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Ergste: Feuerwehr rettet Pferd aus Futterbox

Wallach lag rücklings in der Kiste

Villigst Ein ausgewachsenes Pferd ist am Dienstag in einen engen Futtertrog gefallen. Alleine konnte die Feuerwehr den Oldenburger Wallach Ruby nicht aus seiner Zwangslage befreien und griff dabei zu einem Trick.

Wallach lag rücklings in der Kiste

„Ruby“ ist befreit und wieder auf den Beinen. Feuerwehrmann Matthias Büscher (l.) hält noch die Infusionslösung an einer Mistforke.schmitz Foto: Foto: Reinhard Schmitz

Rücklings in seiner Futterbox steckte das ausgewachsene Pferd fest. Kaum zu glauben, wie es überhaupt in die gerade einen mal einen Meter große Metallkiste hineinpassen konnte. Ein Bein lag unter seinem massigen Körper begraben, die anderen Läufe mit ihren weißen Fesseln waren in die Höhe gestreckt. Sich allein zu befreien, war für Ruby, den braunen Oldenburger Wallach, unmöglich.

Erneut zu einer Tierrettung ausrücken musste am Dienstagmittag die Schwerter Feuerwehr. Berndt Prescher, der Schwiegervater der Reiterin, hatte gegen 11.30 Uhr den Notruf gewählt. „Ich habe Ruby reinfallen sehen“, berichtete er: „Durch was für einen Umstand er reingefallen ist, kann ich aber nicht sagen.“ Er habe das Tier nur noch „so komisch schnaufen“ gehört.

Tier ist 700 Kilo schwer

Doch die Feuerwehr – so sagte Prescher lobend – sei schnell vor Ort gewesen. Und hatte auch eine Idee, wie man das an die 700 Kilogramm schwere Tier aus seiner Zwangslage herausholen konnte. Um sich nicht der Gefahr von Tritten mit den Hufen auszusetzen, riefen die Männer eine Tierärztin zur Hilfe. „Sie hat das Pferd sediert (ruhig gestellt, d. Red.) und dann in Narkose versetzt“, berichtete Einsatzleiter Matthias Büscher. Danach konnten die Retter die Gitterbox vorsichtig mit Bolzenschneider und Spreizgerät zerlegen. Der Einsatz einer Flex schied aus, um Ruby nicht dem Lärm und dem Funkenregen auszusetzen.

Als das Pferd wieder aufgewacht und aufgestanden war, musste sein Kreislauf noch eine Weile mit einer Infusion stabilisiert werden. Anstelle eines Infusionsständers hängten die Feuerwehrleute den Zehn-Liter-Kanister mit der Lösung einfach an den Zinken einer Mistforke auf, die sie anschließend mit Muskelkraft in die Höhe stemmten. Dann konnte das Tier wieder die ersten bedächtigen Schritte über den Hof wagen – vorn und hinten geführt am Zaumzeug und dem zu einem Knoten gebundenen Schweif.

Ruby war sehr tapfer

„Ruby war an und für sich sehr tapfer“, sagte Prescher. Er sei überhaupt ein sehr ruhiges Pferd, das in seinen 26 Lebensjahren schon einiges mitgemacht hat. Erst seit November 2017 ist es auf dem früheren Kotten an der Elsetalstraße zu Hause. „Wir haben es aus einer Gnadenbrothaltung rausgeholt“, erzählte Prescher. Ziemlich mager kam das Tier aus dem Bergischen Land an. Dort war der Bauer, der es versorgt hatte, durch einen Schlaganfall außer Gefecht gesetzt worden. Und sein Sohn, der eigentlich seine Aufgaben übernehmen sollte, erlitt kurz darauf einen schweren Unfall, bei dem er sein Augenlicht verlor.

Durch Bekannte erfuhr die Familie Prescher vom Schicksal des Wallachs und holte ihn auf ihren Hof, wo ihn die 24-jährige Stute Lotte begrüßte. „Pferde sind Herdentiere“, erläuterte Prescher: „Die sollen nicht alleine im Stall stehen.“ Auf dem ausgedehnten Anwesen der Familie an der Elsetalstraße haben sie noch mehr tierische Gesellschaft. Dort fühlen sich auch noch drei Katzen und vier Hunde wohl.

Gnadenbrot auf Pferdehof

Nach und nach lebte Ruby sich in seinem neuen Zuhause ein. Besitzerin Kirsten Prescher geht regelmäßig mit ihm spazieren. Ansonsten darf er auf der Wiese grasen und in Ruhe sein Gnadenbrot genießen. Im Stall holt er sich Heu und Stroh aus einer Gitterbox, wie es in vielen Pferdehaltungen üblich ist. „Das ist meine Heu-Raufe“ , sagte Kirschen Prescher und zeigte auf das Gewirr der auseinandergebogenen Eisenstäbe: „Ich benutze sie seit vielen, vielen Jahren.“

Infusionsschlauch an Mistforke

Wie jetzt das Unglück geschehen konnte, kann sich keiner vorstellen. Glücklicherweise hat sich Ruby beim Fallen in die Kiste nichts gebrochen. Außer einem gehörigen Schrecken trug er noch einige Blessuren an den Beinen davon. Größtenteils Schürfwunden, aber auch eine etwas tiefere Verletzung. Die Tierärztin betupfte sie mit einem Desinfektionsmittel und versorgte die blutigen Stellen anschließend mit einem weißen Verband. Die gelbe Infusionsnadel blieb die ganze Behandlungszeit über noch vorsorglich neben der Mähne im Hals stecken. Doch glücklicherweise brauchten die Schläuche mit dem Medikament nicht mehr angeschlossen zu werden.

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