, zu zeigen, wer im Rat die Mehrheit hat.

Letztlich wurde das Thema mit neun zu sieben Stimmen wieder von der Tagesordnung genommen. Und die Vertreter der GWG, die eigentlich ihre Pläne erläutern wollten, mussten wieder abrücken.

Hauskomplex mit 100 Wohnungen geplant

Einen Hauskomplex mit 100 Wohnungen will die Wohnungsbaugenossenschaft GWG auf dem Grundstück des ehemaligen Freizeit- und Allwetterbades bauen. Die dreieinhalbgeschossigen Häuser sollen etwa einen Hektar der insgesamt 2,3 Hektar großen Fläche ausmachen.

Die Pläne der GWG sehen eine Erschließung des neuen Quartiers durch den kleinen Arm der Schützenstraße, der zum Schützenhof führt, vor. Das Gebäude soll mit einer Tiefgarage versehen sein, die laut Ratsvorlage auch als Puffer der darüber gelegenen Wohnungen vor Hochwasser dienen kann.

Auf dem Gelände des ehemaligen FAB sollen sowohl Sozialwohnungen als auch frei vermarktete Wohnungen entstehen. Mindestens 50 Prozent der Wohnungen sollen sozialer Wohnraum sein. Der fehlt in Schwerte nach einer Analyse des Wohnungsmarktes, die von der Stadt in Auftrag gegeben worden war.

Kommentar

Da soll noch mal einer sagen, im Wahlkampf nehme man es mit der Wahrheit nicht so genau. Da haben CDU, Grüne und FDP immer wieder erklärt, dass es ein Bürgermeister ohne Mehrheit im Rat schwer haben wird. Denn schließlich könne er keine Themen ohne den politischen Mitbewerber setzen. Und genau das passiert jetzt: Ob es tatsächlich um Sachgründe oder politische Animositäten geht, sei dahin gestellt – am Ende kann die Mehrheit den Amtsinhaber am langen Arm verhungern lassen. Ob das gut für die Stadt ist, sei dahingestellt. Aber auch die Aussage von Axourgos über seinen Kontrahenten Mork, jeder sei im Berufsleben ersetzbar, hat sich als wahr erwiesen. Denn die Demontage des Stadtplaners dauerte kein halbes Jahr. Da soll niemand sagen, im Wahlkampf würde gelogen, dass sich die Balken biegen. Heiko Mühlbauer
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